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Verleumdungsprozess US-Medienbericht: Rechte sollen viel Geld für Stimmung pro Johnny Depp ausgegeben haben

Johnny Depp befindet sich in einem Rechtsstreit mit seiner Ex-Frau Amber Heard.
Johnny Depp befindet sich in einem Rechtsstreit mit seiner Ex-Frau Amber Heard.
© Denis Makarenko/Shutterstock.com
Johnny Depp hat im Prozess gegen Ex-Frau Amber Heard einem Medienbericht zufolge stark von Social-Media-Kampagnen profitiert. Fünfstellige Summen wurden dafür ausgegeben – von Meinungsmachern von Rechts. Zu diesem Schluss kommt eine US-Medienanalyse.

Johnny Depp wurde im Verleumdungsprozess gegen seine Ex-Frau Amber Heard zum größten Teil freigesprochen: Er soll 8,35 Millionen US-Dollar von der Schauspielerin erhalten. Ob und wie die Urteilsfindung durch soziale Medien beeinflusst wurde, ist eine Frage, die Anhänger beider Seiten interessieren dürfte. 

Das amerikanische Portal "Vice World News" will nun Erschreckendes zu Tage gebracht haben. Mithilfe von Daten und Recherchen der Non-Profit-Organisation "The Citizens" konnte demnach eine Anti-Heard-Kampagne in den sozialen Medien enthüllt werden: Die Seite "The Daily Wire" habe Zehntausende von Dollar ausgegeben, um irreführende Nachrichten über den Prozess von Depp und Heard in den sozialen Medien zu verbreiten. Das konservative Blatt ist demnach derzeit die zweitbeliebteste Nachrichtenseite auf Facebook. Es hat laut dem Bericht bisher zwischen 35.000 und 47.000 Dollar für Facebook- und Instagram-Anzeigen ausgegeben, um Artikel über den Prozess zu bewerben, und dabei rund vier Millionen Aufrufe erzielt. Die Medienanalysten kommen zu dem Schluss: Die meisten dieser Anzeigen werben für einseitige Artikel und Videos mit einer klaren Voreingenommenheit gegen Heard. Sie würden größtenteils über die Facebook-Seiten hochkarätiger konservativer Persönlichkeiten beworben, darunter die rechtsgerichtete Kommentatorin Candace Owens.

Besonders "The Daily Wire" verfolgte wohl eigene Ziele

Die gemeinnützige Medienorganisation "The Citizens" analysierte laut "Vice World News" Daten aus der Facebook-Anzeigenbibliothek, die Schätzungen darüber zulassen, wie viel Seiten für Werbeanzeigen ausgeben. Die Analyse zeigt demnach, wie "The Daily Wire" versucht hat, aus dem Hype um den Prozess Kapital zu schlagen, um Leser auf seine Seite zu locken – und gleichzeitig seine konservative Agenda durchzusetzen. 

Eine Anzeige etwa werbe für den Artikel "The Attempted Character Assassination of Johnny Depp" (zu deutsch: Der versuchte Rufmord an Johnny Depp), in dem es heißt, dass "die einzigen negativen Worte, die über den Hollywoodstar geschrieben wurden, von gelegentlichen Filmkritikern kamen. Bis er Amber Heard heiratete". Der Artikel enthält falsche Behauptungen. "The Daily Wire" gab dem Bericht nach schätzungsweise 20.000 bis 25.000 Dollar für die Anzeige aus, mit der dieser Artikel beworben wurde - etwa die Hälfte seiner Gesamtausgaben für Anzeigen zum Prozess.

"The Daily Wire" wurde 2015 von Shapiro, einem politischen Kommentator und ehemaligen Redakteur der extrem-rechten Seite "Breitbart News", und dem Filmregisseur und Kommentator Jeremy Boreing gegründet.

"Daily Wire" befindet sich "an der Grenze zwischen Nachrichten und Desinformation", so Nandini Jammi, Mitbegründerin von Check My Ads, einer Kontrollorganisation der Werbebranche. "Vice World News" sagte sie, die Seite habe "eine Handvoll Geschichten, die mehr oder weniger technisch korrekt sind, und der Rest ist unhaltbar... Aber sie kommen immer wieder damit durch", sagte sie.

Jammi beschrieb die Identifizierung und das Aufgreifen von Narrativen mit hohem Engagement in den sozialen Medien als "ein bewährtes Drehbuch, das alle Desinformations-Websites, die sich als konservative Websites ausgeben, jetzt als Teil ihres Geschäftsmodells nutzen". Der Depp-Heard-Fall in Virginia sei für solche Operationen ein gefundenes Fressen.

Quelle: "Vice World News".

gfk

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