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Verschlankung der Monarchie Titel-Krise zerreißt dänische Königsfamilie – was Charles daraus lernen sollte

Königin Margrethe von Dänemark zwischen ihren Söhnen, Kronprinz Frederik und Prinz Joachim (r.)
Königin Margrethe von Dänemark zwischen ihren Söhnen, Kronprinz Frederik und Prinz Joachim (r.)
© Mads Claus Rasmussen / Ritzau Scanpix / AFP
Königin Margrethe von Dänemark musste sich für ihren Plan einer verschlankten Monarchie entschuldigen. König Charles könnte dies bald bevorstehen. Eine Debatte um royale Pflichten und Identität ist entbrannt, die zum Flächenbrand werden könnte.

Was bin ich, wenn ich kein Prinz mehr bin? Diese Frage stellen sich derzeit Felix und Nikolai von Dänemark. Die beiden jungen Männer, 20 und 23 Jahre alt, sind die ältesten Enkelkinder von Königin Margrethe. Diese hatte mit der Entscheidung überrascht, Felix, Nikolai und deren Halbgeschwistern, Athena und Henrik, ihre Prinzen- und Prinzessinnentitel 2023 abzuerkennen. Vom 1. Januar an sollen die vier "nur" noch Grafen und Gräfin von Monpezat sein, ein Nebentitel der dänischen Royals.

Doch was nach der königlichen Verkündung passierte, schockierte die royale Welt: Prinz Joachim und seine Familie, inklusive der beiden erwachsenen Söhne, äußerten sich scharf gegen die Entscheidung, die Königin und die Kronprinzenfamilie. Ein Eklat – der sich in ähnlicher Weise in anderen Königshäusern wiederholen könnte.

Dänischer Prinz Joachim zum Titel-Entzug seiner Kinder: "Warum nimmt man ihnen ihre Identität?"

"Meine ganze Familie und ich sind natürlich sehr traurig. Wir sind, wie meine Eltern bereits mitteilten, schockiert von dieser Entscheidung und wie schnell es gegangen ist. Ich bin sehr verwirrt, warum es so passieren muss." Worte von Prinz Nikolai wenige Stunden, nachdem die Welt von seinem angekündigten Titel-Entzug erfuhr gegenüber der dänischen Boulevardzeitung "Ekstra Bladet". Sein Vater, Prinz Joachim, hatte vorher in einem Statement erklärt, dass seine Kinder sich fragten, was sie getan hätten, um so "bestraft" zu werden. "Warum soll ihnen ihre Identität weggenommen werden?", fragt der Familienvater im Gespräch mit der dänischen Webseite "BT". 

Damit stellt Joachim, der jüngere von zwei Söhnen der Königin und ihres verstorbenen Gatten Prinz Henriks, eine sehr gewichtige Frage. Gleichzeitig offenbaren er, seine Kinder, seine Frau, Prinzessin Marie, und seine Ex-Frau, Gräfin Alexandra (Mutter von Nikolai und Felix) einen tiefen Riss in der Familie. Denn am vergangenen Wochenende geben Joachim und Marie "BT" ein Interview in Paris. Dort lebt das Paar seit drei Jahren mit seinen gemeinsamen Kindern, Athena und Henrik. 2020 hatte die Prinzessin bereits durchscheinen lassen, dass der Umzug von Dänemark nach Frankreich nicht ihre Entscheidung gewesen sei. Nun der angekündigte Titel-Entzug seiner Kinder, der das Paar sichtlich mitnimmt. In dem Gespräch verraten Joachim und Marie, dass sie seit der Verkündung nicht mit der Königin gesprochen und ein kompliziertes Verhältnis mit dem Kronprinzenpaar hätten. Gerüchte über eine angespannte Beziehung zwischen Thronfolger Frederik und Joachim gab es schon lange, nun wurden sie offiziell bestätigt.

Es ist der Super-GAU in royaler Kommunikation. Nicht nur die familiäre Bande wurde arg belastet, sondern auch die Entscheidung der Königin nicht nur diskutiert, sondern hinterfragt. Dass Margrethes Schwester, Prinzessin Benedikte, öffentlich erklärte, die Monarchin treffe weise Entscheidungen war nicht mehr als ein lahmer Versuch der Ehrenrettung.

