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Staatsbesuch: Prinz Charles und Camilla: Das erwartet die Royals in Berlin

Kurz nach der Geburt ihres vierten Enkels sind Prinz Charles und seine Frau Camilla zu Besuch in Deutschland. In Zeiten des Brexits bringen die beiden eine Botschaft mit.

Prinz Charles und Camilla

Der britische Prinz Charles und seine Frau, Herzogin Camilla, winken Zuschauern vor dem Brandenburger Tor zu.  

DPA

Ein sonniger Frühlingsmorgen im beschaulichen Grunewald vor den Toren Berlins: Rund um die Residenz des britischen Botschafters in einer ruhigen Wohnstraße parken jede Menge Polizeifahrzeuge und Lieferwagen, im Garten der prachtvollen neo-klassizistischen Villa wird lautstark an einer Bühne gezimmert und Lieferanten schleppen kistenweise Lebensmittel und Getränke sowie allerlei Gartenmöbel auf das parkähnliche Grundstück.

Unter der Aufsicht von Sir Sebastian Wood und seiner Frau laufen die Vorbereitungen für die jährliche Gartenparty zu Ehren Ihrer Majestät offiziellem Geburtstag auf Hochtouren und die allgemeine Geschäftigkeit ist noch etwa größer als sonst vor solchen offiziellen Anlässen, denn es wird königlicher Besuch erwartet: Thronfolger Prinz Charles und seine Frau Camilla verbringen den ersten Tag ihres diese Woche anstehenden Deutschlandbesuches in Berlin und nehmen am Dienstag nach Terminen bei Angela Merkel und dem Bundespräsidenten auch am Gartenfest im Grunewald teil.

Oxford-Absolvent und China-Experte Sir Sebastian Wood ist seit 1983 im Diplomatischen Dienst. Auf einem Posten in Bangkok lernte er seine Frau Sirinat kennen. Das Paar hat vier Kinder. Golden Retriever Albie stieß erst vor zwei Jahren als Welpe in Berlin zur Botschafterfamilie.

Oxford-Absolvent und China-Experte Sir Sebastian Wood ist seit 1983 im Diplomatischen Dienst. Auf einem Posten in Bangkok lernte er seine Frau Sirinat kennen. Das Paar hat vier Kinder. Golden Retriever Albie stieß erst vor zwei Jahren als Welpe in Berlin zur Botschafterfamilie.

Das erwartet Charles und Camilla in Berlin

Doch das ehemalige Heim der Verlegerfamilie Ullstein hat schon viele wichtige Gäste empfangen, und das zumeist seit vielen Jahren dort tätige Botschaftspersonal kann daher nichts mehr so leicht aus der Ruhe bringen. Butler Mario Calvelo, der schon 1999 den Umzug aus der ehemaligen deutschen Hauptstadt Bonn nach Berlin mitgemacht hat, bleibt trotz Vorbereitungsstress ganz entspannt: “Ein guter Anlass, mal wieder das ganze Silber zu polieren“, meint er fröhlich. Und Küchenchef Robert Burgmeier, seit zehn Jahren für bislang drei britische Botschafter in Folge in Berlin auf Posten, hat sich zwar viele Köstlichkeiten für das Thronfolgerpaar und die rund 600 erwarteten Gäste (darunter zum Beispiel der schottisch-stämmige ehemalige niedersächsische Ministerpräsident David McAllister und der Doyen aller deutschen Adelsexperten, Rolf Seelmann-Eggebert) einfallen lassen, verrät aber auch, dass er den Aufenthalt von Prinz William und Gattin Kate samt Nachwuchs George und Charlotte vor zwei Jahren besonders genossen hat: "Die beiden Kinder habe ich richtig gern verwöhnt, mit was genau, darf ich aber nicht verraten!" 

In der Geschirrkammer der Botschaft lagert feinstes antikes Tafelsilber, unter anderem aus der Regierungszeit von Queen-Vater Georg VI.

In der Geschirrkammer der Botschaft lagert feinstes antikes Tafelsilber, unter anderem aus der Regierungszeit von Queen-Vater Georg VI.

Auf der Speisekarte stehen diesmal speziell für Camilla, die Herzogin von Cornwall, kornischer Safrankuchen und für den Prinzen von Wales Fleischpasteten aus walisischem Lamm, weiterhin Spargelsalat, Saibling nach Matjesart mit Spreewaldgurken und brandenburger Lavendel-Schafsmilchkäse. Prinz Charles betreibt bekanntermaßen auf seiner eigenen Farm in der Nähe seines Landsitzes Highgrove in der Grafschaft Gloucestershire ebenso konsequent wie  erfolgreich ökologische Landwirtschaft und propagiert seit Jahrzehnten die Vorteile der Ernährung aus lokalen Produkten. Daher kommen auch alle Zutaten für das Fingerfood aus Brandenburg, außer dem Safran für den Kuchen und dem walisischen Lamm. 

Nachhaltigkeit liegt Prinz Charles sehr am Herzen, und das wollten die Gastgeber aufnehmen, wie der Botschafter im Interview betont: "Es wird bei der Party kein Plastikgeschirr geben, es war der Wunsch des Prinzen, hier ein Zeichen für Nachhaltigkeit zu setzen. Allerdings ist das sowieso auch ein wichtiges Anliegen der britischen Regierung." Wie auch der eigentliche Anlass des royalen Besuchs, das britische Außenministerium hat nämlich das Thronfolgerpaar im Rahmen einer Pre-Brexit-Charme Offfensive auf die Reise zum wichtigsten Bündnispartner auf dem Kontinent geschickt.

Prinz Charles wird auf dem Gartenfest reden

Das wird auch in der sehr verbindlich gehaltenen Rede deutlich, die Prinz Charles auf dem Gartenfest halten wird, und die bereits in Auszügen vorab veröffentlicht wurde: "Heute sind wir viel mehr als nur Nachbarn: wir sind Freunde und natürliche Partner, verbunden durch gemeinsame Erfahrungen, gemeinsame Interessen und gemeinsame Werte, und tief in unsere beiderseitige Zukunft eingebunden {... } Unser Verhältnis zueinander ist im Wandel begriffen. Aber wie auch immer es in Zukunft aussehen mag, und was auch immer zwischen den Regierungen und Institutionen ausgehandelt und vereinbart werden mag – für mich ist klarer denn je zuvor, dass die Bande zwischen uns Bestand haben müssen und werden." 

Die klassichen Getränke bei einer Britischen Gartenparty sind Gin Tonic und Pimm’s Likör gemischt mit Ginger Ale, außerdem werden die Gäste mit deutschem Winzersekt und Rheingauer Riesling Marke "Hochheimer Queen Victoria" auf das Wohl der Königin trinken können.

Die klassichen Getränke bei einer Britischen Gartenparty sind Gin Tonic und Pimm’s Likör gemischt mit Ginger Ale, außerdem werden die Gäste mit deutschem Winzersekt und Rheingauer Riesling Marke "Hochheimer Queen Victoria" auf das Wohl der Königin trinken können.

Man kann dem Prinzen von Wales glauben, dass er auch persönlich meint, was er sagt, schließlich sind er und seine Familie Deutschland auch durch enge verwandtschaftliche Beziehungen verbunden. Regelmäßig besuchen Charles und auch sein Vater Prinz Philip die Verwandten im hohenlohischen Langenburg (Philips verstorbene Schwester Margarita war die Großmutter des aktuellen Fürsten) und auch die Familien des Landgrafen von Hessen und des Markgrafen von Baden sind mit den Windsors eng verwandt. Anlässlich des Staatsbesuches der Queen und Prinz Philips in Deutschland 2015 gab es sogar ein Familiendinner in Frankfurt im kleinen Kreis, unter Verwandten.

Auf das Wohl der Queen

Im Foyer der Residenz liegt auf einem Tisch vor dem Portrait von Elisabeth II. das Gästebuch aus, in das Charles und Camilla sich nach ihrer Ankunft eintragen werden.

Im Foyer der Residenz liegt auf einem Tisch vor dem Portrait von Elisabeth II. das Gästebuch aus, in das Charles und Camilla sich nach ihrer Ankunft eintragen werden.

Nach diesem offiziellen Statement werden Charles und Camilla mit dem Botschafter und den Gästen auf das Wohl der Queen anstoßen, schließlich ist der Anlass des Festes deren offizieller Geburtstag (der zuhause in London am 8. Juni mit der traditionellen Parade "Trooping the Colour" gefeiert werden wird). Später mischen der Prinz und die Herzogin sich im Garten der Botschaft unter die Gäste um zu plaudern und von den vielen Köstlichkeiten zu probieren. Auf besonderen Wunsch von “Farmer Charles“ werden auch die Produzenten der brandenburgischen Spezialitäten anwesend sein, um ihm über ihre Produkte Auskunft zu geben. 

Anders als William und Kate vor zwei Jahren wohnen Charles und Camilla allerdings nicht in der Botschaft, sondern werden sich nach dem Fest von Berlin verabschieden, um zu Folgeterminen nach Leipzig und München weiter zu reisen. 

Alles ist also bestens vorbereitet für den hohen Besuch im Grunewald, das einzige Anzeichen für leichte Nervosität findet sich bei Sir Sebastian selbst, als er beim Fototermin mit seiner Frau, Lady Wood, Familienhund Albie zu bändigen versucht und zugibt, dass dieser sicherheitshalber wegen des Festes für einen Tag quasi in Kurzurlaub geschickt wird: "Albie neigt dazu, Gäste sehr laut und aufgeregt zu empfangen, das wollten wir nicht riskieren", so erklärt der Botschafter. Da Charles und Camilla die Gäste sind, sicher eine gute Entscheidung -  würde die Queen erwartet, hätte sie sich wahrscheinlich am liebsten mit dem vierbeinigen Mitglied der Gastgeberfamilie befasst.