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ZDF-Vierteiler: "Krieg und Frieden" als TV-Spektakel

15.000 Komparsen, 1500 Pferde, 2400 Kostüme, 105 Drehorte: Die Neuverfilmung des Romanklassikers "Krieg und Frieden" von Leo Tolstoi ist mit 26 Millionen Euro die bisher teuerste europäische TV-Produktion. Auf den Zuschauer warten Intrigen, Emotionen und blutige Schlachten.

Leo Tolstois Roman "Krieg und Frieden" steht für blutige Schlachten, raffinierte Intrigen und große Emotionen: Die Neuverfilmung des 1868 erschienen Meisterwerks der Weltliteratur gilt mit 26 Millionen Euro als eine der teuersten europäischen Fernsehproduktionen. Ab Sonntag (20.15 Uhr) ist der Vierteiler im ZDF zu sehen. Weitere Sendetermine sind der 9., 13. und 16. Januar. An der Produktion sind sieben europäische Länder beteiligt.

Große Geschichte um Liebe, Freundschaft und Verlust

Die mit großem Aufwand betriebene Verfilmung des Romans zeichnet ein umfassendes Porträt des aristokratischen Lebens in einer Zeit, die zu den glanzvollsten Epochen in der russischen Geschichte zählt. Dabei steht neben der Schilderung militärischer Auseinandersetzungen Russlands mit Frankreich die Darstellung familiärer Szenen, Konflikte und Vergnügungen im Vordergrund. Regie führte Robert Dornhelm - immerhin Oscar-nominiert für "Die Kinder der Theaterstraße".

Clémence Poésy, Alexander Beyer, Malcolm McDowell, Alessio Boni, Hannelore Elsner, Ken Duken, Benjamin Sadler, Brenda Blethyn und Violante Placido spielen die Hauptrollen in dem Film, der im vergangenen Jahr in Russland und Litauen mit aufwändigster Ausstattung und Tausenden historischer Kostüme gedreht wurde. Ausgestrahlt wurde der Film bereits in Frankreich und Italien. Die vier Teile erreichten laut Produktionsfirma Eos Entertainment dort im Schnitt 6,1 Millionen Zuschauer und damit einen Marktanteil von 26 Prozent, in Frankreich waren es 5,25 Millionen (20 Prozent).

Drei Adelshäuser, drei Weltanschauungen

Vor dem historischen Hintergrund der Napoleonischen Kriege und dem Russlandfeldzug des französischen Kaisers erzählt "Krieg und Frieden" die Geschichte dreier Adelshäuser und deren unterschiedlichen Wertvorstellungen: Da ist die Familie der sorglosen, natürlichen, aber verschwenderischen Rostows, in der Lebensinhalte wichtiger sind als die Form. Dem gegenüber stehen die Kuragins, die die Welt des Scheins, des Schönen bevorzugen, allerdings menschlich verdorben sind. Und da sind die nach strengen Regeln lebenden Bolkonskis, deren Familienoberhaupt einem Tyrannen gleicht. Pierre, der uneheliche Sohn eines steinreichen Petersburgers, fungiert als scheinbar naives Bindeglied zwischen den Familien und ihren abweichenden Lebensphilosophien.

In dem Werk spielt Alexander Beyer ("Good Bye, Lenin") den Pierre, der nur mit Mühe seinen Weg durchs Leben findet und sich erst spät zu seiner wahren Liebe bekennt. Clémence Poésy ist Natascha Rostowa, eine junge, lebenslustige und unbeschwerte Frau voller Neugier auf das Leben. Ihr Verlobter, Prinz Andrej Bolkonski, wird gespielt von Alessio Boni. Hannelore Elsner ("Alles auf Zucker") ist Nataschas Mutter Gräfin Rostowa, Ken Duken ("Störtebeker") verkörpert den intriganten Anatol Kuragin, einen jungen Offizier, dessen Charme Natascha erliegt. Benjamin Sadler ("Contergan") spielt den Draufgänger Dolochow.

"Großes, dickes Bilderbuch"

Für Hannelore Elsner ist der Film eine "Reise in eine vergangen Zeit, opulent, aufwendig und ausdrucksstark. Wie ein riesengroßes, dickes Bilderbuch, das man durchblättert", sagte die Schauspielerin in einem Interview. Für Alexander Beyer ist es eine "Traumrolle und ein Traumprojekt". Gedreht wurde "Krieg und Frieden" unter anderem in St. Petersburg. Zahlreiche Paläste und Adelshäuser sind Hintergrund für das Leben der russischen Oberschicht Anfang des 19. Jahrhunderts.

In Litauen wurden die großen Schlachten nachgestellt. Für den Film wurden 2.400 Kostüme hergestellt, das Team reiste an 105 Drehorte, rund 15.000 Komparsen und etwa 1.500 Pferde kamen zum Einsatz. "Krieg und Frieden" erschien 1868 und gilt als eines der bedeutendsten Werke der Weltliteratur. Die Handlung spielt vor dem Hintergrund der napoleonischen Kriege von 1805 bis 1812. Der Roman wurde unter anderem 1956 in den USA mit Audrey Hepburn verfilmt und von Sergej Bondartschuk 1968 in Russland.

Die Neuverfilmung erforscht die Verbindungen und Parallelen der Charaktere, der Beziehungen und der Geschehnisse, die auch ein Licht auf eine sich verändernde Welt werfen. In glitzernden Ballräumen, auf blutigen Schlachtfeldern, in dunklen Kutschen, in üppig ausgestatteten Palästen - ob in rauschender Abendrobe oder mit dem Säbel in der Hand - alles, was Tolstois Romanhelden und die Protagonisten im Film miterleben, führt letztlich zu der Erkenntnis, dass Freundschaft statt Feindseligkeit, Vergebung statt Rache, Mitgefühl statt Ignoranz sowie Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt dem Menschen die Würde verleihen, ohne die die Spezies wahrscheinlich längst ausgestorben wäre.

mit AP