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"Tatort" aus Köln: Sex und Sklaven – dieser "Tatort" hält nicht, was er verspricht

Was haben Sklaven in Katar mit Sex unter der Dusche zu tun? Gar nichts. Der "Tatort" aus Köln versucht jedoch, Zusammenhänge herzustellen, wo es keine gibt. Das muss in die Hose gehen.

"Tatort" aus Köln
  • 2 von 5 Punkten 
  • Routiniertes Team trifft auf ein unterdurchschnittliches Drehbuch. Da kann nichts Gutes bei rauskommen.

Worum geht's?

Gleich zu Beginn geht's zur Sache. Durch die beschlagene Scheibe einer Duschkabine zeigt die Kamera ein Paar unter der Dusche. Das dazu romantisch röhrende Saxofon passt so gar nicht zu dem Sex, der dort in einer überharten Gangart vollzogen wird. Und offenbar eine Spur zu hart wird: Die Frau bricht blutend zusammen. In der nächsten Szene wird die Leiche der Hotelangestellten Marion Faust gefunden. Die hatte vor ihrem Tod mehrere Nachrichten auf dem Anrufbeantworter von Susanne Baumann hinterlassen. Doch die ist inzwischen verschwunden, ihr Mann Lars (Hanno Koffler) sucht sie verzweifelt. Dabei müsste er eigentlich in Katar sein, wo er eine Baustelle für die Fußball-WM 2022 beaufsichtigen soll. Irgendwie scheint alles mit allem zusammenzuhängen in diesem "Tatort". Den Ermittlern fällt es sichtlich schwer, diesen Fall zu durchschauen. 

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Seit mehr als 20 Jahren ermittelt das Duo Ballauf und Schenk in Köln. Eigentlich müsste man die Stadt inzwischen aus allen Perspektiven gesehen habe. Doch tatsächlich zaubert der aktuelle Fall (Kamera: Daniel Koppelkamm) ein paar ungesehene, spektakuläre Rhein-Impressionen auf den Bildschirm. Zudem sind die Schauplätze gut gewählt. Visuell ist dieser "Tatort" ein Genuss.

Was nervt?

"Ich hab noch nicht einen einzigen Sklaven in Katar gesehen", sagte Franz Beckenbauer in einem umstrittenen Statement zur Fußball-WM 2022. Im "Tatort" sieht man auch keinen. Was ja grundsätzlich kein Problem ist. Doch die aktuelle Folge "Bausünden" verspricht, ein ganz großes Fass aufzumachen: Schon im Titel suggeriert dieser Fall, es gehe um Korruption, Ausbeutung und schmutzige Machenschaften in der Baubranche. Doch nichts davon hält dieser Krimi (Buch: Uwe Erichsen, Wolfgang Wysocki; Regie: Kaspar Heidelbach) ein. Die Existenz von Sklavenarbeitern wird kurz angesprochen, jedoch nicht weiter thematisiert. Vor allem haben die Bauarbeiten in Katar nicht das Geringste mit dem Mordfall zu tun. Hier wird nur zum Schein Relevanz vorgegaukelt. Es wabern Vorwürfe durch den Raum. Es wird ein diffuses Gefühl erzeugt, es gehe in Katar nicht mit rechten Dingen zu. Aufgeklärt wird aber nichts. An diesem Fall werden Verschwörungstheoretiker ihre Freude haben. Immerhin erfährt der Zuschauer am Schluss, was mit der Frau unter der Dusche passiert ist. Zumindest die Sexualaufklärung funktioniert also noch in diesem "Tatort".

Die Kommissare?

Während sich Ballauf und Schenk in früheren Folgen angezickt haben wie ein altes Ehepaar, ist in ihrer Beziehung inzwischen Ruhe eingekehrt, die beiden machen einfach nur ihre Arbeit. Was nicht das Schlechteste sein muss. In diesem Fall aber die Schwächen des Drehbuchs nur umso deutlicher offenbart.

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