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Interview

Bekenntnisse eines Entertainers: "Ich empfinde es als nichts Besonderes, was ich da mache": Joko im ehrlichen Interview

Wie fühlt es sich an, berühmt zu sein? Merkt man, wenn man angestarrt wird? Und womit pimpt man Spaghetti Bolognese? Weisheit von einem, der es wissen muss: #jetztredetJoko

Von Michalis Pantelouris

"Ich habe sehr oft die Angst, dass irgendwann einer draufkommt, dass ich eigentlich nichts kann": Joko/Joker Winterscheidt im sehr ehrlichen Interview.

"Ich habe sehr oft die Angst, dass irgendwann einer draufkommt, dass ich eigentlich nichts kann": Joko/Joker Winterscheidt im sehr ehrlichen Interview.

Einen Delfin in freier Wildbahn habe ich noch nie gesehen. Die Leute erzählen ja immer diese wahnsinnigen Geschichten, wie sie auf einem Boot waren auf hoher See, und plötzlich springen da Delfine aus dem Wasser, oder ein Wal taucht auf. Ich kenne das nur aus dem Fernsehen. Und so stelle ich mir das vor, wenn Leute mich auf der Straße erkennen: Die kennen mich nur aus dem Fernsehen, und plötzlich stehe ich vor ihnen. Deshalb bin ich dann auch nett zu den Menschen. Die haben ja ihren Delfin-Moment.

Es ist mir nie gelungen, eine öffentliche Person oder eine Art Alter Ego für mich zu kreieren, ich bin vor der Kamera genauso wie immer.

Joko Winterscheidt auf dem Cover der JWD, Ausgabe 12

Joko Winterscheidt auf dem Cover der JWD, Ausgabe 12

Ich sehe das bei Freunden von mir, wie Klaas oder Matti Schweighöfer. Die sind auch in der Öffentlichkeit nah bei sich, aber wenn ich mit denen allein bin, sind sie dann doch noch mal anders. Das beschützen sie. Das kann ich nicht.

Mein bestes Nein war, als ich gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte, in die Jury von "Deutschland sucht den Superstar" zu gehen. Das ist ewig her, da war das noch der ganz heiße Scheiß, und ich war eine ganz kleine Nummer. Das hätte mich auf Anhieb in eine andere Umlaufbahn katapultiert, aber ich habe sofort gesagt, das ist nichts für mich.

Wahrscheinlich habe ich sieben Jahre gebraucht, bis ich es mir selbst erarbeitet hatte, dahin zu kommen, wohin "DSDS" mich in drei Wochen gebracht hätte, aber so habe ich es mir selber erarbeitet. Ich glaube, das ist nachhaltiger und selbstbestimmter.

Die Leute, die da in drei Wochen berühmt werden, wissen es natürlich  nicht, aber in der Regel sind die sofort wieder weg.

Ganz nebenbei habe ich auch überhaupt keine Musikexpertise. Auch ein Grund, warum ich da nicht sitzen sollte.

Das Geheimnis einer guten Show: dass alle Spaß haben

Es ist geiler, Sendungen vor Publikum aufzuzeichnen als nur vor der Kamera. Viel geiler. Wenn es gut läuft und das Publikum Spaß hat, dann ist es wirklich mega, dann habe ich auch Spaß, und ich glaube, das ist das Geheimnis einer guten Show: dass alle Spaß haben. Denn dann haben die Leute zu Hause auch Spaß. Und dann haben wirklich alle Spaß.

Wenn es schlecht läuft, dann ist es hart, zumindest bei Aufzeichnungen. Wenn ich zweimal eine Moderation versaut habe, dann wird es schwer. Ich hasse mich und meine Unfähigkeit dann sooo sehr in diesem Moment. Klaas weiß das, der macht dann einen Spruch, verbündet sich mit dem Publikum, und alle lachen. Nur ich nicht, ich verhaue es zum dritten Mal.

Live passiert das nie. Bei Livesendungen ziehe ich einfach durch, und es klappt immer. Keine Ahnung, warum!? Ich habe eigentlich kein besonderes Gefühl, wenn die Kameras angehen. Ich habe auch keine Rituale. Ich kann es nicht mal beschreiben, es ist halt mein Job. In der Außenwahrnehmung muss das vielleicht was Besonderes sein, aber es ist auch hier wie mit allen schönen Dingen, man gewöhnt sich dran. Shows zum ersten Mal machen, das liebe ich. Aber nicht wegen der Kameras. Wegen dieses Gefühls, diesem Aufgeregtsein, bei dem einem die Arme einschlafen.

Ich hänge an nichts, aber die Hemden habe ich alle noch

Ein Ritual gab es doch, wenn man das so nennen will: Bei der ersten Folge von "Circus Halligalli" habe ich ein Hemd von einer bestimmten Marke getragen, und von da an wollte ich zu jeder ersten Folge einer Staffel wieder ein Hemd von denen. Die Produktion hat irgendwann nachgefragt, ob das echt nötig ist, weil das teure Hemden waren. Aber das war nötig.

Die Hemden habe ich auch alle noch im Schrank hängen. Ich schmeiß sonst echt immer viel raus, ich hänge an nichts, aber die Hemden habe ich alle noch.

Wenn Leute mich erkennen, kann ich das an ihren Augen sehen, da ändert sich was. Ich kann hundertprozentig sagen, ob mich im Restaurant jemand anguckt, weil er mich erkennt, oder ob er nur guckt, weil er eben guckt, so wie ich halt auch gucke.

Gut, zweimal lag ich daneben, und das ist peinlich, wenn du aufm Rückweg vom Klo bist, an deren Tisch vorbeigehst und sagst: "Wollen wir nicht einfach kurz ein Bild machen …!?" Und die gucken dich mit leeren Augen an und sagen: "Warum wollen Sie ein Bild mit uns machen?"

Ich habe sehr oft die Angst, dass irgendwann einer draufkommt, dass ich eigentlich nichts kann. Ich empfinde es als nichts Besonderes, was ich da mache. Ich denke mir oft, das kann doch jeder! Einen Ball halten wie Manuel Neuer, das kann nur Manuel Neuer, aber reden, das können wir alle.

Gott sei Dank haben alle gelacht

Neulich war ich bei einem Abendessen, wo sich in der Runde alle vorstellen mussten, da muss ich dann schon nachdenken. Es ist ja total bescheuert, wenn ich so tue, als wüsste ich nicht, dass mich Leute kennen und dann pseudobescheiden sage: "Hallo, ich heiße Joko Winterscheidt, und ich arbeite beim Fernsehen." Oder? Ich habe dann gesagt, "also mein Name ist Joko Winterscheidt, und in diesem Land bin ich so was wie ein Superstar". Gott sei Dank haben alle gelacht. Ich nehme mich nicht so ernst und mach mir nichts aus dem, was ich beruflich leiste.

Als ich bei MTV meine Sendung hatte, hat Klaas – lange bevor wir zusammengearbeitet haben –, mal gesagt: Bald kommt der Moment, wo du merkst, dass Leute dich auf der Straße erkennen. Kurz danach bin ich vom Studio nach Hause gelaufen, und es haben mich wirklich alle angestarrt. Da wusste ich: Jetzt ist es so weit.

Als ich zu Hause ankam, habe ich mich im Spiegel gesehen und gemerkt, dass ich vergessen hatte, mich abzuschminken. Wir hatten irgendwas gedreht, wo ich geschminkt war wie ein Bär.  Deshalb haben die mich angestarrt! Da war die Magie auch sofort wieder verflogen.

Ich mache auf Spaghetti Bolognese noch mal Ketchup drauf. Das gibt eine schöne zusätzliche Süße.

Steven Gätjen ist der beste Moderator, den wir in Deutschland haben. Über Thomas Gottschalk kann ich nur eine einzige Sache sagen, eigentlich nur ein Wort: super.

