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Abgewatscht - der satirische Wochenrückblick: Mehr Dekolleté wagen

Nach der Kanzlerwahl gab's Kartoffelsuppe. Wolfgang Joop rät Angela Merkel zu mehr Glamour: Sie solle ihren Busen offensiver einsetzen. Genau das hat Amy Winehouse bereits erfolgreich umgesetzt.

Von Stefan Mielchen

Armes Deutschland! Da wird Angela Merkel als Kanzlerin wiedergewählt, und dann das: Statt einer prachtvollen Inaugurationsfeier á la Obama mümmelt die mächtigste Frau der Welt nach der Wahl im Bundestag einen total glamourösen Teller Kartoffelsuppe mit ihren Eltern - und das war's. Na Mahlzeit! Nicht mal ihr Gatte kam vorbei, um zu gratulieren. Wahrscheinlich brütete Joachim Sauer daheim schon über dem Einkaufszettel fürs Wochenende, während "Mutti", wie die Kanzlerin neuerdings gerufen wird, sich immer noch fragte, ob sie nicht doch auf Wolfgang Joop hören solle. Der hatte ihr in dieser Woche schließlich geraten, ihren Busen modisch offensiver einzusetzen. Also frei nach Willy Brandt: "Mehr Dekolleté wagen".

Nichts gegen Joop - aber der Kalte Krieg mitsamt seiner Abschreckungsstrategie ist ja nun wirklich vorbei. Zumal der Modepapst noch eins draufsetze für den Fall, dass die Kanzlerinnenauslage Anstoß erregt: "Wenn ihr jemand dumm kommt, könnte sie einen Fächer aus ihrer Clutch-Bag holen und dem auf die Finger hauen." Man merkt, dass Joop viel Ahnung von Mode, aber wenig von praktischer Politik hat. Wenn überhaupt jemand weiß, was eine Clutch-Bag eigentlich ist und wie man angemessen mit einem Fächer hantiert, dann ja wohl die neue Außenministerin!

Kaum hält Schwarz-Gelb das Zepter in der Hand, hagelt es schon gute Nachrichten: Ricarda Wältken beispielsweise beweist der Nation, dass man als abgehalfterter E-Promi nicht unbedingt darauf angewiesen ist, im "Perfekten Promi-Dinner" eine Scheibe Gnadenbrot serviert zu bekommen. Die als Ricky bekannt gewordene Ex-Sängerin des Damentrios Tic Tac Toe wird Religionslehrerin, wie jetzt bekannt wurde. Sie ist bereits im achten Semester. Die Älteren unter uns erinnern sich dunkel: Tic Tac Toe waren in den 90ern erst mit intellektuell herausfordernden Chansons wie "Verpiss dich" erfolgreich, gerieten dann mit ihrem eher horizontal ausgerichteten Vorleben in die Schlagzeilen und trugen zu guter Letzt die Mutter aller Zickenkriege öffentlich aus. Bei soviel schmutziger Wäsche hilft scheinbar nur noch Beten. Doch wenn Ricky erstmal Grundschullehrerin ist, kann sie gleich den Schulchor übernehmen und mit den Kleinen einen ihrer größten Erfolge für den Kindergottesdienst einstudieren: "Ich find' dich scheiße!"

Der Song dürfte in etwa auf den Punkt bringen, was Natascha und Uwe Ochsenknecht noch für einander empfinden: Trennung nach 16 Jahren Ehe! Das ist zweifellos tragisch, aber Mitleid ist hier absolut unangebracht. Wer seine Kinder mit Namen bestraft wie Jimi Blue, Wilson Gonzales oder gar Cheyenne Savannah hat schon vorher den Knall nicht gehört - München halt. Da scheint so mancher Promi einfach zu viel Fön abbekommen zu haben. Nicht zuletzt Otti Fischer, der sich immer noch an seiner missglückten Hurerei delektiert und sich dabei weiter um Kopf und Kragen redet. In dieser Woche ließ er beim unvermeidlichen Beichtvater Beckmann die Hosen runter und brachte sogar noch sein aktuelles Gspusi mit: Lebensabschnittsgefährtin Simone sah sich vor einem Millionenpublikum genötigt klarzustellen, "dass ich keine Frau aus dem Gewerbe bin." Ja, da schau' her! Das dürfte Otti beruhigen, dessen Kreditkarte derzeit bekanntlich wenig Spielraum für seinen Liebeshunger bietet. Simone gab zu, dass der Bulle von Tölz für sie erst eine Liebe auf den zweiten Blick gewesen sei. Was Wunder: Fischers Leibesfülle ist auch unmöglich auf den ersten zu erfassen.

Gleiches gilt für den neuen Vorbau von Amy Winehouse. Während Otti sich zwei käufliche Damen für 32.580 Euro gönnte, kaufte sich die Sängerin zwei dicke Dinger für 38.659 Euro. Abzocke, wie die Jungs von der Stiftung Busentest in dieser Woche herausfanden. "Bild" rechnete vor: In jeder Brust steckten 500 Gramm schwere Silikonimplantate, obwohl die zierliche Amy nur 40 Kilo wiege - eine physikalische Herausforderung. Doch selbst, wenn sie die Schwerkraft überlistet, hat Amy nach Ansicht von Schönheitschirurg Dr. Afschin Fatemi viel zu viel ausgeben: "Ein seriöser Chirurg vergrößert den Busen ab 6.000 Euro", womit der Damenschneider zweifellos sich selbst gemeint haben dürfte. Vielleicht sollte man im Axel-Springer-Haus jetzt an einer Neuentwicklung arbeiten: nach der Volksbibel, der Volkszahnbürste und dem Volkskühlschrank schon bald der Volksbusen...

Selbigen hat Pamela Anderson absolut nicht nötig. Die ehemalige Baywatch-Nixe hat der Disziplin Brustschwimmen schließlich erst einen Sinn gegeben. Doch auch 17 Jahre danach macht die doppelte Rettungsboje weiterhin eine gute Figur: sie passe immer noch in ihren berühmten roten Badeanzug, sagte Pam in einem Interview. Is' klar, wahrscheinlich handelt es sich hierbei in Wahrheit um ein besonders haltbares Bodypainting. Das wäre zumindest eine praktische Lösung für die anderen Umstände, in denen sich die Blondine angeblich befinden soll, wenn es nach einigen Paparazzifotos geht: lästige Schwangerschaftsstreifen lassen sich so einfach übermalen.