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TV-Talk bei "Anne Will": Lafontaine stört die Griechen-Agenda

Kaum sitzt Oskar Lafontaine da, schon diktiert er wieder die Themen. Auch bei Anne Will. Auch wenn es eigentlich um Griechenland gehen soll und um "Spar-Angie" und "Spendier-Francois".

Von Jan Zier

Oskar Lafontaine ist da. Und Oskar Lafontaine lächelt. Entspannt sitzt er auf Anne Wills weißem Ledersessel, der Jetzt-doch-nicht-mehr-Parteivorsitzende. Er lächelt, ein wenig versonnen. "Die Linkspartei zerlegt sich selbst?" Oskar Lafontaine ist erleichtert. Auch wenn jetzt "viele enttäuscht" seien, von ihm, der Linken, und überhaupt. Ja, "erleichtert". Er müsste das gar nicht eigens erwähnen, man sieht es ihm auch so an. Ein "Egomane", wie sie jetzt wieder schreiben, ein "linker Rechthaber"? Ach, "Hahnenkämpfe" wolle er keine mehr ausfechten, sagt der 68-Jährige mit der viel jüngeren Freundin Sahra W., und im Grunde auch weder Parteivorsitzender noch Spitzenkandidat noch sonst irgendwas mehr werden. 14 Mal sei er das gewesen. Er sei halt gefragt worden. Immer wieder! Habe sich "nochmal breitschlagen" lassen, sich verpflichtet gefühlt. Aber eigentlich sollten es jetzt mal die Jungen machen. Sagt's und lehnt sich zurück.

Oskar Lafontaine ist da und diktiert die Agenda. Natürlich geht es hier erstmal nur um ihn, und die Alten in der Politik, den richtigen Zeitpunkt abzutreten. Jedenfalls nicht um Deutschland und Frankreich, wie Anne Will es eigentlich wollte, um den EU-Gipfel, um das Duell zwischen "Spar-Angie" und "Spendier-Francois". Doch, einen zaghaften Versuch unternimmt sie dann doch, die Moderatorin, Agenda-Setterin in ihrer eigenen Sendung zu werden. Versucht, die "einsame Kanzlerin, die Geisterfahrerin auf der Autobahn" gegen den französischen Staatspräsidenten aufzuhetzen, der "noch mehr Schulden" machen wolle. Und, wie unerhört, ein Konjunkturprogramm. Der Versuch Wills scheitert, spätestens als der Schriftsteller Hans Christoph Buch, sagt, dass mit Merkel und Hollande, da sei doch alles "ein Medienhype". Alles wesentliche, was dazu zu sagen ist, hat ja auch die Bild-Zeitung am gleichen Abend schon so zusammengefasst: "Merkollande – Wieder kein Küsschen". Nein, sagt Buch, "die Politik löst die meisten Krisen nie" - sondern "ersetzt sie nur durch neue". Oder durch "Weiterwursteln". Ende der Debatte.

Lafontaines Rettungsplan

Aber weil man ja schon mal da ist, kann man ja auch noch ein wenig zusammen reden, muss ja nicht grad Merkollande sein. Zumal, wenn ein Deutsch-Grieche in der Runde sitzt, zugegeben ein Journalist - Michael Pantelouris, der schon bei wichtigen Politmagazinen wie "Max", "FHM" oder "GQ" war. Ein Mann, der uns "die" Griechen erklären kann. Und auch Oskar Lafontaine ist das Thema recht angenehm. Denn dann kann er, rhetorisch geschickt wie eh und je, noch einmal gegen die Banken wettern, die immer noch nicht "an die Kette" gelegt wurden. Die "Kapitalverkehrskontrollen" fordern. Eurobonds ablehnen. Und, ganz nebenbei: Griechenland retten. Durch eine Kürzung des in der Tat immens hohen griechischen Militäretats. Und eine Besteuerung der dortigen Milliardäre. 80 Prozent des griechischen Vermögens sei in den Händen der 2.000 reichsten Familien. Die "jede Möglichkeit" hätten, ihr Geld ins Ausland zu schaffen.

Die Wahl zwischen "Giftspritze und elektrischem Stuhl"

Dazwischen sitzt Pantelouris, und versucht der EU den Widersinn der allgemeinen Forderung zu erklären, Griechenland soll doch gefälligst die wieder wählen, "die alles verschuldet haben". Und überhaupt: Dass was die EU da grad mache, mit Griechenland, das sei doch wie Pest und Cholera, nein, die Wahl zwischen "Giftspritze und elektrischem Stuhl". Dabei absolviere absolviere Griechenland "das härteste und erfolgreichste Sparprogramm", dass je eine westliche Industrienation durchgemacht habe. Nur: "Es erstickt alles." Ach, wirft Dirk Müller ein, ein "Finanzexperte" mit viel Börsenerfahrung, Griechenland habe eh die "falsche Währung". Wie Irland. Wie Portugal. Wie Spanien. Aber nicht mehr lange, dann seien sie raus, die Griechen aus dem Euroraum.

Dazwischen sitzt Annegret Kramp-Karrenbauer, CDU, Lafontaines Ministerpräsidentin daheim im Saarland. Sie sagt langweilige Politikersätze wie "Angela Merkel ist nicht angeschlagen". "Solidarität ist keine Einbahnstraße." "Wir stehen weiter solidarisch zu Griechenland." Und so weiter. Und schon vermisst man ihn wieder, den alten Lafontaine.