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No-Angels-Sängerin Nadja: Anwälte sprechen von Indiskretion

No-Angels-Sängerin Nadja Benaissa sitzt in Haft, weil sie trotz ihrer HIV-Infektion mit mindestens drei Partnern ungeschützten Sex gehabt haben soll. Einer der Männer soll sich dabei angesteckt haben. Die Anwälte der Sängerin werfen der Staatsanwaltschaft Indiskretion vor.

Von Carsten Heidböhmer und Ingo Scheel

Nadja Benaissa, Sängerin der deutschen Pop-Band No Angels, sitzt in Untersuchungshaft. Sie soll in den Jahren 2004 und 2006 trotz einer HIV-Infektion mit drei Personen ungeschützten Geschlechtsverkehr gehabt haben. Ein Mann hatte sie angezeigt, der nach dem Geschlechtsverkehr mit HIV infiziert worden sei. Die Sängerin habe ihn nicht auf ihre HIV-Infektion hingewiesen. Dies teilte die Staatsanwaltschaft Darmstadt am Dienstag mit.

Die 26-Jährige war bereits am Samstagabend vor einem Soloauftritt in einer Diskothek in Frankfurt am Main festgenommen worden. Ihr droht nun eine Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren. Die Staatsanwaltschaft hatte sie offenbar mehrmals zu Hause nicht angetroffen.

Haftbefehl wegen Wiederholungsgefahr

Ein Ermittlungsrichter hatte gegen die alleinerziehende Mutter einer neunjährigen Tochter einen Haftbefehl erlassen, da offenbar Wiederholungsgefahr besteht. Dies mag ein wenig verwundern, liegen doch die ihr zur Last gelegten Straftaten bereits Jahre zurück. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt erklärt diesen drastischen Schritt mit der Gesetzeslage. Diese besagt, wenn mehr als zwei gleichartige Straftaten vorliegen, besteht Wiederholungsgefahr.

Die Staatsanwaltschaft habe die Ermittlungen aufgenommen, nachdem ein Mann vor einem Jahr gegen Nadja Benaissa Anzeige erstattet hatte, sagte der Sprecher stern.de. Dieser Mann behauptet, von der Sängerin mit HIV infiziert worden zu sein. Inzwischen sei es medizinisch möglich, den Nachweis zu erbringen, von wem der Virus übertragen worden sei, gab die Staatsanwaltschaft auf Anfrage bekannt. Das heißt: Sollte die betroffene Person sich tatsächlich bei der No-Angels-Sängerin angesteckt haben, kann dies auch nachgewiesen werden.

Während auf Nadja Benaissas Myspace-Seite die Fans der Sängerin erste Solidaritätsbekundungen gepostet haben, gibt es immer noch kein offizielles Statement zu den Hintergründen. Khalid Schröder, Manager der No Angels, verweigerte stern.de mit dem Hinweis auf das laufende Strafverfahren einen Kommentar.

Anwälte sprechen von Indiskretion

In einer Stellungnahme äußerten sich jetzt die presserechtlichen Vertreter von Nadja Benaissa zu den Umständen ihrer Verhaftung. Sie kritisieren die Pressemeldung der Staatsanwaltschaft, die "nicht im Einklang mit den geltenden Vorschriften des Landespressegesetzes" stehe. "Durch eine Indiskretion ist der Umstand der Festnahme unserer Mandantin an die Medien gelangt", heißt es weiter.

Die Anwälte werfen den Behörden vor, Details über den Tatvorwurf an die Öffentlichkeit gebracht zu haben. Es sei jedoch der Grundsatz der Unschuldsvermutung zu beachten: "Bis zum heutigen Tage ist in keiner Weise darüber hinaus bewiesen, dass unsere Mandantin verantwortlich ist für eine HIV-Infektion einer anderen Person." Die Anwälte fordern die unverzügliche Freilassung ihrer Mandantin: "Weiterhin sind wir der Auffassung, dass auch hier der Haftbefehl aus den dargelegten Gründen ein Übermaß darstellt."

Die No Angels waren nach ihrem Casting beim Gesangswettbewerb "Popstars" im Jahr 2000 die erfolgreichste deutsche Girlgroup aller Zeiten geworden. Bis zu ihrer vorläufigen Trennung 2003 landete die Band zahlreiche Nummer-eins-Hits und verkaufte mehr als fünf Millionen CDs. Ihr bekanntester Song ist das Debüt-Lied "Daylight".

Anfang 2007 starteten vier der ursprünglich fünf Bandmitglieder ein Comeback und vertraten Deutschland 2008 beim Grand Prix. Wenige Monate zuvor hatte Benaissa mit ihren wirtschaftlichen Verhältnissen Aufmerksamkeit erregt: Sie verriet, dass sie 200.000 Euro Schulden habe.