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Moderator "Ich würde daran zugrunde gehen" - das denkt Markus Lanz über Facebook, Twitter und Co.

Markus Lanz im ZDF
Markus Lanz moderiert seit 2008 seine Sendung im ZDF
© Screenshot ZDF
Er hat keinen eigenen Facebook- oder Twitter-Account: Markus Lanz lehnt Social Media für sich ab. "Ich muss mich schützen", sagt er in einem Interview und erklärt, warum die Auseinandersetzung im Internet Zeitverschwendung sei.

"Der schleimige Unterhaltungsfuzzi." So nannte ihn die linke Tageszeitung "taz" in einem Porträt. "Stört sie das?" will Journalistin Dagmar Rosenfeld im Podcast "Morning Briefing" am Freitag von Markus Lanz wissen. "Nein, ich find's lustig", sagt der Moderator, der seit elf Jahren seine eigene Talkshow im ZDF hat. Der 51-Jährge musste in der Vergangenheit viel Kritik einstecken. "Markus Lanz" sei Fernsehen für Begriffsstutzige, lästerte Medienkritiker Stefan Niggemeier. Doch seit der Coronakrise wird Lanz gefeiert. Bei ihm nimmt die erste Riege der Politikprominenz Platz. Ob Jens Spahn oder Sahra Wagenknecht - sie wissen, dass allabendlich 1,5 Millionen Menschen einschalten. Lanz ist eine Macht im Fernsehen.

Ob er auch Björn Höcke einladen würde? "Ich glaube, den kann man nicht stellen. Das macht es schwer", gibt Lanz im Podcast zu und erklärt warum. Er habe den Auftritt Höckes bei Günther Jauch gesehen. Damals habe Höcke eine Deutschlandfahne herausgeholt. Jauch habe fast panisch reagiert. "Natürlich bist du dann hilflos. Der kapert diese Deutschlandfahne", sagt Lanz. Er glaubt, die einzig richtige Reaktion wäre gewesen, ihm diese wegzunehmen und sich zu empören: "Das ist auch meine Fahne."

Im Gespräch mit Rosenfeld spricht der aus Südtirol stammende Moderator über Trump, Rechtsradikalismus in Deutschland und die jüngsten Coronaproteste vor dem Reichstag. "Zuhören und einlassen", das sei ihm wichtig, um Menschen in die Mitte der Gesellschaft zurückzuholen. Über diejenigen, die den Reichstag stürmen wollten, sagt er: "Ich finde es richtig, dass man das klar verurteilt und sich distanziert. Aber man muss die auch sauber trennen von denen, die anders sind."

Markus Lanz: "Ich muss mich schützen"

Einen direkten Diskurs auf Social-Media-Kanälen lehnt der ZDF-Moderator allerdings ab. "Das ist sinnlos", sagt Lanz, der keinen eigenen Twitter-, Facebook-, oder Instagram-Account besitzt. "Den 'schleimigen Unterhaltungsfuzzi' nehme ich sportiv, kein Problem. Aber was da sonst noch so kommt, ich geb's ganz offen zu, ich würde daran zugrunde gehen", sagt Lanz. "Ich schütz mich da."

Er sei der festen Überzeugung, dass die Diskussionen im Netz nichts bringen würden. Er habe sich mit Dunja Hayali darüber unterhalten, die zwei bis drei Stunden am Tag darauf verwende, "mit Eichhörnchen75 zu diskutieren. Und ich weiß dass man Eichhörnchen 75 nicht mehr auf seine Seite kriegt, das ist sinnlos und je mehr ich dem zurückschreibe, umso mehr hat der Spaß daran, mich zu triezen", sagt Lanz.

Lanz wirbt für direkten Diskurs

Er halte Soziale Medien nicht nur für destruktiv. Es werde auch viel Schlaues auf Twitter gesagt. "Aber wenn es nur noch darum geht, lauter zu pöbeln und zu brüllen, damit man maximale Likes kriegt", sei das nicht seine Welt. "Und vieles davon, wenn man ehrlich ist, ist Zeitverschwendung", sagt Lanz. Stattdessen schlägt er den direkten Austausch vor. "So wie es Jens Spahn vor kurzem in NRW gemacht hat." Der Minister habe die wütende Menge gefragt, ob sie miteinander reden wollen. Auch wenn diese ein Gespräch abgelehnt hätten: "Die Geste" entscheide.

Quelle: Podcast "Morning Briefing"

mai

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