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Interview

Samy Deluxe bei "Sing meinen Song": "Ich hab Xavier zwei Mal abgesagt"

Er ist der erste Rapper bei "Sing meinen Song" und der unberechenbarste Künstler, den die Musik-Sendung bisher hatte: Samy Deluxe verspricht, die weinselige Runde um Xavier Naidoo mit einer Portion Ehrlichkeit aufzumischen.

Samy Deluxe

Der erste Rapper bei "Sing meinen Song": Samy Deluxe sagte zwei Mal ab, bevor er doch für die dritte Staffel unterschrieb.

Singen, trinken, weinen: Am Dienstag startet die dritte Staffel von "Sing meinen Song". Dieses Mal hat Gastgeber Xavier Naidoo neben seinen "The Voice"-Kollegen Nena und The BossHoss, der Sängerin Annett Louisan, Bap-Frontman Wolfgang Niedecken und dem Schweizer Musiker Seven auch erstmals einen Rapper eingeladen. Samy Deluxe durfte für die Vox-Sendung mit nach Südafrika. Spannender als die Frage, wie Nena und Co. mit seinen Raps klarkommen, wird sein, wie sich der Hamburger in das kuschelige Musiknest einfügt. Denn Deluxe ist bekannt dafür, sein eigenes Ding zu machen und sich nicht um Erwartungen zu scheren. Der stern sprach mit ihm vorab über seine Teilnahme.

"Sing meinen Song" ist für viel Emotionalität und gegenseitiges Lobhudeln bekannt. Glauben Sie, Sie passen da rein?
Ich bin gespannt darauf, wie es wird, weil ich mich nicht verstellen kann. Wenn ich lache, dann lache ich - aber ich kann nicht die ganze Zeit grinsen. Meine Ehrlichkeit macht mich ein bisschen unberechenbar und davon hab ich immer profitiert. Aber so ist Nena auch und überhaupt ist die Runde wirklich gut. Keiner ist nur Promi. Als ich gerade den Trailer gesehen habe mit den euphorischsten Momenten (der vergangenen Staffeln, Anm. d. Red.), wie alle weinen und lachen und tanzen, da hab ich mir auch gedacht: Es gibt von mir keinen einzigen Moment, wo ich auf Kamera weine. Ich bin aber ein Mensch, der bei Kunst emotional wird. Ich weine selten über meine eigenen Dramen, aber wenn ich einen Film sehe und die Streicher bei einer krassen Vater/Sohn- oder Freundschaftsszene den richtigen Ton spielen, dann kommen mir schon die Tränen. 

Wie kam es zu Ihrer Teilnahme?

Wenn ich Gast beim Privatfernsehen war, hab ich immer gemerkt, dass die Art, wie die mich präsentieren wollen, nicht zu mir passt. Da hab ich mich unwohl gefühlt. Deswegen hab ich "Sing meinen Song" pauschal abgesagt, auch, weil ich es einfach nicht kannte. Das zweite Mal hat mich Xavier eine halbe Stunde am Telefon total bezirzt. Daraufhin hab ich mir die Sendung immerhin mal angeguckt und mich schon sehr entertained gefühlt. Ich fand’s vor allem menschlich sehr nett. Dann hab ich trotzdem nochmal abgesagt, weil für mich die Runden damals nicht gepasst haben.

Inwiefern?

Ich will da gar nicht so wertend sein, aber es gibt einfach unterschiedliche Arten von Künstlern und wie Karrieren gestartet wurden. Da fühl ich mich in einem Rahmen wie hier total wohl aber mit Sarah Connor und Yvonne Catterfeld wär es schwierig - obwohl ich überhaupt nichts gegen die hab. Ich wusste, wer alles mitmacht und hab als letzter zugesagt. Generell bin ich für musikalische Sachen immer offen, es ist bei mir nur eine Niveau-Frage. Ich stell mich nicht auf jede Bühne und mach mit Halb-Playback meinen Song, nur weil die TV-Produktion nicht professionell genug ist, 'ne Live-Band hinzustellen.

Haben Sie eine Platte von den anderen Künstlern zuhause im Regal stehen?
Nein, nur Nenas letztes Album. Das hab ich mitproduziert und mitgeschrieben.

Spüren Sie Druck, als erster Rapper in der Sendung etwas zu beweisen?
Nein, gar nicht. Es gab keinen Moment bisher, an dem sich das wie Arbeit angefühlt hat. Ich hab vielleicht gerade einen Beat gebaut und merke, dass der Annett-Louisan-Song draufpassen würde. Dann sing ich das - und es passt.

Bei den Songs, denen ich am wenigsten abgewinnen konnte, hab ich einfach noch was dazu getextet. Ich mag, dass Rap eben eine Real-Time-Kommentation von dem Momentgeschehen bietet, das gibt’s in anderen Genres weniger.

Gastgeber Xavier Naidoo musste kürzlich die Teilnahme am Eurovision Song Contest absagen, weil viele seine Aussagen und Auftritte umstritten sind. Hat Sie das nicht abgeschreckt?
Ich hab das nur nebenbei mitbekommen, aber ich hab dazu persönlich keine Meinung. Mir war der Bundesvision Song Contest eher ein Begriff als der ESC. Xavier hat eben das Problem, das viele Leute haben, die gute Sachen machen wollen. Dass Statements aus dem Kontext gerissen werden und das dann alles überschatten soll. Aber ich kenne Xavier nun seit 15 bis 18 Jahren, nicht als Freund, aber wir sehen uns regelmäßig. Und ich krieg immer nur mit, wie viel Gutes er für seine Stadt und für andere Künstler macht.

"Sing meinen Song" läuft immer dienstags um 20.15 Uhr auf Vox.