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Felipe & Letizia: Spanien feiert die "Hochzeit des Jahres"

Ein halbes Jahr nach ihrer Verlobung gaben sich Kronprinz Felipe und Letizia Ortiz in der Madrider Almudena-Kathedrale das Jawort. Die Trauung gilt als das größte Society-Ereigenis seit der Hochzeit von Prinz Charles mit Lady Diana vor 23 Jahren.

Ein halbes Jahr nach ihrer Verlobung gaben sich der spanische Kronprinz Felipe und die Ex-Journalistin Letizia Ortiz in der Madrider Almudena-Kathedrale das Jawort. Die Trauung mit 1.400 geladenen Gästen gilt als das größte gesellschaftliche Ereignis in Europa seit der Hochzeit des britischen Kronprinzen Charles mit Lady Diana Spencer vor 23 Jahren. Die 31-jährige Letizia Ortiz wird eines Tages die erste Königin Spaniens bürgerlicher Herkunft sein.

Hunderte Gäste aus Hochadel und Politik haben sich zur Hochzeit des spanischen Kronprinzen Felipe und Letizia Ortiz in der Madrider Almudena-Kathedrale versammelt. Bei bedecktem Himmel schritten unter anderem der britische Thronfolger Prinz Charles und die Spitzen der anderen europäischen Königshäuser über den roten Teppich, Königin Silvia von Schweden, König Albert von Belgien und Königin Margrethe II. von Dänemark. Der japanische Kronprinz Naruhito kam ebenso zur "Vermählung des Jahres" wie der niederländische Kronprinz Willem Alexander und Prinzessin Maxima sowie Prinz Albert und Prinzessin Caroline von Monaco, zunächst ohne Ernst August Prinz von Hannover. Während die Damen in bunten Farben und vielfach ausgefallenen Hüten erschienen, waren bei den Herren Cuts oder Galauniformen angesagt.

Den Auftakt der Feierlichkeiten bildete am Freitagabend ein Gala-Diner im Pardo-Palast 15 Kilometer nördlich von Madrid, wo Felipe (36) im vergangenen November um die Hand seiner Freundin angehalten hatte. Zu dem Festmahl geladen waren die Familien des Brautpaares und die in die Hauptstadt gereisten gekrönten Häupter sowie Staats- und Regierungschefs aus aller Welt. Unter ihnen war auch Bundespräsident Johannes Rau. Das Diner war die einzige festliche Veranstaltung vor der Hochzeit. Andere im Vorfeld geplante Feierlichkeiten waren wegen der Terroranschläge des 11. März in Madrid mit 191 Todesopfern abgesagt worden. So verzichtete das Paar auf seinen Polterabend und eine Musikshow.

Die rund 350 Gäste wurden von König Juan Carlos und Königin Sofía sowie von Felipe und Letizia und deren Eltern empfangen. Besonders innig begrüßte der Monarch die Großeltern seiner künftigen Schwiegertochter, deren Großvater mütterlicherseits Republikaner ist. Letizia trug dazu ein silbriges, schulterfreies Seidenkleid des spanischen Modedesigners Lorenzo Caprile.

Brautkleid schlicht, Ausschnitt dezent

Für ihre Hochzeit hat Letizia Ortiz, die frisch gebackene Prinzessin von Asturien, ein in gebrochenem Weiß gehaltenes, langärmeliges Seidenkleid mit langer Schleppe gewählt. Das schlichte Modell des 86-jährigen Designers Manuel Pertegaz hatte einen hohen Kaminkragen, der angeblich den langen Hals der Prinzessin etwas kaschieren sollte, und einen dezenten V-Ausschnitt. Das Brautkleid war eines der bestgehüteten Geheimnisse in Spanien gewesen. Zur Anprobe hatte die Braut weder Königin Sofía noch eine Freundin mitgenommen. Das Kleid war am Oberkörper eng anliegend und ab der Taille leicht ausgestellt. Es endete in einer 4,50 Meter langen, mit heraldischen Motiven bestickten Schleppe. Kragen, Trompetenärmel und Rocksaum waren mit pyramidenförmigen Mustern aus Gold- und Silberfäden verziert.

Der drei Meter lange mit Lilien handbestickte Seidenschleier der Braut war ein persönliches Geschenk des Prinzen. Über dem Schleier trug Letizia ein mit Brillanten besetztes Diadem aus dem Familienbesitz der Bourbonen. Königin Sofía hatte das Schmuckstück aus Platin bereits bei ihrer Hochzeit 1962 in Athen getragen. Für Designerin Jette Joop waren Kleid, Schleier und Diadem "perfekt aufeinander abgestimmt". Sie kürte Letizia in der "Bild am Sonntag" zur elegantesten Braut der jüngsten Prinzen-Hochzeiten. "Überraschend für das konservative Spanien" sei der Ausschnitt gewesen: "Sehr ausgefallen und trotzdem noch konservativ und nicht zu bieder."

Rätsel um Ernst August von Hannover

Caroline von Monaco schritt am Samstag allein über den roten Teppich zur Almudena-Kathedrale geschritten. Prinz Ernst August von Hannover war nicht an ihrer Seite. Am Vorabend hatte das Paar noch gemeinsam am Gala-Diner im Pardo-Palast teilgenommen. Erst auf dem "Familienfoto" des Brautpaars und der wichtigsten Hochzeitsgäste ist der Prinz wieder neben seiner Frau Prinzessin Caroline zu sehen. Nach spanischen Presseberichten war Ernst August direkt zum Hochzeitsbankett in den königlichen Palast gefahren, wo auch das Foto aufgenommen wurde. Weshalb Ernst August der Trauung fernblieb, war nicht bekannt.

