HOME
Kommentar

Wahlkampf: Angela Merkels trauriges Fazit zum Treffen mit Sophia Thomalla

"Frauen im Fokus" war das Motto eines Treffens zwischen Angela Merkel und Promi-CDU-Mitglied Sophia Thomalla - ausgerechnet. Denn beide sind nicht gerade als Kämpferinnen für Gleichberechtigung bekannt. 

Beeindruckend und vor allem echt. #frauenimfokus

Ein Beitrag geteilt von S O P H I A T H O M A L L A (@sophiathomalla) am


Ein bisschen verstehen kann man Angela Merkel ja schon: Wer unter Unterstützern wie Uschi Glas, Frederic Meisner, Heino oder Rebecca Siemoneit-Barum wählen muss, der entscheidet sich schnell für die schillernde Sophia Thomalla. Die Schauspieler-Tochter hat sich kürzlich im stern zu ihrer CDU-Mitgliedschaft bekannt. Bei der Union war man so begeistert, dass man sie auf den letzten Metern des Wahlkampfs zum Mittagessen mit der Kanzlerin einlud. Beide trugen Hosenanzüge und laut Thomalla bot Merkel dem Model netterweise ein Schnitzel an. Dass der Ladies-Lunch eigentlich nur für sozial engagierte Studentinnen und Start-up-Gründerinnen gedacht war - geschenkt. 

Dreist war jedoch das Motto der Veranstaltung: #FrauenimFokus lautete der Hashtag, den auch Sophia Thomalla für ein Instagram-Bild von sich und Merkel nutzte - ausgerechnet. Denn die 27-Jährige ist bekannt dafür, vom Thema Gleichberechtigung nicht viel zu halten. "Wer als Frau ständig für Gleichstellung und gegen Sexismus wettert, hat offenbar noch nie ein Kompliment bekommen", sagte Thomalla etwa 2015 in der Talkshow "Hart aber Fair". Und dass es "Blödsinn" sei, dass Frauen in einem bestimmten Geschlechterbild erzogen werden. Jetzt also der Fokus auf die Frauen - Ivanka Trump und ihr selbstgerechtes "Women Who Work"-Buch für Model-Frauen der oberen Zehntausend lässt grüßen. 

Alles in Butter in Deutschland? Merkel sollte woanders Schnitzel essen

Überhaupt Ivanka Trump: Peinlicherweise druckste auch Merkel herum, als sie kürzlich beim Besuch der - ja, was eigentlich? First Daughter der USA? - gefragt wurde, ob sie Feministin sei. Wichtige Themen, etwa wie Lohnungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern, finden in ihrem Wahlkampf kaum statt. Dabei hat sich zum Beispiel an den Verdienstunterschieden laut Statistischem Bundesamt seit 2002 fast nichts verändert - und Merkel ist immerhin seit 2005 an der Macht. 

Richtig traurig wurde das Treffen mit Thomalla aber erst durch Merkels Fazit: "Ich nehme aus dem Treffen mit Sophia Thomalla mit, dass Frauen in unserer Gesellschaft alles werden können, was sie wollen und genauso gute Karriere-Chancen haben wie Männer," sagte sie RTL. Hallo, American Dream! Alles in Butter in Deutschland also? Vielleicht sollte die Kanzlerin ihr Mittags-Schnitzel künftig nicht mit den Ivanka Trumps und Sophia Thomallas dieser Welt verputzen, sondern mit der wissenschaftlichen Mitarbeiterin, die im Schnitt 31 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen verdient, oder mit der Mutter, die in der Teilzeitfalle steckt, weil der Mann einfach mehr Kohle nach Hause bringt. Dann wären Frauen im Fokus.

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren