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Royals: Die Queen und ihr Prinzgemahl: Das Platin-Traumpaar

70 Jahre haben sie durchgehalten seit ihrer Hochzeit an einem feuchtwarmen Novembertag 1947: Elisabeth und Philip, die Queen und ihr Prinzgemahl, haben seither zueinander gestanden - in guten wie in schlechten Zeiten. Eine Hommage an ein pragmatisches Traumpaar.

Königin Elisabeth II. und Prinz Philip

Königin Elisabeth II. und Prinz Philip im Sommer 2017

Sie war erst 13 Jahre alt, als sie den jungen Marineoffiziersanwärter von Griechenland, damals 18, bei einem offiziellen Anlaß im Royal Naval Collage in Dartmouth kennenlernte. Prinzessin Elisabeth begleitete zusammen mit ihrer kleinen Schwester Margaret ihre Eltern Georg VI. und Königin Elisabeth – später als Queen Mum bekannt -  bei einem Besuch in der Marineakademie. Während die königlichen Eltern die Schule besichtigten, vergnügten sich die jungen Leute beim Crocket-Spiel – und um die kleine Lilibet war es nach diesem Tag geschehen. Ihrer ehemaligen Nanny und langjährigen Vertrauten Margaret "Bobo" MacDonald zufolge hatte sie sich schockverliebt in den selbstbewussten jungen Kadett mit blauen Augen und blonden Haaren, und danach nie wieder einen anderen Mann angesehen.

Einige Monate später musste der Marineleutnant in den zweiten Weltkrieg ziehen (wo er wegen Tapferkeit mehrfach ausgezeichnet wurde), aber man blieb schriftlich in Kontakt und verlobte sich heimlich nach Kriegsende im Jahr 1946. Begeistert war die königliche Familie nicht über die Wahl der Thronfolgerin: Zwar waren die jungen Leute entfernt verwandt (beide sind Ur-Ur-Enkel von Queen Victoria), doch der Bräutigam stammte aus dem abgesetzten griechischen Königshaus und hatte keinerlei Vermögen, dafür aber jede Menge Blut des gerade erst besiegten Kriegsgegners Deutschland in den Adern, seine vier Schwestern waren alle mit deutschen Adeligen verheiratet.

Königin nannte ihren Schwiegersohn bis zu ihrem Lebensende am liebsten "The Hun" (den Teutonen), auch als er längst britischer Staatsbürger war und sich als Prinzgemahl mehr als bewährt hatte.

Königin Elisabeth ist die am längsten regierende Monarchin

Der Rest ist Geschichte, Elisabeth II. hat inzwischen nicht nur ihre berühmte Ur-Ur-Großmutter als am längsten regierende britische Monarchin überholt mit ihren 65 Jahren auf dem Thron, auch Prinz Philip ist der weltweit dienstälteste Prinzgemahl - und heute können sie als am längsten verheiratetes britisches Herrscherpaar ever auf 70 gemeinsame Ehejahre zurückblicken. Gnadenhochzeit nennt man dieses selten erreichte Ehejubiläum, und bei diesen beiden ist es wirklich eine Gnade, dass sie gemeinsam so lange durchs Leben gehen konnten, mit ziemlich guter Gesundheit auch über ihren 91. beziehungsweise seinen 96. Geburtstag hinaus. Ihr Erfolgsrezept ist simpel und schwer zugleich durchzuhalten: Viel Toleranz und Humor, so hat es Philip mal zu einem ihrer vielen in einer Rede beschrieben. 

Über die Jahre sind Philip eine Menge Affären mit anderen Frauen nachgesagt worden. Bekanntermaßen war es ihm nicht leicht gefallen, nach der Thronbesteigung seiner Frau nur noch die Rolle des Mannes an ihrer Seite zu spielen, immer zwei Schritte hinter der Königin, ohne klar definierte eigene Rolle in der "königlichen Firma", aber dennoch nicht frei, seine Karriere als Marineoffizier weiter zu verfolgen.

In der Netflix-Serie "The Crown" (deren zweite Staffel am 8. Dezember startet), gibt es einige Szenen, in denen Philip sein Vergnügen außerhalb der Palastmauern bei Treffen des "Thursday Club" mit seinen Junggesellen-Freunden und leichter weiblicher Gesellschaft sucht. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass der Herzog von sich je mit einer Schauspielerin oder einem Showgirl eingelassen hat, wie ihm in den 50er und 60er Jahren gerne nachgesagt wurde. Wenn überhaupt werden es über die Jahrzehnte eine oder sukzessive mehrere verheiratete Damen aus dem englischen Hochadel gewesen sein, auf deren Diskretion man sich verlassen konnte. Die Frau seines Cousins Lord Mountbatten, Penny Romsey, ist beispielsweise immer wieder mit Philip in Verbindung gebracht worden, da sie durch ihr gemeinsames Hobby des Kutschierens regelmäßig viel Zeit miteinander verbringen. Aber nach eigener Aussage sind Gräfin und Herzog nur gute langjährige Freunde.

