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Asiatische Schauspielerinnen: Spezialitäten aus Fernost

Sie können nicht nur Kung-Fu: Asiatische Schauspieler haben in Hollywood immer mehr Erfolg. Vorläufiger Höhepunkt: die US-Bestseller-Verfilmung "Die Geisha".

Mal ordentlich Rassismus zum Anfang. Sehen doch alle gleich aus mit den schmalen Augen. Egal ob Koreaner, Chinesen, Taiwanesen, Japaner: Diese Asiaten kann sowieso kein Westler auseinander halten. So ähnlich dachte man wohl auch in Hollywood, als man auf die Idee kam, den Roman "Die Geisha" zu verfilmen. Der internationale Bestseller von Arthur Golden, einem ehemaligen Harvard-Studenten aus Tennessee, erzählt auf 573 Seiten über ein einfaches Fischermädchen, das im Japan der 30er Jahre zur begehrtesten der hochgebildeten Gesellschaftsdamen aufsteigt.

In Japan wohlgemerkt.

Denn im Kino (Deutschland-Start: 19. Januar) liegen die weiblichen Hauptrollen fest in den zarten Händen von Zhang Ziyi, chinesisch, Gong Li, chinesisch, und Michelle Yeoh, malaysisch-chinesisch. Was in beiden Nationen Empörung auslöste. Ziyi habe ihre Seele an die ehemaligen Besatzer verkauft und ihr Land verraten, wetterte man auf der einen Seite. Ein Film über japanische Kultur sollte gefälligst eine japanische Hauptdarstellerin haben, schimpfte die andere.

Doch auch ohne solch patriotisches Scharmützel darf die "Geisha" als Höhepunkt einer neuen Glamour-Offensive aus Fernost gelten. Zum ersten Mal sind in einem großen Hollywoodfilm alle Hauptrollen mit Asiaten besetzt. Und mit was für welchen...

Da wäre beispielsweise in der Titelrolle Zhang Ziyi, 26. Die "Audrey Hepburn Asiens" ist im Westen vor allem wegen ihrer eleganten Einlagen in Kampfkunstspektakeln wie "Tiger & Dragon" und "Hero" bekannt. "Chinas Geschenk an Hollywood" ("Time") landete schon zweimal auf der Liste der 50 schönsten Menschen des Promi-Blatts "People" und macht inzwischen Werbung für Kosmetik, Shampoo und ein Erfrischungsgetränk.

Die "Geisha" ist ihre

erste US-Hauptrolle: "Nun kann ich aller Welt die Fähigkeiten asiatischer Schauspieler demonstrieren. Wir können so viel mehr, als die Leute glauben." Vorher habe sie aus den USA nur unbefriedigende Angebote bekommen: Prostituierte oder arme Mädchen, die nach Amerika verkauft werden. Trotz des frischen Ruhms wohnt Zhang immer noch in Peking bei ihren Eltern: einer Kindergärtnerin und einem Volkswirt.

Gong Li, im Film Zhangs hinterhältige Widersacherin, zählt in China schon seit Jahren zu den Superstars und hält für einen französischen Kosmetikkonzern ihren Teint hin. Die Tochter eines Wirtschaftsprofessors wollte eigentlich Tänzerin oder Sängerin werden, scheiterte aber bei der Aufnahmeprüfung der Musikschule. Noch als Schauspielstudentin wurde sie vom Regisseur Zhang Yimou, später auch ihr Liebhaber, für seinen Film "Das rote Kornfeld" entdeckt.

In den vergangenen Jahren machte sich Gong Li eher rar, nun feiert sie gleich in mehreren Hollywoodproduktionen ein furioses Comeback. Nach der "Geisha" spielt sie erst eine Rauschgifthändlerin in der Kinoadaption der legendären TVSerie "Miami Vice". "Aus Hollywood kamen früher immer nur "Blumenvasen"-Rollen", sagt Gong Li. "Auf dem Regal sehen sie schön aus, aber sie bewegen und ändern sich nicht." Seit kurzem hat die 40-Jährige, die mit ihrem Mann, einem Tabakmogul, in Peking lebt, den gleichen Agenten wie Mel Gibson und Jodie Foster.

Dritte im Bunde ist Michelle Yeoh, 43, die in der Vergangenheit als durchtrainierte Action-Queen das traditionelle Frauenbild Asiens fast im Alleingang durcheinander wirbelte. Die frühere Miss Malaysia war in "Der Morgen stirbt nie" die erste Asiatin mit einer Hauptrolle in einem James-Bond-Film und ist derzeit mit Jean Todt verlobt, dem Chef des Formel-1-Teams von Ferrari.

Nicht in der "Geisha", aber genauso auf dem Weg ins Rampenlicht: Bai Ling, die im vergangenen Jahr mit ihrer geschickt gewählten Garderobe die Berliner Filmfestspiele in Wallung brachte (Spitzname: "Berlinackte") und sich im US-"Playboy" entlotusblätterte. Oder Maggie Cheung, die als Filmfreundin von Jackie Chan erste Meriten sammelte, später jedoch eine Rolle im Science-Fiction-Hit "X-Men 2" ablehnte und lieber in Frankreich drehte.

Bei den Männern war Hongkongs Action-Clown Jackie Chan, 51, lange Zeit der einzige Asiate mit Hollywooddurchschlagskraft. Inzwischen treten et-liche Herren in seine Fußstapfen: Jet Li und Chow Yun-Fat in Martial-Arts-Streifen, Tony Leung, der Clark Gable Asiens, in anspruchsvollen Autorenfilmen wie dem Großstadtmelodram "In the Mood for Love".

Und natürlich Ken Watanabe, 46. Der Lehrersohn, einer der wenigen Japaner, der in der "Geisha" eine tragende Rolle innehat, gilt spätestens seit seiner Oscar-Nominierung für "Last Samurai" als Shooting Star. Doch mit dem wachsenden Ruhm der asiatischen Frauen können die Herren bisher nicht mithalten. Für die "New York Times" sind die fernöstlichen Damen deshalb so gefragt, weil sie den Glamour einer längst verblichenen Kinoepoche verkörpern. Einer Zeit, in der göttliche Gestalten mit ihren stets verhüllten Reizen, ihrem Charme und ihrer Eleganz die Ticketkäufer verzauberten. Michael Barker, einer der Chefs der Filmfirma Sony Pictures Classics: "Das ist nicht anders als früher bei Catherine Deneuve oder Sophia Loren, die von Frankreich und Italien aus zu Hollywoodstars wurden. Heute passiert das mit asiatischen Schauspielerinnen."

Die so zerbrechlich aussehende Zhang Ziyi allerdings hat eine viel profanere Erklärung für ihren Siegeszug: "Ich bin Chinesin - ich bin hart im Nehmen."

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