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84. Academy Awards: Eddie Murphy schmeißt als Oscar-Gastgeber hin

Nach Produzent Brett Ratner hat nun auch Eddie Murphy seine Dienste als Host der 84. Academy Awards quittiert. Die Oscar-Akademie muss sich beeilen, um einen geeigneten Gastgeber zu finden.

Von Frank Siering, Los Angeles

Nur einen Tag nachdem Regisseur Brett Ratner seinen Job als Produzent der 84. Academy Awards niederlegen musste, schmiss auch sein guter Kumpel und Geschäftspartner Eddie Murphy als Gastgeber hin.

Unterdessen brodelt es hinter den Kulissen der Academy of Motion Pictures wie nie zuvor: Die Oscars finden bereits am 26. Februar im Kodak Theater in Los Angeles statt und stehen derzeit ohne Gastgeber dar. "Kein besonders glückliches Szenario", meinte auch TV-Star Jon Stewart, der die Oscars schon einmal moderieren durfte. Als "Notnagel" sagte gestern Brian Grazer ("A Beautiful Mind") für den Producer-Job zu.

Die Unruhe um die 84. Academy Awards begann aber nicht erst mit dem Quasi-Rausschmiss von Ratner. Der Produzent hatte kurz nach seiner Nominierung für den Posten unter starker Kritik seinen Geschäftspartner Eddie Murphy als Gastgeber durchgeboxt.

Ratner stolpert über Schwulen-Kommentar

Interessanterweise spielt Murphy auch in dem jüngsten Ratner-Film "Tower Heist" eine der Hauptrollen. Die Vermutung, Ratner habe Murphy unbedingt als Gastgeber für die Oscars engagieren wollen, um seinem eigenen Film mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, geisterte schnell durch die Branchenblätter und ließ den als extrem extrovertiert geltenden Ratner von Anfang an als einen dubiosen Oscar-Boten mit Mehrfach-Motiv erscheinen.

Ratner ist als umstrittener Hitzkopf in Hollywood bekannt. Als er in dieser Woche letztendlich über eine menschenfeindliche Äußerung in der Howard-Stern-Radiosendung stolperte, verwunderte das kaum jemanden. Von Stern angesprochen, ob er schon Proben für die Oscar-Show angesetzt habe, antwortete Ratner: "Proben sind für Schwule."

Nur einen Tag später reichte der "Rush Hour"- und "X-Men"-Regisseur unter starkem Druck hochrangiger Academy-Mitglieder seinen Rücktritt ein. In einer Presseerklärung hieß es: "Die Oscars produzieren zu dürfen, sollte der stolzeste Moment meiner Karriere werden. Aber ich möchte nicht, dass meine Person von der Academy und ihren hohen Idealen ablenkt." Tom Sherak fungiert als Präsident der Academy Awards. Er nahm den Rücktritt an. "Brett ist ein guter Mensch, aber seine Kommentare (in der Radiosendung) waren inakzeptabel."

Gastgebersuche wieder am Anfang

Nur einen Tag später nun also die nächste Hiobsbotschaft für die Academy. Gastgeber Murphy will jetzt auch nicht mehr. In seiner Erklärung hieß es: "Zunächst muss ich sagen, dass ich natürlich die Entscheidung der Academy akzeptiere, den Produzenten auszutauschen. Ich hatte mich schon sehr auf die Teamarbeit gefreut. Ich bin sicher, dass das neue Produktionsteam und der neue Gastgeber einen großartigen Job machen werden." Hinter den Kulissen wird getuschelt, Murphy habe in Ratner seinen kreativen Partner gesehen. Und ohne den wollte er die Aufgabe nicht mehr wahrnehmen.

Bleibt die Frage, wer jetzt in die Rolle des Oscar-Gastgebers schlüpfen wird. Schon werden Namen wie Billy Crystal oder Hugh Jackman gehandelt. Auch Ellen DeGeneres soll angeblich in Erwägung gezogen werden. "Keine Frage, wir müssen uns schnell und konsequent auf die Suche begeben. Aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass wir mit unseren Gastgebern bisher immer sehr viel Glück hatten", so Academy-Präsident Sherak.

Vielleicht greift die Akademie ja auch wieder auf ein Zweiergespann zurück. Alec Baldwin und Steve Martin waren als Gastgeber beliebt und erfolgreich. Anne Hathaway und James Franco hingegen fielen bei den Kritikern und den Zuschauern als Moderatoren der letzten Oscars total durch.