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MDR wählt neue Chefin: Karola Wille - von der Referentin zur Intendantin

Nach dem Debakel vor vier Wochen hat es im zweiten Anlauf geklappt. Der MDR hat eine neue Intendantin: Die gebürtige Chemnitzerin Karola Wille. Ein Porträt.

In genau 20 Jahren hat es Karola Wille beim MDR von der Referentin zur Intendantin geschafft. Seit November 1991 arbeitet die gebürtige Chemnitzerin bei dem Sender, am 1. November tritt sie ihr Amt als Chefin der fünftgrößten ARD-Anstalt an.

Bei vielen der mehr als 2000 MDR-Mitarbeitern ist die begeisterte Skifahrerin beliebt. Schon länger gilt sie als "Intendantin der Herzen". Die 52-Jährige arbeitet viel, hat ein ansteckendes, fröhliches Lachen und kommt damit gut bei den Mitarbeitern an. 1996 wurde sie juristische Direktorin der Drei-Länder-Anstalt für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Seit 2003 vertritt sie den 67-jährigen Intendanten Udo Reiter, der in wenigen Tagen in den Ruhestand geht.

Wille kennt nicht nur den Mitteldeutschen Rundfunk in- und auswendig, sondern auch die öffentlich-rechtlichen Strukturen. So führt sie für die ARD die Verhandlungen mit den Fernsehproduzenten. Karola Wille ist Mitglied im Digital-Ausschuss von ARD und ZDF und leitet die Verhandlungsgruppe "Kabel/DSL". Sie war Vorsitzende der Juristischen Kommission beider Sendeanstalten. Im MDR leitet sie die Arbeitsgruppe "Digitale Zukunft".

Juristische Karriere in der DDR

Ein Streit entbrannte über Willes juristische Karriere in der DDR und über die Frage, welche Rolle das nach 20 Jahren tadelloser Laufbahn spielen kann. Sie studierte von 1978 bis 1982 in Jena Rechtswissenschaften und promovierte 1986. Von 1991 bis 1993 absolvierte sie nach der Wende ein juristisches Fernstudium an der Fernuniversität Hagen.

Ein kurzes Zwischenspiel gab sie als Justiziarin im Rechtsamt der Stadt Leipzig. Sie ist Honorarprofessorin für Medienrecht an der Universität Leipzig und hat eine erwachsene Tochter. Mit ihr fährt sie gern Ski in Italien. Wenn einmal Zeit bleibt, entspannt sie sich mit Büchern etwa von Loriot oder Horst Evers ("Für Eile fehlt mir die Zeit").

Rolf Westermann, DPA / DPA
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