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Rudi Assauer: Der gekränkte Macho schlägt zurück

Die Prügelei auf Sylt ist vorläufiger Höhepunkt einer dramatischen Beziehung: Rudi Assauer und Simone Thomalla waren acht Jahre lang ein Paar. Dass sie inzwischen erfolgreicher ist als er und ihn abserviert hat, kann er offensichtlich nicht verkraften.

Von Jens Maier

Er sitzt mit weit gespreizten Beinen und ausgestreckten Armen auf dem Sofa, sie daneben, zusammengekauert wie ein braves Hausmütterchen. Während im Fernsehen ein Western läuft, fordert er sie auf: "Hol mir mal ein Bier!" Sie geht zum Kühlschrank, trinkt die letzte Flasche aus, geht zurück und sagt: "Ist keins mehr da." Das war 2003 der erste Werbespot, den das Paar Rudi Assauer und Simone Thomalla gemeinsam für die Biermarke Veltins gedreht hat.

Damals kannte die brünette Frau an seiner Seite kaum einer. Er, der bekannte Schalke-Manager, war der Star, der mit den Spots sein Macho-Image pflegte, Thomalla, die aus der DDR stammende Theaterschauspielerin, durfte die Pointen liefern. Heute, sechs Jahre später, hat sie Karriere gemacht - von ihm will niemand mehr etwas wissen. Dass sie ihm dann auch noch im Januar dieses Jahres den Laufpass gegeben hat, kann Assauer bis heute nicht verkraften.

14-Stunden-Tage hatte er früher, als er noch der gefragte Fußball-Manager beim Bundesligisten Schalke 04 war. Damit ist seit drei Jahren Schluss. Seit seinem erzwungenen Rücktritt auf Schalke ist es still um Assauer geworden. Nach der "größten Enttäuschung seines Lebens", wie er den Quasi-Rauswurf selbst nennt, berät er jetzt Vereine wie den Wuppertaler SV Borussia. Von der ersten in die dritte Liga - das nagt am Selbstbewusstsein eines Super-Machos. Noch dazu bereitet ihm das Älterwerden große Probleme: Als er Ende April 65 wurde und auf sein Rentenalter angesprochen wurde, reagierte er durchaus gereizt: "Hört bloß auf! Ich komme mit dem Älterwerden überhaupt nicht klar."

Assauer fällt zu Hause die Decke auf den Kopf

In seiner 400-Quadratmeter-Villa in Gelsenkirchen fällt Assauer die Decke auf den Kopf. "Manchmal ist es so, dass ich darüber nachdenke und sage: Jetzt sitzt du hier auf dem Sofa und guckst nur noch Fußball, Fußball, Fußball", sagte er im April im Gespräch mit der Zeitschrift "Das Neue". Assauer stürzte sich zwar wieder in die Arbeit und gründete die Beraterfirma "Assauer Sportmanagement". Nach eigenen Angaben hat er mehr als 20 Profi-Spieler unter Vertrag, doch der große Erfolg, wie er ihn früher hatte, als er einer der wichtigsten Sportmanager Deutschlands war, will sich nicht so recht einstellen. Das liegt offenbar vor allem daran, dass ein wichtiger Erfolgsfaktor in seinem Leben fehlt: Simone Thomalla.

Vorbei sind die Zeiten, als er sie in aller Öffentlichkeit "die Thomallasche", "die Kleene" oder "die alte Nudel" nennen durfte. Zwar standen sie gemeinsam auf dem roten Teppich im Blitzlichtgewitter und haben gemeinsam den Bambi für den besten Werbespot gewonnen, doch Assauer ließ nie einen Zweifel daran, wer - so glaubte er - der eigentliche Star ist. Angesprochen auf Thomallas Rolle beim "Tatort" sagte er abfällig, nun würde sie auch mal ein bisschen Geld in den Haushaltstopf einspielen. Das saß. Thomalla redete sich derartige Kränkungen zwar mit den Worten "Ich brauche einen starken Widerpart" oder "Ich käme mit einem Mann, der mir oft nachgibt, womöglich nicht zurecht" schön, doch im Januar diesen Jahres war das Maß voll.

Thomalla verließ das Heim in Gelsenkirchen, das "ihr Sputzi" extra für sie hatte umbauen lassen. Das Bedürfnis nach Abstand war offenbar so groß, dass sie sogar ins mehr als 600 Kilometer entfernte Berlin zog. Ein eindeutiger Schlussstrich, den sie unter die achtjährige Beziehung zog, die im April 2000 bei einem Klitschko-Boxkampf begonnen hatte. "Es gab einen Alltag voller Spannungen, der keinem gut bekam", beschreibt sie die gegensätzlichen Interessen und Ansprüche, "für mich war es irgendwann nicht mehr der richtige Platz, nicht mehr das richtige Leben."

Thomalla gehört zur ersten Garde deutscher Schauspielerinnen

Kein Wunder, denn ihres hat sich im vergangenen Jahr komplett gewandelt. Seitdem die 44-Jährige im Mai 2008 zur Leipziger "Tatort"-Kommissarin Eva Saalfeld befördert wurde und Quoten von über acht Millionen Zuschauern erreicht, ist sie ein Star. Sie gehört jetzt zur ersten Garde der deutschen Schauspielerinnen. Erst als sie aus dem Schatten ihres Lebenspartners herausgetreten war, haben Regisseure bemerkt, dass die ausgebildete Bühnenschauspielerin mehr kann, als nur das folgsame Hausfrauchen zu spielen. Und sie selbst offenbar auch. Sie spricht von sich selbst als "Spätstarterin" oder "Spätmerkerin" und sagt: "Ich habe das Gefühl, ich werde von Jahr zu Jahr immer besser."

Mit dem Erfolg seiner Lebenspartnerin kam Assauer offenbar nicht klar. Als Thomalla gefragt wurde, ob er sich über ihre "Tatort"-Chance freue, merkte sie kühl an, das geschehe allenfalls "innerlich". Die Trennung hat er noch viel weniger verkraftet. "Ohne meine Alte komme ich schon klar", tönte er anfangs. Doch inzwischen ruft er wieder bei ihr an, macht ihr den Hof und besucht sie sogar öfter in ihrer Wohnung in Berlin. Zwar sagt sie "wir sind immer noch sehr verbunden", doch auf sein Werben, zu ihm zurückzukommen, ist sie bisher nicht eingegangen. Diese Woche ist er ihr sogar nach Sylt nachgereist. Am Mittwochabend kam es dort zum Showdown.

Nach einem heftigen Wortgefecht liefern sich die beiden eine heftige Auseinandersetzung. Pech für Assauer und Thomalla - ein Reporter der "Bild"-Zeitung steht genau daneben und fotografiert die Szene. Die Bilder zeigen sehr deutlich, wie Assauer Thomalla gegen eine Mauer stoßt, ihr ins Gesicht greift, sie wehrt sich und tritt ihm in den Unterleib. Über mehrere Minuten spielt sich das Beziehungsdrama mitten auf der Straße im beschaulichen Promi-Nest Kampen ab. Die Polizei hat inzwischen sogar Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung aufgenommen. "Es hat sich in den letzten Monaten so viel aufgestaut. Ich bin durchgedreht", sagte Assauer nach dem Vorfall der "Bild"-Zeitung. Die Worte eines zutiefst gekränkten Mannes, der offenbar alles versucht, seine ehemalige Lebensgefährtin zurückzubekommen und sich ein Scheitern nicht eingestehen kann.