Ich glaube, ich verdiene so viel Geld, weil ich dafür mein Privatleben aufgeben muss. Ansonsten gibt es ja keinen Grund, warum ich mehr Geld verdienen sollte als ein Bäcker.

Ich bewundere das, wenn Leute ehrlich sagen, Geld ist ihnen nicht so wichtig. Mir ist das schon wichtig.

Am Ende macht man doch zu viel für Geld. Das war bei meinen Sommerjobs in der Schulzeit schon so, da konnte ich aussuchen: In dem einen Job habe ich vielleicht mehr Spaß, aber in dem anderen kriege ich zwei Mark mehr die Stunde. Da habe ich gerechnet: Bei acht Stunden am Tag sind das 16 Mark, also 80 Mark in der Woche, und ich habe sechs Wochen Ferien. Das waren fast 500 Mark! Da habe ich natürlich den genommen, der besser bezahlt war. Heute habe ich das Glück, dass ich den ausgesucht habe, an dem ich Spaß habe und auch noch die zwei Mark mehr in der Stunde bekomme.

Greta Thunberg beeindruckt mich wirklich. Die hat ja recht! Aber warum muss da erst ein kleines Mädchen kommen und Schüler zum Demonstrieren aufrufen, damit ich mir eine Bahncard 100 hole und zumindest versuche, die innerdeutschen Flüge sein zu lassen? Warum hat unsere Politik mich nicht dahin gebracht? Und ich gucke ernsthaft nach einem Elektroauto, ich muss nur irgendwie mit meiner Hausverwaltung klären, dass ich einen Stromanschluss in die Garage kriege.

Okay, eine Sache kann ich noch über Gottschalk sagen: Er kann keine Steaks grillen.

Man gewöhnt sich daran, prominent zu sein. Vor allem, wenn es so langsam geht wie bei mir. Da war ja nicht der "DSDS"-Moment, wo man innerhalb von drei Monaten nach ganz oben geschossen wird in der Wahrnehmung von Millionen von Fernsehzuschauern. Das ist ja, wie wenn man Wasser zum Kochen bringt von null auf 100 Grad in einer Sekunde, und du verbrennst dich einmal krass.

Bei mir ist die Flamme ganz langsam hochgedreht worden, es war eine Evolution, ich bin da ganz langsam reingewachsen.

Es gibt Tage, da reden Klaas und ich kein Wort miteinander

Es gibt Tage, wenn ich mit Klaas reise, an denen wir Tränen lachen, und Tage, da lachen wir kein einziges Mal. Es gibt sogar Tage, da reden wir kein Wort miteinander, obwohl wir den ganzen Tag zusammen unterwegs sind. Das ist sehr komisch für die Menschen, die mit uns reisen. Aber wir haben uns einfach schon alles erzählt.

Ich sage jüngeren Kollegen, man kann vielleicht eine Rolle haben – auch wenn ich das selber nicht kann und auch nicht mag, wenn ich in die Routine verfalle, es nicht mehr als etwas Besonderes wahrzunehmen –, aber am Ende ist wichtig, dass du du selber bist. Vielleicht kannst du deshalb Sachen nicht machen, die dich schnell irgendwie nach oben bringen, aber es ist langfristiger und nachhaltiger. Wer etwas spielt oder vorgibt, etwas zu sein, was er nicht ist, kommt irgendwann an seine Grenzen.

Fynn Kliemann hat mal den schönen Satz gesagt: Realness kommt nicht aus der Steckdose. Wenn du echt bist, bist du echt, und das merken die Leute.

Der beste Weg, nicht irgendwann die Hosen runterlassen zu müssen, ist, einfach nie die Hose oben zu haben.

Ich war mal in einer Sendung, und da kam eine in die Garderobe und sagte: "Hier ist das mundgerechte Obst." Und ich habe gefragt: "Was ist?" Und sie hat mir erklärt, meine Agentur hätte gesagt, ich hätte gern mundgerechtes Obst in der Garderobe.

