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Geschichte: Die Zeit des Nostradamus - eine Welt zerbricht

Das 16. Jahrhundert war gekennzeichnet von Kriegen, Epidemien, dem Niedergang der alten Ordnung. Und vom Aufbruch der Denker und Entdecker.

Das 16. Jahrhundert war gekennzeichnet von Kriegen, Epidemien, dem Niedergang der alten Ordnung. Und vom Aufbruch der Denker und Entdecker.

Politik

Der Ausdehnung des abendländischen Einflussbereiches im Westen (Amerika ab 1492) steht im Osten eine schwere Bedrohung entgegen: 1453 war Konstantinopel an die Osmanen gefallen, 1529 stehen die Türken vor Wien. Der Habsburger Karl V. wird "römischer" Kaiser und versucht vergebens, das Reich zusammenzuhalten, das von Spanien über Italien und Österreich bis zu den Niederlanden und Deutschland reicht.

Kirche

1521 wird Martin Luther von Papst Leo X. exkommuniziert. Die Pariser Sorbonne verurteilt seine Lehren, und in Frankreich beginnt die Verfolgung der dortigen Protestanten (später "Hugenotten"). König Heinrich II., dem Nostradamus seine Prophezeiungen widmet, schreibt 1559 per Edikt die Todesstrafe für Häresie vor. Dennoch ist die Spaltung der Kirche nicht mehr zu stoppen, da sich der religiöse Aufbruch mit massiven politischen Interessen verbindet.

Wissenschaft

1543 erscheint das Hauptwerk von Nikolaus Kopernikus, wonach nicht die Erde, sondern die Sonne im Zentrum des Planetensystems steht. Diese Wende steht stellvertretend für eine radikale philosophische Umbesinnung, die letztlich alles infrage stellt. So ersetzt das erforschte Wissen mehr und mehr den verkündeten Glauben. Gleichzeitig blüht auch die Astrologie auf, denn es wird noch nicht als Widerspruch zum neuen Denken verstanden, das Schicksal aus den Sternen zu lesen.

Wirtschaft

Ganz neue Wege auch hier: Die europäischen Handelshäuser, allen voran das der Augsbur-ger Familie Fugger, dominieren jetzt Handel, Bergbau und Finanzen, weiten ihren Einfluss aus auf ganz Europa und darüber hinaus, was ihnen zugleich große politische Macht bringt. So werden die Fugger zur entscheidenden Stütze des Herrscherhauses Habsburg.

Kunst

Wie in weiten Teilen der Wissenschaft gibt Italien auch in der Kunst den Ton an. Nicht zuletzt, weil durch Flüchtlinge aus dem besetzten Konstantinopel die Antike noch einmal zurückkehrt und eine Wiedergeburt erlebt ("Renaissance"). Es ist die Zeit Leonardos und Michelangelos. In Deutschland wird Dürer zum bedeutendsten Künstler nördlich der Alpen und vermarktet sich in zuvor unbekanntem Maße.

Frank Ochmann / print