Letizias Stiefmutter Ana Togores hat auf eine Teilnahme an der Prinzenhochzeit verzichtet. Als Grund wurden "persönliche Motive" angegeben. Die Absage ließ die Beamten vom Protokoll aufatmen. Diese hatten nach Angaben der Zeitung "El Mundo" nicht so recht gewusst, welchen Platz sie der Frau von Letizias Vater Jesús Ortiz zuweisen sollten. Hätte das Paar nebeneinander in der Kirche gesessen, wäre dadurch die Rolle von Letizas Mutter abgewertet worden. Die Eltern der Braut sind seit mehreren Jahren geschieden. Der Vater heiratete im März zum zweiten Mal.

König brach mit Protokoll

Beim Einmarsch der Hochzeitsgesellschaft in die Kathedrale ging König Juan Carlos neben seiner Schwester, der Infantin Pilar. Normalerweise hätte er nach spanischem Brauch an der Seite der Mutter der Braut in das Gotteshaus schreiten müssen. Manche Kommentatoren werteten das Verhalten des Königs als einen Affront gegen Letizias Familie, die über keinerlei Bindungen zu Königshäusern oder zum Adel verfügt.

Unter den Gästen fiel durch ihre Kleidung am meisten die Designerin Agatha Ruiz de la Prada auf. Sie trug ein Kleid in den Farben Rot, Gelb und Violett. Dies waren pikanterweise die Farben der II. Republik in Spanien (1931-1939), die die Monarchie abgeschafft und den damaligen König Alfonso XIII., Felipes Urgroßvater, ins Exil geschickt hatte.

800 Monarchie-Gegner protestierten

Fast gleichzeitig protestierten im Zentrum Madrids rund 800 Monarchie-Gegner gegen die Prinzenhochzeit. Bei dem farbenfrohen Umzug mit Trommelmusik skandierten die Teilnehmer Parolen wie "Es lebe die Republik". Zu der Kundgebung hatte die "Volksbewegung gegen die königliche Hochzeit" aufgerufen, der mehrere linke Gruppierungen angehören.

Nach der Vermählung in der Kathedrale wird das Paar in einem gepanzerten Rolls Royce durch die Hauptstadt fahren. Anschließend wird im königlichen Palast für die 1400 geladenen Gäste das Hochzeitsmahl gereicht. Die Vermählung kostet nach einer Schätzung der Zeitung "El País" über 20 Millionen Euro. Die Madrilenen hoffen darauf, dass das Ereignis auch dazu beiträgt, die Wunden des 11. März zu heilen. Die Hauptstadt verspricht sich von der Feier auch eine weltweite Werbung für seine Touristenattraktionen. Außerdem hofft Madrid, seine Chancen für die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 2012 zu verbessern.

Größte Sicherheitsaufgebot der Geschichte

Nach den Madrider Attentaten vom 11. März mit 191 Toten wollte Spanien kein Risiko eingehen: Das Land rüstete sich mit dem größten Sicherheitsaufgebot seiner Geschichte für die Prinzenhochzeit: Fast 24.000 Beamte der Polizei und der paramilitärischen Guardia Civil waren am Samstag im Einsatz. Der Luftraum über der spanischen Hauptstadt wurde geschlossen, Linienmaschinen durch bestimmte Korridore geschleust. Zwei AWACS-Überwachungsflugzeuge der NATO waren im Einsatz, Kampfflugzeuge von Typ F-18 bewachten die Sperrzone. Bereits eine Woche vor der Hochzeit hatte Spanien das Schengener Abkommen ausgesetzt und vorübergehend Grenzkontrollen eingeführt. Zur Sicherung des Hochzeitszuges bezogen 200 Scharfschützen der Polizei auf Dächern Position. In den Tagen vor der Hochzeit hatten Beamte Tausende von Wohnungen sowie U-Bahn-Tunnel und Abwässerkanäle inspiziert. Zahllose Autos wurden aus der Innenstadt abgeschleppt, Gully-Deckel versiegelt und Papierkörbe abmontiert. Während der Hochzeit schloss die U-Bahn mehrere Stationen im Stadtzentrum.

Die spanische Prinzenhochzeit in Zahlen

Hochzeitsfeier

- 1.400 geladene Gäste, darunter Repräsentanten von 30 Königshausern sowie 15 Staatschefs
- 130 Tische für das Hochzeitsmahl im Palast
- pro Gedeck 5 Gläser, je 3 Messer und Gabeln, 2 Löffel
- Hochzeitstorte 170 Kilogramm schwer und 2 Meter hoch

Die Stadt

- hunderttausende Menschen auf den Straßen
- 1,2 Millionen Blumen und Pflanzen zur Ausschmückung von Madrid
- 180.000 Fächer für Gratulanten auf den Straßen
- 6.000 Behänge zur Verzierung von Balkone

Sicherheit

- 24.000 Polizisten und Zivilgardisten
- 200 Scharfschützen auf Dächern
- 15.000 Wohnungen und Büros entlang der Route des Hochzeitzugesinspiziert
- 6 Polizeihubschrauber, 2 AWACS-Überwachungsflugzeuge, 2 F-18-Kampfflugzeuge

Presse & Kosten

- 5.000 Journalisten akkreditiert
- 160 TV-Sender aus aller Welt mit einem Potenzial von bis zu 1,2 Milliarden Zuschauern
DPA