HOME

"Tatort"-Kritik: Konstanz, das wird leider nichts mehr mit uns

Nein, der "Tatort" aus Konstanz ist noch nicht vorbei. Dass es aber höchste Zeit wird, zeigt die aktuelle Folge "Côte d'Azur". Der platte Krimi versucht alles von Kitsch bis Komik - und scheitert.

Tatort Bodensee

Klara Blum (Eva Mattes) und Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) bereiten sich auf ihren Abschied vor.

Noch zwei Folgen lang wird in Konstanz ermittelt, dann ist Schluss mit dem Bodensee-"Tatort": 2016 zieht der SWR die Kommissare Klara Blum (Eva Mattes) und Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) ab. Nach der aktuellen Folge fällt der Abschied wieder ein Stück leichter. Es funkt einfach nicht zwischen den Konstanzern und den Zuschauern. Die Fälle sind meist so zäh wie der obligatorische Bodensee-Nebel, der durchs Bild wabert. Da helfen auch die künstlichen Reibereien nichts, die in "Côte d'Azur" eingestreut sind. 

Blum und Perlmann sind nämlich richtig mies drauf. Eine Frau liegt erschlagen im Feld, und ihr Mörder hat der Polizei eine SMS geschickt: "Ich bin tot. Kümmern Sie sich um mein Baby." Weil Perlmann annimmt, das Baby sei beim Opfer zuhause, und erst einmal gründlich den Tatort untersuchen lässt, erfriert das Kind beinahe. Ihn plagen daraufhin Schuldgefühle, Klara Blum ist sauer. Doch dass ausgerechnet die empathische Kommissarin ihren Kollegen seinen Fehler immer wieder spüren lässt, ist unglaubwürdig. Die Zickereien sorgen daher nicht für Spannung, sondern irritieren eher.

Kabbeleien, Kitsch, Komik - der "Tatort" lässt nichts unversucht

Kitsch steht dem Krimi aber auch nicht: Wenn Perlmann neben dem Baby im Krankenhaus wacht, Märchenbücher vorliest und laut zu Gott betet, möchte man am liebsten in die Fernbedienung beißen. Als hätte der "Tatort" das selbst gemerkt, versucht er es dann mit Witz. Leider sind die Szenen um den schmierigen Casting-Agenten Jürgen (Markus Hering) und seine eindimensionalen Models eher peinlich als lustig. Dafür wird's im Krankenhaus unfreiwillig komisch, als das Baby einen Krampfanfall erleidet. Die animierte Puppe kann der SWR jedenfalls locker dem nächsten "Chucky"-Film überlassen.

Was leider auch nicht funktioniert: Coolness. Sätze wie "Ich bin Kai von der Polizei" oder "Support Your Local Dealer" passen nicht zum Straßen-fernen Kommissar Perlmann. Hinzu kommen einige logische Fehler im Drehbuch, und selbst mit dem Timing hätte es besser klappen können: Am Bodensee ist bereits Weihnachten. "Der Film war aber nie speziell für Weihnachten eingeplant", heißt es beim SWR auf Anfrage. Voraussichtlich im Januar und im kommenden Sommer müssen die Zuschauer noch einmal durch. Konstanz, das wird leider nichts mehr mit uns!