König Charles und die Titel-Fragen um Beatrice, Eugenie, Archie und Lilibet

Schwierige Geschwister-Beziehungen, Titel-Gerangel – das kennen wir doch ... Ja, König Charles könnte sich in den nächsten Jahren mit ähnlichen Querelen herumschlagen müssen. Dass er sich eine modernisierte, verschlankte Monarchie – mit der Margrethe ihren Plan begründet hat –wünscht, ist kein Geheimnis mehr. Es hieß schon vor Jahren, dass er die Töchter seines Bruders Andrew, Prinzessin Beatrice und Prinzessin Eugenie, aufs Abstellgleis schieben will. Der Herzog von York hatte sich stattdessen eine prominentere Rolle für seine Töchter erhofft und wollte sie sogar in den engeren Kreis derer, die für die Krone arbeiten, erheben lassen. Das ist nicht passiert und dürfte auch nicht mehr passieren.

Die Frage ist nun, ob Charles an die Prinzessinnen-Titel seiner Nichten geht. Damit gäbe es in ihrer Generationen keine Frauen mehr, die einen solchen trügen. Interessant dürfte auch sein, wie er damit umgeht, dass den Kindern von Prinz Harry und Herzogin Meghan theoretisch der Prinzen- und Prinzessinnen-Titel zustünde. Aber nicht nur ihnen könnte es an den sprichwörtlichen Kragen gehen, sondern auch ihren Eltern. Seit Monaten fordern immer wieder Kommentatoren, den Sussexes ihre Titel abzuerkennen. Gleiches gilt für Andrew. Doch wer bleibt von der jüngeren Garde übrig? Einzig der Prinz und die Prinzessin von Wales mit ihren Kindern. Und was, wenn Prinzessin Charlotte und/oder Prinz Louis aus dem Königshaus austreten wollen?

Die europäischen Königshäuser stehen vor der schwierigen Aufgabe, verantwortungsvoll und sparsam mit den Steuergeldern ihrer Völker umzugehen, den Aufwand zum Erhalt ihrer Besitztümer und der Erhaltung ihrer Relevanz zu vereinen. Kurz: Was ist das Besondere an einer Königsfamilie, wenn sie lebt und aussieht wie jede andere? Und wenn sie nichts Besonderes mehr ist, braucht man sie dann überhaupt noch? Gleichzeitig dürfen sie nicht verschwenderisch mit meinen Steuern umgehen. Es ist ein Balanceakt, der kaum zu bestehen ist. Nichtsdestotrotz müssen die heutigen Monarchen weise die Zukunft vorplanen und da sollte sorgsam abgewogen werden, wie schlank ein Königshaus sein darf. 

Ja, Mitglieder der "königlichen Firmen" sind teuer. Aber es bedarf einer Basis an jenen, die die Krone repräsentieren, um sattelfest zu sein und die Zukunft zu sichern. Kronprinzessin Mary von Dänemark hatte angekündigt, dass auch die Titel ihrer eigenen Kinder eines Tages auf dem Prüfstand stünden. Dass ihr ältester Sohn Christian als Thronfolger mit seiner künftigen Familie alle Last tragen soll, scheint undenkbar. Zu viele Aufgaben, zu viele Organisationen, die unterstützt werden wollen. 

Bei all der Zukunftsplanung und wirtschaftlich durchdachten Entscheidungen – die Konsequenzen für die Menschen sind am bedauerlichsten. Die Identitätsfrage können wir nicht beantworten, sollten aber für die Entscheider eine zentrale Rolle spielen. Wie es möglichst glimpflich ablaufen kann, hat König Carl Gustaf von Schweden im Jahr 2019 gezeigt. Er hat den Nachkommen seiner beiden jüngeren Kinder, Prinz Carl Philip und Prinzessin Madeleine, aus dem Königshaus entfernt. Sie dürfen das Königshaus nicht mehr repräsentieren, erhalten keine Apanage. Ihre Prinzen- und Prinzessinnentitel sind seither nur noch Ehrentitel und können nicht vererbt werden. Der große Eklat blieb damals aus. Vermutlich, weil schon früh Absprachen innerhalb der Familie getroffen wurden und diese von der gesamten Familie akzeptiert wurden. Ein versöhnliches Zeichen des Königs damals war, dass Carl Gustaf Carl Philip und Madeleine erlaubt, in einem gewissen Umfang weiter für die Krone zu arbeiten. Es ist kein vollständiger Ausschluss oder ein Exil, wie es bei Joachim den Anschein macht. Daran sollte sich Charles ein Beispiel nehmen.

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