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"Tatort" aus Bremen Der Frischling und der Wikinger: Das neue Team an der Weser tritt seinen Dienst an

"Tatort" heute aus Bremen
Sie ermitteln ab sofort im Bremen-"Tatort": Mads Andersen (Dar Salim) und Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer) 
© Radio Bremen/Christine Schroeder / ARD
Die Neuen aus Bremen stellen sich vor: Jasna Fritzi Bauer und Dar Salim feiern ein starkes "Tatort"-Debüt mit einem Film, der mehr Sozialstudie als Krimi ist.
  • 4 von 5 Punkten
  • Gelungener Einstand des Ermittlerteams aus Bremen, der Lust macht auf mehr.

Worum geht's?

Ein kurz nach der Geburt aus dem Krankenhaus entführtes Baby hält fast die gesamte Bremer Polizei auf Trab. Deshalb untersuchen zwei Ermittler den Tod eines jungen Mannes, die beide eigentlich gar nicht im Dienst sind: Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer), die gerne für die Mordkommission arbeiten würde, und Mads Andersen (Dar Salim), der eigentlich auf gepackten Koffern sitzt und die Stadt lieber heute als morgen verlassen würde. In einer benachbarten Hochhaussiedlung stoßen sie auf Spuren des Mordes. Unter den Verdächtigen befindet sich die Familie der jungen Jessica Stiehler (Johanna Polley), die gerade erst einen Säugling entbunden hat.

Warum lohnt sich der "Tatort"?

Nicht die Aufklärung des Verbrechens steht im Vordergrund von "Neugeboren" (Buch: Christian Jeltsch; Regie: Barbara Kulcsar), sondern das Leben der Menschen in dem Bremer Brennpunktviertel. Wer in dieser Hochhaussiedlung lebt, hat nicht mehr viel zu erwarten. Da ist etwa Rudi Stiehler (André Szymanski), einst ein hoffnungsvolles Fußballtalent, ehe ein Kreuzbandriss seine Karriere jäh beendete. Heute rennt er im Werder-Trainingsanzug durchs Viertel und trauert vergangenen Tagen hinterher. Damit er wenigsten für kurze Momente so etwas wie Wertschätzung erfährt, schreibt seine Tochter heimlich Briefe vermeintlicher Fans.

Andere träumen vom Auftritt in einer Castingshow, um wenigstens einmal im Rampenlicht zu stehen. "Babys sind hier Statussymbol. Sollen zeigen, dass alles gut ist, und nicht scheiße", bringt Liv Moormann das Lebensgefühl zum Ausdruck.

Was stört?

Der eigentliche Mordfall ist wenig raffiniert und vorhersehbar. Er ist eigentlich nur die Folie, um die neuen Ermittler einzuführen und das Milieu zu charakterisieren. Etwas mehr Spannung wäre schön gewesen.

Die Ermittler?

Die ehrgeizige, aber noch unerfahrene Liv Moormann hat den Job noch gar nicht, und stürzt sich schon in die Ermittlungen. Der abgebrühte Mads Andersen ist eigentlich schon wieder auf dem Sprung in seine Heimat Kopenhagen. Beide zusammen ergeben sie ein effektives Gespann, da sie sich nicht mit den "Tatort"-üblichen Frotzeleien aufhalten, sondern gleich konzentriert zur Sache gehen. "Manchmal hilft es, der zu sein, den andere in dir sehen", erklärt der Däne seiner Kollegin. "Im Leben oder im Job?", will die wissen. "Das trennst du doch auch nicht." Diese knappen Sätze charakterisieren die Neuen sehr gut.

Die bereits aus den Bremer-"Tatort"-Folgen von Inga Lürsen und Nils Stedefreund und bekannte BKA-Beamtin Linda Selb (Luise Wolfram) komplettiert das ungleiche Ermittlertrio - das seine Stärke gerade aus der Verschiedenartigkeit der Charaktere zieht.

Ein- oder ausschalten?

Verjüngung geglückt: Trotz kleiner Schwächen lohnt dieser "Tatort" - allein weil Jasna Fritzi Bauer und Dar Salim so großartig sind. Schalten Sie ein!


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