HOME

Stern Logo Oktoberfest

Mittags auf dem Oktoberfest: Zwischen Ochsensemmeln, Bierleichen und Helene Fischer

Abends herrscht in den Festzelten Partystimmung. Doch was ist mittags auf dem Oktoberfest los? Der stern hat sich um 12 Uhr umgesehen - und Erstaunliches erlebt.

Von Jens Maier und Sarah Stendel, München

Ausgelassene Stimmung schon am Mittag? Ja, das geht - zumindest auf der Wiesn.

Ausgelassene Stimmung schon am Mittag? Ja, das geht - zumindest auf der Wiesn.

Dan und Laura können es kaum glauben. "Jetzt wird hier schon Bier getunken?", fragen sie ungläubig, als sie um die Mittagszeit in der Ochsenbraterei Platz nehmen. Die beiden US-Amerikaner aus Minnesota sind zum ersten Mal auf dem Oktoberfest. Wie viele amerikanische Biere wohl in so einen Maßkrug reingingen, will Laura wissen. Antwort: so drei. Auf ihrem Gesicht spiegeln sich abwechselnd Bewunderung und Entsetzen wider, während sie an ihrem Glas Zitronenlimonade nippt. Als dann die Blaskapelle "Ein Prosit der Gemütlichkeit" anstimmt und alle im Zelt sich zuprosten, sagt sie begeistert: "You guys have a great culture."

Ja, die Maß gehört zum Oktoberfest wie König Ludwig zu Bayern. Doch inzwischen mehren sich die Stimmen, die sich gegen die exzessive Feierei auf der Wiesn wenden. Ein zweites Arenal will das Oktoberfest nicht sein. Vor allem nicht tagsüber. Mittags soll es auf der Theresienwiese zwar zünftig zugehen, aber kein Partyalarm herrschen. Aber stimmt das? Ein Wiesn-Rundgang um 12 Uhr auf der Suche nach Ochsensemmeln, Bier-Leichen und Helene Fischer.

Im Marstall geht's mittags gediegen zu.

Im Marstall geht's mittags gediegen zu.

12.01 Uhr, Marstall-Festzelt
Draußen fahren die Pferdekutschen vorbei, drinnen ist die Stimmung gediegen. Die Tische sind zwar gut besetzt, doch von Volksfeststimmung keine Spur. Die Blaskapelle macht offenbar gerade Pause. Hier wird geschmaust statt geschunkelt.

12.07 Uhr, Fischer-Vroni
Die Fischer-Vroni macht ihrem Namen alle Ehre: Es riecht nach frisch gebratenem Stockerl-Fisch. Den lassen sich die überwiegend älteren Damen und Herren an den Tischen auch schmecken. Ein paar Plätze sind noch frei. Immerhin spielt hier die Kapelle bereits auf: "Ein Prosit der Gemütlichkeit". Und gemütlich geht's hier wirklich zu.

Andrang vorm Armbrustschützenfestzelt. Drinnen ist noch Platz.

Andrang vorm Armbrustschützenfestzelt. Drinnen ist noch Platz.

12.16 Uhr, Armbrustschützenfestzelt
Vor der Tür herrscht reger Andrang, drinnen sind aber noch jede Menge Plätze frei. Hier werden gerade hunderte Hendl verspeist, Partystimmung herrscht aber nicht. Gibt's am Ende auf der Wiesn gar keine Bierleichen und Helene Fischer?

Auf ex: Feierwütige Amerikaner im Hofbräu.

Auf ex: Feierwütige Amerikaner im Hofbräu.

Geschafft: Die Maß ist getrunken, der Held wird gefeiert.

Geschafft: Die Maß ist getrunken, der Held wird gefeiert.

12.32 Uhr, Hofbträu-Festzelt
Doch noch fündig geworden: Das Hofbräu macht seinem Ruf als Partyzelt alle Ehre. Betrunkene Touristen und andere angeheiterte Besucher überbieten sich hier gegenseitig bei Trinkspielen. Einer nach dem anderen steigen sie auf die Bierbank und versuchen, eine ganze Maß Bier auf einmal auszutrinken. Wer es schafft, der wird vom Publikum bejubelt. Wer scheitert, wird ausgebuht. Folge: Die Sicherheitsleute haben bereits jetzt alle Hände voll zu tun, Bierleichen aus dem Zelt zu schaffen. Schnell weg hier.

In der Ochsenbraterei wird gespeist: Was? Natürlich Ochse.

In der Ochsenbraterei wird gespeist: Was? Natürlich Ochse.

Dieser hier heißt Hubert. Jeder bekommt nämlich einen Namen.

Dieser hier heißt Hubert. Jeder bekommt nämlich einen Namen.

12.45 Uhr, Ochsenbraterei
Nach dem Schrecken im Hofbräu ist es höchste Zeit für eine Stärkung. Da kommt die Ochsenbraterei gerade recht. Hier gibt es - wie der Name schon sagt - Ochse. Von den rund 40 Stück, die jedes Jahr zur Wiesn verspeist werden, bekommt jeder einen Namen. Diese werden an eine Kreidetafel geschrieben. Der heute heißt Hubert - und er schmeckt köstlich. Mit 15,80 Euro ist der Klassiker mit Ochsenstück und Kartoffelsalat zwar nicht gerabe billig, aber jeden Cent wert. Wo geht's zurück zur Party?

Holland noch nicht in Not: Jungs aus den Niederlanden trinken im Augustiner.

Holland noch nicht in Not: Jungs aus den Niederlanden trinken im Augustiner.

13.01 Uhr, Augustiner Festzelt
Der Biergarten im Augustiner ist trotz durchwachsenem Wetter gut besucht. Drinnen geht's spaßig zu aber ohne den Exzess vom Hofbräu. Den Jungs aus Holland, die in Lederhose und kariertem Hemd an einer Bierbank sitzen, gefällt's jedenfalls. Auch wenn sie die Musik nicht mitsingen können. Helene Fischer kennt jedenfalls keiner von ihnen. Übrigens: In keinem Festzelt wurde bislang "Atemlos" gespielt. Ob sich das noch ändert?

Fast wie auf Klassenfahrt: Im Hacker feiern die Jungen.

Fast wie auf Klassenfahrt: Im Hacker feiern die Jungen.

13.14 Uhr, Hacker-Festzelt
Es ist das Teenie- und Twen-Zelt. Hier feiert die Münchner Jugend - auch am Mittag schon. Im Vergleich zum Hofbräu geht es aber verhältnismäßig gesittet zu. Es wird zwar schon geschunkelt, auf den Bänken steht aber noch keiner. Ob Helene Fischer schon gespielt wurde? "Keine Ahnung", sagt Jan. Der 25-jährige Münchner ist mit Freunden seit 10 Uhr hier. Wie viele Maß er schon getrunken hat? Auch das weiß er nicht mehr. Auweia.

Idyllisch: Pferdegespann vorm Glöcklewirt.

Idyllisch: Pferdegespann vorm Glöcklewirt.

Drinnen geht's ähnlich urig zu.

Drinnen geht's ähnlich urig zu.

13.21 Uhr, Glöckle-Wirt
Hier herrscht idyllische Skihüttenatmosphäre. Wer Ruhe vom Trubel auf dem Oktoberfest sucht, ist hier genau richtig. In dem kleinen Zelt mit nur wenigen hundert Plätzen geht's gemütlich zu. Ein Duo spielt auf dem Akkordeon, dazu gibt's das Mittagsangebot mit einem Essen und einem Franziskaner für 10,95. Des geht sich aus!

Norwegerinnen im Löwenbräu in Feierlaune

Norwegerinnen im Löwenbräu in Feierlaune

13.42 Uhr, Löwenbrau-Festhalle
Zurück dorthin, wo die Gaudi ist: Im Löwenbräu feiert eine Gruppe Norwegerinnen. Weil eine von ihnen Geburtstag hat, dürfen sie auf die Bühne in ein Bierfaß, das sich auf und ab bewegt. Dazu stimmt die Blaskapelle "Happy Birthday" an. Im Zelt herrscht gelöste Stimmung, aber keine Mallorca-Atmosphäre. Gut so. Die perfekte Mischung aus Party und Gemütlichkeit. Aber Helene lief immer noch nicht. Ob das auch im für seine gute Stimmung bekannten Schützenfestzelt so bleibt?

13.57 Uhr, Schützenfestzelt
Das Schützen ist seit einigen Jahren das In-Zelt unter den jungen Münchnern. Dazu beigetragen hat vor allem die Musik der Kapelle "Die Niederalmer", die hier auch schon am Mittag für Stimmung und damit für volle Bänke sorgen. Das Essen ist bereits verdaut, es wird zu "Volare" getanzt. Und dann ist es endlich soweit: Helene Fischer kommt. Das ganze Zelt steht und singt mit. Atemlos nicht nur durch die Nacht, sondern auch durch den Mittag.

Fazit:


Wer auf dem Oktoberfest feiern will, muss nicht bis zum Abend warten. Auch mittags geht es hier schon rund. Aber auch Besucher, die gemütlich eine Maß trinken und dazu ein bayrisches Schmankerl essen wollen kommen auf ihre Kosten. Für jeden gibt es das passende Zelt. Wer sich nicht entscheiden kann, ist am besten im Augustiner oder im Löwenbräu aufgehiben. Hier gibt es beides. A Mordsgaudi.