Elisabeth wurde erzogen, ein Auge zuzudrücken

Für Elisabeth II. wird es nicht immer einfach gewesen sein, ihren charmanten, willensstarkten Ehemann nicht hin und wieder in seine Schranken zu weisen. Aber sie gehört noch zu einer Generation von Frauen, die dazu erzogen wurden, ein Auge zuzudrücken, wenn ihre Männer mal fremdgehen, solange diese dabei diskret sind und nach außen loyal zu ihrer Familie stehen. Und unterstützt hat der Prinzgemahl die Königin seit 70 Jahren immer vorbehaltlos mit seiner ganzen Kraft, das hat sie selber anlässlich einer Feier zu ihrer beider Goldenen Hochzeit 1997 einmal öffentlich gesagt: „All’ die Jahre war er meine Stärke und mein Halt!“. Kann es ein schöneres Kompliment einer starken Frau für ihren Mann geben?

Beide verbindet in hohem Maße ihr Sinn für Humor, inbesondere für Situationskomik. Philip ist bekannt für seine frechen Sprüche, aber kaum jemand weiß, warum er die meisten dieser meist politisch nicht besonders korrekten Scherze macht: Um seine notorisch schüchterne Gattin zum Lachen zu bringen. Auch nach Jahrzehnten auf dem Thron fällt es Elisabeth II. immer noch schwer, einen Raum voller unbekannter Menschen zu betreten, die sie dann alle ehrfürchtig anstarren, deren Hände sie schütteln und für jeden von Ihnen ein freundliches Wort finden muß. Sie vergißt niemals, dass es für ihre Untertanen ein ganz besonderer Moment in deren Leben ist, einmal die Königin zu treffen, daher gibt sie sich immer wieder alle Mühe, es nicht nach der Routine aussehen zu lassen, die es für sie natürlich ist. Sie macht immer weiter, kein Gedanke an Abdankung, selbst nachdem ihr Mann im August dieses Jahres aus Altersgründen offiziell in Pension gegangen ist (also nicht mehr regelmäßig repräsentative Pflichten an ihrer Seite wahrnimmt).

Er verbringt nun viel Zeit in einem kleinen Anwesen auf dem Gelände des königlichen Landsitzes Sandringham in Norfolk, in dem die Royals unter anderem immer Weihnachten feiern, und auch Williams und Landsitz Anmer Hall liegt in der Nähe. Der Altersruhesitz „Wood Farm“  - de facto keine Farm sondern eine kürzlich renovierte hübsche Backsteinvilla – erlaubt es dem Herzog von Edinburgh, mit nur wenig Personal auszukommen, und unbeobachtet von der Presse über seinen Tagesablauf selbst zu entscheiden nach Jahrzehnten der Fremdbestimmtheit. Seine liebsten Hobbies sind Lesen, Malen und Angeln; an den Wochenenden besuchen ihn regelmäßig seine Frau oder andere Familenmitglieder, oder er reist für einige Tage nach Windsor, um die Queen zu sehen. So auch dieses Wochenende, denn heute abend steht eine Dinnerparty an, um das Platin-Hochzeitspaar im engsten Familienkreis zu feiern. Heute mittag um 13.00 Uhr britischer Zeit leuteten in der Londoner Westminster Abbey, in der Elisabeth und Philip am 20. November 1947 getraut wurden, einmal die Kirchenglocken, um den Anlaß zu würdigen, sonst gibt es keine großen Umstände. Trotzdem kann dieses besondere Paar sich sicher sein, dass ihnen Menschen in aller Welt heute von Herzen alles Gute und eine noch häufige Wiederkehr ihres Hochzeitstages wünschen. Oder um es mit den Worten der Queen zu sagen (mit denen sie ihren Mann anläßlich ihres Diamantenen Thronjubiläums einst ermuntern wollte, nicht mitten in den Feierlichkeiten wegen einer Blaseninfektion schlapp zu machen): 

"Don't you die on me. Not now, anyway!"* Britischer Humor eben ... 

*(übersetzt etwa: "Stirb mir nur nicht weg - jedenfalls noch nicht jetzt!")