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Michael Mittermeier im Interview: "Ich werde auch Donald Trump überleben"

Geht Comedy in Zeiten des Terrors? Im stern-Interview erklärt Michael Mittermeier, warum es gerade jetzt wichtig ist, dass die Menschen lachen - und verrät, was ihm in diesem Jahr Hoffnung gemacht hat.

Michael Mittermeier

Comedian Michael Mittermeier

Herr , Sie sind schon lange im Geschäft. Ist es Ihnen im Jahr 2015 schwerer gefallen als sonst, lustig zu sein?
Ich find es immer ganz schwer, zu vergleichen. Es mag ein schlimmes Jahr sein, es brodelt viel. Das Positive ist: Im Brodeln definieren sich die Dinge. Damit meine ich auch das positive Brodeln: wie Deutschland aufgestanden ist in der Flüchtlingsfrage. Das war groß. Es gibt also auch etwas auf der Habenseite. Lass uns nach vorne schauen.

Haben Ereignisse wie die Anschläge in Frankreich Einfluss auf Ihr Programm?
Natürlich nehme ich Bezug darauf. Es geht in meinem Programm sehr wild und universal zu, aber die Politik ist immer mit drin. Ich werde immer gefragt, ob ich am Tag nach den Anschlägen  aufgetreten wäre. Natürlich hätte ich da gespielt. Ich wüsste keinen Grund, warum ich an dem Tag nicht versuchen sollte, den Menschen einen guten Abend zu bereiten. Das ist mein Job: Ich seh mich als Unterhalter.


Hilft Humor bei der Bewältigung des Terrors?
Es ist so wichtig, dass die Leute wieder lachen. Wenn ich über Paris spreche, gucken die Leute erstmal komisch. Ich sage dann: "Ihr habt es alle gut. Ihr habt alle einen , den Ihr ausüben könnt, wenn der IS alles besetzt. Ich nicht. Comedian beim IS - das gibt es nicht." Oder: "Ich als Bayer bin sowieso die dumme Sau: Ich gehe auf die Bühne und sage Grüß Gott. Und bin schon weg." In dem Moment passiert ganz viel. Ich drehe ein ganz schreckliches Ereignis mit zwei Sätzen, und die Leute lachen.


Sie sind ein Comedian, der eine klare Haltung zu gesellschaftlichen Fragen einnimmt. War das eine bewusste Entscheidung?
Die Haltung und das Engagement waren immer da. Das fiel nur anfangs nicht auf, weil mich keiner kannte. Ich komme ja aus der Liedermacher-Kabarett-Szene. Ich bin ein Grenzgänger: Du kannst intelligent unterhalten oder du kannst blödeln. Ich mach beides. Aber auch fürs Blödeln gilt: Du brauchst für alles eine Haltung - selbst wenn du über kleine Hunde redest.


Apropos: Sie haben vor Jahren Witze über kleine Kätzchen gemacht und sich dafür viel Ärger eingehandelt.
Das war ja eine totale Quatsch-Diskussion. Der Gag war sechs Jahre alt. Das ist wie heute: Ich werde für mein Flüchtlingsengagement bepöbelt. Von einer Minderheit, die ganz laut wird. Das Problem ist: Jeder darf alles auskotzen, was er will. Und das wird dann als Wahrheit wiedergegeben. Da muss ich tatsächlich sagen: So schlimm wie 2015 war es noch nie.


Kann Humor in Momenten der Anfeindung und des Hasses Brücken bauen?
Es ist schwierig. Die Einzementierten kriegst du nicht mehr aus ihrer geistigen Gummizelle raus. Die eh im Hass stehen, nehmen den Humor als Angriff.


Dosieren Sie den Politik-Anteil in Ihrem Programm, um die Leute nicht zu überfordern?
Das wäre viel zu verkopft. In meinem neuen Programm "Wild" sind drei Nummern drin, die politische Themen ansprechen, aber in sehr absurder Form. Da kann jeder drüber lachen. Denn nicht alle, die bei mir hocken, sind meiner Meinung. Aber dann hören sie eine Nummer über Wotan, der hier Ausländer beschimpft, und dem ich dann erzähle: "Wenn du Ausländer klatschen willst, musst du nach Syrien fahren, da sind viel mehr." Der steigt dann in den ICE Walhalla und fährt da runter. In dem Moment hilft Humor schon. Ich ändere keine Meinung mit dem, was ich mache. Aber man diskutiert entspannter.


Viele Humoristen haben Kunstfiguren geschaffen. Der agile Bayer mit der schrillen Stimme - ist das so eine Kunstfigur, oder sind das Sie selbst?
Das bin 100 Prozent ich. Das ist die Basis meines Humors: Die Leute sehen mich mit der Welt kämpfen. Mich - nicht eine Figur. Ich holze mich durch die Dinge, um die Absurditäten zu verstehen. Die Realsatire ist größer als alles, was man erfinden kann. Ich kann nicht erfinden, dass in Amerika auf einem Superman-Kostüm draufsteht: Mit diesem Kostüm kann man nicht fliegen. Das heißt, mindestens einer hat's gemacht.


Als Comedian sind solche Spinner ein Segen. Freuen Sie sich über eine Figur wie ?
Nein, darüber freue ich mich eigentlich gar nicht. Das ist traurig. Natürlich mache ich über ihn Witze, solche Steilvorlagen muss ich verwerten. Ich bräuchte niemanden von denen. Ich könnte eine völlig normale Welt haben und mache zwei Stunden am Abend feinste Comedy, wo alle lachen. Aus Alltagsdingen etwas machen, das ist die Kunst.


Sie haben in Ihrem Leben eigentlich alles erreicht, wovon man träumen kann. Woher nehmen Sie die Motivation, immer wieder neue Programme zu schreiben und auf anstrengende Tourneen zu gehen?
Mich treibt an, dass jedes neue Programm bei null anfängt. Es ist die Herausforderung, Menschen zwei Stunden zum Lachen zu bringen. Immer wieder neue Wege zu gehen. Ich steh dann auf der Bühne und hab zweieinhalb Stunden Spaß. Ich setze meine Ziele selbst. Das wird nie aufhören. Und ich werde auch Donald Trump überleben.


Ab Mitte Januar 2016 startet Michael Mittermeier mit seiner Tournee "WILD". Alle Termine unter www.mittermeier.de 

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo