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Großbritannien: Warum die Queen zum Brexit schweigt

Während der emotionalen Debatte um den Brexit war ihre Stimme nicht zu vernehmen: Königin Elisabeth II. schwieg zu dem Thema, auch abstimmen durfte sie nicht. Das hat einen besonderen Grund.

Queen Elizabeth II. schweigt zum Brexit

Queen Elizabeth II. schweigt zum Brexit

Sie hat gestern keine Stimme abgegeben bei der Abstimmung für oder gegen einen Austritt Großbritanniens aus der EU, nicht, weil sie nicht wollte, sondern weil sie nicht durfte. Elisabeth II. ist zwar der einzige Mensch auf der Insel, der ungestraft ohne Führerschein Auto fahren und ohne einen Reisepass nach Belieben aus- und einreisen darf, aber wählen darf sie nicht (oder gewählt werden, auch das passive Wahlrecht besitzt sie nicht).

Es ist viel darüber spekuliert worden, was die Herrin des Buckingham Palastes über den Brexit denkt. Die britische Boulevardzeitung "The Sun" glaubte kürzlich ihre Ansicht zu kennen, sie sei für einen Austritt, weil sie sich 2011 privat einmal negativ über die EU geäußert hatte. Auch soll sie erst vor wenigen Tagen ihre Dinnergäste aufgefordert haben, ihr drei gute Gründe zu nennen, warum Ihre Untertanen in der EU bleiben sollten. Was bei der Diskussion herauskam, oder was sie dazu beitrug, ist allerdings nicht überliefert.

Andererseits sprach sie noch vorletztes Wochenende anlässlich der Feierlichkeiten zu ihrem 90. Geburtstag davon, wie viel mehr man erreichen könne, wenn man sich zusammentut - was allgemein als codierter Hinweis darauf verstanden wurde, dass das Vereinigte Königreich doch in der EU besser aufgehoben ist.

Zu politischen Themen darf sich die Königin nicht äußern

Und deutlicher darf sie sich öffentlich auch dazu nicht äußern - genauso wenig wie zu anderen politischen Themen. Sie hat das verfassungsmäßige Recht von der Regierung "gehört zu werden, zu raten und zu warnen" - diese Rechte übt sie einmal in der Woche in der Privataudienz mit dem Premierminister aus – mehr sichtbaren Einfluss kann sie nicht nehmen.

Seit ihrer Thronbesteigung 1952 gab es nur eine einzige Ausnahme, einen Vorfall, der als Versuch gewertet werden könnte, die öffentliche Meinung in ihrem Sinne zu beeinflussen: Im Herbst 2014, kurz vor dem Referendum über die Abspaltung Schottlands von Großbritannien, sagte sie auf dem Weg zur Kirche nahe ihrer schottischen Residenz Balmoral zu einem Kirchenbesucher beiläufig, die Schotten sollten sich lieber gut überlegen, wie sie wählen. Diese Bemerkung wurde allgemein als Aufforderung gewertet, gegen eine Abspaltung zu stimmen, was dann ja auch geschah.

So deutlich ist die Königin damals wohl nur geworden, weil ihr Schottland so am Herzen liegt: Ihre Mutter, die verstorbene Queen Mum, war Schottin, und Balmoral ist ihr Lieblingsschloss, auf das sie sich, wie man hört, zurückziehen will, falls Gatte Prinz Philip vor ihr sterben sollte, um von dort aus ein verringertes Pensum an königlichen Pflichten wahrzunehmen.

Niemand weiß, wie sie über den Brexit denkt

Man kann nur spekulieren, was Elisabth II. wirklich denkt, wie sie sich den Ausgang des gestrigen Referendums gewünscht hätte, außer ihrer Familie und engsten Freunden weiß das niemand.

Sollte es allerdings dazu kommen, dass nun Schottland ein weiteres Referendum anstrebt, um doch noch Großbritannien zu verlassen und als selbstständiges Land Mitglied der EU zu werden, stehen der Königin unruhige Zeiten bevor. Dann müsste geklärt werden, ob sie trotzdem Schottlands Staatsoberhaupt bleiben könnte, auch wenn dieses nicht mehr Teil des Vereinigten Königreiches ist. Und ob sie dann ihren teilweisen Ruhestand guten Gewissens in Balmoral, quasi außerhalb ihres eigentlichen Reiches, verbringen könnte, ist auch fraglich.

Der Brexit wird nicht nur Großbritannien viele negative Folgen bringen, sondern auch seiner Monarchin.