Ernsthaft, so klein geschnittene Ananas und Zeug. Ich habe sofort in der Agentur angerufen und gesagt: Leute, tickt ihr noch richtig? Mundgerechte Ananas? Ich hasse Ananas! Nein, Quatsch. Ich hab denen gesagt: So eine Scheiße nie wieder!

Die Leute können dir nicht in den Kopf gucken. Manchmal mache ich mich total fertig in einer Sendung, weil etwas für mich totale Kacke war, und ich leide richtig, hab es die ganze Zeit im Kopf, werde es nicht los. Wie ein Damoklesschwert hängt das dann über mir. Dann gucke ich mir die Sendung hinterher an, und man sieht davon gar nichts. Es war völlig okay. Dann weiß ich: Mein größtes Problem ist in meinem Kopf.

Wenn du auf die Bühne gehst, nimm nicht jeden Gag mit. Die Zuschauer sitzen da und hängen idealerweise an deinen Lippen und wollen dir zuhören, du musst nicht zwanghaft witzig sein. Sei erst mal souverän.

Was mir wirklich wichtig ist, sind schöne Hotels. Ich schlafe so viel in Hotels. Zu Hause fühle ich mich da eh nicht, aber ich will wenigstens, dass es um mich rum schön ist. Und das Bad sauber und mit Wanne. Ich liebe Baden.

Oft war es so, dass die Superstars bei "Halligalli", denen man nachgesagt hat, sie seien so exaltiert und hätten irrsinnige Wünsche, die normalsten Typen der Welt waren. Nur das Umfeld macht ein unfassbares Bohei um diese Typen. Ich glaube, um den Kult aufrechtzuerhalten. Außer Dwayne "The Rock" Johnson. Der kam aus seiner eigenen Maske, hat das Gebäude verlassen, ist in einen Maybach gestiegen, 30 Meter zur nächsten Tür gefahren worden, ist dort ausgestiegen und ins Studio gegangen. Ich sag mal so: Den Weg hätte man auch gehen können.

Robbie Williams war mal bei "Circus Halligalli", und das ist so ein guter Typ. Wir standen eine Dreiviertelstunde mit ihm auf dem Raucherbalkon – da bin ich nicht stolz drauf, aber wir haben das Publikum echt warten lassen, weil es so cool war, mit Robbie Williams zu quatschen –, und ich habe mir echt überlegt, mit dem Rauchen anzufangen, weil er mir immer Zigaretten ­angeboten hat und ich das so cool gefunden hätte, mit ihm zu rauchen. Klaas hat damals noch geraucht und konnte immer Ja sagen, wenn er ihm eine angeboten hat.

Ich checke immer unter meinem echten Namen in Hotels ein. Manchmal heißt es dann: Wir haben hier ein schönes Upgrade für Sie! Das freut mich natürlich, einerseits, und andererseits denke ich: Warum kriege ich das eigentlich?

Ich wäre stolz, wenn  es mal hieße, ich hätte die Menschen gut unterhalten. Wenn ich es schaffe, dass sie abends auf der Couch ein paar Stunden raus sind aus allem.

Es stimmt schon, dass Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, manche Sachen nur mit Leuten besprechen können, die diese Erfahrung verstehen. Wenn jemand – und das ist genauso passiert –, hinten an dem Restaurant vorbeigeht, in dem ich mit meiner ganzen Familie sitze, und ich merke, der hat mich gesehen; und dann geht er ganz außenrum und vorne rein und sagt: "Ich habe Sie gerade hier sitzen sehen, können wir ein Foto machen?" Während ich da sitze mit meiner ganzen Familie und Kartoffelpüree im Mund habe – das kann ich natürlich besser mit Matti besprechen, der kennt das, wer sonst soll verstehen, wie man sich da fühlt?

Ich bin, glaube ich, Unterhalter. Ich mag schon das Wort: Unterhaltung. Es bringt eine Haltung mit. Aber größer klingt das Wort Entertainment, obwohl es das Gleiche ist. 

Diese Geschichte stammt aus der zwölften Ausgabe von JWD – Joko Winterscheidts Druckerzeugnis. Zu kaufen auch hier

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(