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David Garrett und seine Ex: Der harte Alltag im Porno- und Escortgeschäft

Ein Pornostar wie Kendall Karson verdient mit reichen Kunden wie David Garrett mehr als mit ihren Sexfilmen. Unser Reporter Andreas Renner hat sich im Escort-Milieu umgehört, und ist dabei auf auf Schattenseiten gestoßen. 

Von Andreas Renner, Los Angeles

Ein Leben zwischen Straße und Absteige.

Ein Leben zwischen Straße und Absteige.

Stargeiger hätte sich mal besser ein Beispiel an Richard Gere genommen, der in dem Kultfilm "Pretty Woman" sich ebenfalls in eine Escort-Dame namens Vivian Ward verliebte - gespielt von Julia Roberts. In der Kinoversion gab es ein romantisches Happy End, für Garrett endet das sexuelle Techtelmechtel mit dem Pornostar-Escort Kendall Karson nun vor Gericht. Wie schon vor 26 Jahren, als "Pretty Women" in die Kinos kam, erregt eine Frage auch im Fall Garrett nun die Gemüter: Wo hört der Escort-Service auf, wo fängt die Prostitution an? Und: Was bewegt immer mehr Porno-Darstellerinnen dazu, sich nebenbei auch als Escort anzubieten?

Antworten auf diese Fragen sind im San Fernando Valley nahe Los Angeles schnell zu finden. Rund 90 Prozent aller US-Sexfilme entstehen in "Porno Valley". Es ist zwar weitgehend ein Tabuthema in den USA, doch Fakt ist: Die Sexindustrie ist noch immer einer der größten Wirtschaftszweige in Amerika. Rund 12.000 Jobs stellt das Porno-Business allein in und spült mit Sexvideos, Magazinen und Internet-Auftritten jährlich um die 12 Milliarden Umsatz in die Kassen der Produzenten.

Doch seit rund zehn Jahren läuft es nicht mehr ganz so rosig. Das Internet und Plattformen wie "Youporn", auf dem private Sexvideos kostenlos zu sehen sind, lassen die einstmals gewaltigen Umsätze der Sexvideo-Produzenten stetig schrumpfen. Zwar machen Pornodarstellerinnen wie Kendall Karson mit Hardcore-Sexfilmen noch immer zwischen 50.000 und 200.000 Dollar pro Jahr, aber die Honorare befinden sich weiter im freien Fall.

Die Billig-Konkurrenz verdirbt das Geschäft

Jim South, in Pornokreisen ehrfürchtig als der "Sex-Pate" bekannt, war einer der Urväter der kalifornischen Sexindustrie in Kalifornien. Seit 40 Jahren mischt er im schlüpfrigen Porno-Geschäft mit und hat die jüngsten Veränderungen hautnah miterlebt: "Viele haben gar keine Ahnung von dem Geschäft und wittern nur das schnelle Geld. Wir haben in den 1970er Jahren rund 200 Filme pro Jahr produziert, heute sind es locker 8.500 jährlich. Allerdings wird alles nur noch billig, billig, billig produziert." Das ist ein Problem für Darstellerinnen wie , die große Billig-Konkurrenz verdirbt das Geschäft.

Die Lösung: Pornostar-Escort. Dieses Geschäftsmodell ist seit gut vier Jahren ein anhaltender Trend in den USA. Schauspieler Charlie Sheen hat mit seiner öffentlich demonstrierten Vorliebe für Pornostars unfreiwillig geholfen, diese spezielle Form des Escort-Service bekannter zu machen. Agenturen wie "Pornostar Escorts Service" oder "Pornstar4Escorts" haben sich auf diesen Service spezialisiert - mit Hunderten von Pornodarstellerinnen im Angebot.

Offiziell bieten die sich lediglich als Begleiter für Veranstaltungen oder als Stargäste für private Partys an. Für 2000 bis 5000 Dollar Gage pro Stunde. Reisekosten, Bodyguard und Hotel kommen noch obendrauf. Je bekannter ein Pornostar ist, desto höher die Raten. Weitaus billiger sind die privaten "Chats" per Webcam. Die Geschäftsidee ist aber immer die gleiche: Man will die "Pornstar Experience" (im Fachjargon nur "PSE" genannt, gebucht wird harter Sex), oder die "Girlfriend Experience" ("GFE", der Kunde möchte dabei nicht unbedingt Sex haben, er möchte in erster Linie Zeit mit dem Pornostar verbringen) an den Mann bringen.

Sex gegen Bezahlung ist in vielen Staaten illegal

So oder so: größtenteils bewegen sich die Escort-Services auf nicht ganz legalem Terrain, denn, so bestätigt eine Porno-Darstellerin und aktive Escort-Begleiterin: es kommt fast immer zu sexuellen Handlungen. Und da Sex gegen Bezahlung in Kalifornien und anderen US-Staaten illegal ist, sprechen Escort-Damen nicht so gerne über den durchaus lukrativen Nebenjob. "Viele Männer die Pornos gucken haben die Fantasie, auch mal Sex haben zu können mit den Frauen, denen sie in diesen Filmen beim Sex zugucken und die sie antörnen. Das können sie haben, müssen dafür aber tief in die Tasche greifen", sagt Elisa, die ihren richtigen Namen aus Angst vor den Behörden nicht preis geben möchte.

Früher war Sex mit Fans unter Sex-Darstellern verpönt, heute machen viele der Pornostars mehr Geld als Escorts als mit Sexfilmen. Aufgrund der happigen Honorare und der hohen Nebenkosten sind es meistens wohlhabende Geschäftsleute, Politiker und vielfach auch Prominente aus allen Bereichen, die sich Pornostar-Escorts leisten. Voraussetzungen sind Vorabkasse und eine genaue Klärung, was gebucht wird. „Viele Kunden haben ganz spezielle Vorstellungen und Fantasien: Analsex, ins Gesicht ejakulieren, Einsatz von Sexspielzeug. Je ausgefallener die Wünsche, desto höher der Preis“, erklärt Escort-Dame Elisa. "Viele Escorts lassen sich sogar auf Sex ohne Kondom ein, verlangen aber, dass der Kunde sich vorab auf Sexualkrankheiten untersuchen lässt", erklärt die Pornodarstellerin, die zugibt, dass Sex ohne Schutz nahezu immer im Spiel ist, "weil man dadurch locker ein paar Hunderter mehr verdient." 

David Garrett ist ein "Big Deal"

Elisa hatte bereits Hollywood-Stars als Kunden und auch bekannte regionale Politiker: "Gerade die Reichen und Mächtigen haben oft das Verlangen alle möglichen seltsamen Sexpraktiken zu testen. Das Normale tut es für die nicht mehr, die brauchen immer neue Kicks." Elisa kennt Kendall Karson zwar nicht persönlich, dass die aber einen Promi wie David Garrett an Land ziehen konnte, ist ein "Big Deal" in ihren Augen. "Ich bin da ganz ehrlich: Davon träumen wir fast alle, dass sich vielleicht eines Tages ein wohlhabender Kunde in uns verliebt und so den Ausstieg aus diesem schmierigen Geschäft ermöglicht.

Das ist schon oft passiert, nicht nur im Film 'Pretty Woman'. Man verdient gutes Geld, keine Frage. Aber tief drinnen im Seelenleben fühlt man sich eben auch oft mies und benutzt", sagt Elisa über den traurigen Alltag im Porno- und Escortgeschäft, dem nun offenbar auch Kendall Karson entfliehen möchte mit ihrer 12-Millionen-Dollar-Klage gegen David Garrett.