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Victoria von Schweden: Vicky und der starke Mann

Prinzessin Victoria von Schweden verfiel ihrem Fitnesstrainer Daniel Westling. König Carl Gustaf ist not amused und gnatzt. Kein gutes Vorzeichen für die große Party am 30. April. Da wird sein 60. Geburtstag gefeiert.

Von Dirk van Versendaal

Jetzt mal ehrlich: Wer will einen ollen 60. Geburtstag feiern, wenn gleichzeitig eine Hochzeit fällig ist? Niemand - außer dem König von Schweden. Carl XVI. Gustaf Folke Hubertus, das weiß man, ist auf geradezu kindliche Weise in sein Amt, seine Würden und die eigene Person verliebt. Was soll da also ein anderes Fest, wenn er es am 30. April mit Konzerten, Kutschen, Korteges und jedwedem Pomp quer durch Stockholm krachen lassen wird? Und dass die Mitglieder ausländischer Königshäuser wegen seiner Tochter später im Jahr erneut in den hohen Norden reisen, ist gegen die Spielregeln der Monarchie - Majestät sind ja kein reisendes Partyvolk.

Aber dann, 2007. Dann muss der Weg zur Kirche frei sein für Victoria Ingrid Alice Désirée Bernadotte und Daniel Westling. Und deshalb wurde aus dem einst so garstigen Provinzfrosch in den vergangenen Monaten ein ansehnlicher Prinzgemahl geformt. Der 32-Jährige aus Gästrikland hat Baseballkäppi, Kapuzenjacke und Jeans gegen dunkelblaue Anzüge mit Goldknöpfen getauscht. Er trägt ein seriöses Brillengestell über dem freundlichen Lächeln, nicht mehr nur die genervte Miene, und die lässigen Studentenzotteln wurden zur tadellosen "backslick"-Fasson getunt, eine Kreuzung aus John F. Kennedy und jungem Jack Nicholson. Pimp my prince!

Pimp my prince

Damit nicht nur äußerlich alles glänzt, wird auch inhaltlich poliert. Innerhalb von vier Jahren ist der Azubi-Monarch aufgestiegen vom persönlichen Fitnesstrainer und Teilhaber einer Firma zu deren Vorstandsvorsitzendem, verantwortlich für nunmehr drei Fitnesscenter in Stockholms City. Sein Entree in die Welt der Hautefinance gab er im Herbst mit einem großen Interview in "Dagens Industri". Im Zentralorgan des schwedischen Big Business durfte Westling die Werbetrommel rühren für seine neueste Muckibude, das "Balance", wo betuchte Kunden sich bis zu 62.000 Kronen (etwa 6500 Euro) pro Jahr wegschwitzen können. Für seine Geschäfte stellten sich ihm zwei heimische Industriekapitäne als Berater zur Seite, dann wurde auch das Fitnessunternehmen in eine AG umgewandelt. Aktien nämlich darf der Ehemann einer schwedischen Kronprinzessin besitzen, eine eigene Firma nicht.

Alle und alles sind also bereit für eine Hochzeit, nur Carl Gustaf nicht. Dem sei von Anfang an übel aufgestoßen, so wurde kolportiert, dass der Liebhaber seiner ältesten Tochter weder den höfischen Small Talk beherrscht noch die englische Sprache, ganz zu schweigen vom gewandten Auftreten auf gewienertem Parkett. Noch im Herbst ätzte der König vor Fernsehkameras auf die Frage, ob das Königspaar sich denn Enkel wünsche, mit einem schroffen "Nein. Das tun wir nicht".

Ein Dorn im Auge des Königs

Sich den Teufel um den eigenen Vater scheren, das dürfen Kronprinzessinnen leider nicht. Ansonsten macht die 28-jährige Victoria schon lange, was sie will. Während ihre Eltern und Geschwister sich kurz nach Weihnachten in der Sonne Kenias und an exklusiven Stränden südlich Mombasas aalten, stieß "Viggan" mit ihrem Lover in Schneestürmen in einer jämtländischen Fjäll-Hütte aufs Neujahr an. Schon das Mittsommerfest im Familienkreis hatten Victoria und Daniel geschwänzt und wie Krethi und Plethi Svensson begangen: Die Bernadottes verlustierten sich in Saint Tropez, schubsten sich gegenseitig von ihren Yachten in die Riviera - und daheim sammelte das verliebte Paar Walderdbeeren rund um Ockelbo und wohnte bei Mama Eva und Papa Olle Westling.

Seither wissen die Schweden, wie ernst es den beiden Turteltauben ist. Und dass Ockelbo (sprich: Uckelbu), 6000 Einwohner, drei Autostunden nördlich der Hauptstadt liegt und im Wesentlichen aus der Åsgatan besteht. Die führt durch den Ort in ihrer vollen Länge und an ihr reihen sich der "Kuxa"-Grill, "Lennys Farbladen", die Parfümerie "Chic" sowie "Marianns Kräuterschuppen", Kirche und Friedhof, schließlich auch jener kinderreiche Ortsteil, in dem Daniel einst aufwuchs. Seit Europas einzige Thronfolgerin ein paar Nächte im Westlingschen Reihenhaus verbrachte, gilt der Schmelzweg bei Einheimischen als Königinstraße, nach einer Paddeltour machte der Volksmund den Dorfteich zum Victoria-See.

"Schlag bei Mädchen"

Bevor er seine Klassenreise in Adel und Oberschicht Stockholms begann, drehte das Leben Daniel Westlings sich um drei Dinge: um Sport, Sport, Sport. Er spielte Fußball und Eishockey, fuhr Motocross, glänzte als Kufen-Crack bei Hofors HC und lernte an Lillsveds Gymnastikhochschule. In Ockelbo wissen sie, was sie an ihm hatten. "Der Hof hat ein verdammtes Glück, dass er so einen Prachtburschen erwischt hat", meint Rolf Larsson, langjähriger Mannschaftskapitän des Hofors HC. "Ein durchtrainierter Junge bar jeder Bosheit", schwärmt Staffan Nordqvist, sozialdemokratischer Kommunalrat in Ockelbo. Daniel Westling ist höflich, bescheiden, naturverbunden, er meidet laute Partys, raucht und trinkt nicht und verschmäht fette Kost. Wen immer man unter Nachbarn, alten Lehrern und ehemaligen Klassenkameraden nach ihm befragt - es kommt der Traumschwede dabei heraus. Und der hatte dann auch noch "einen Schlag bei Mädchen", wie die Religionslehrerin Gunilla Persson sich erinnert. "Er war entzückend."

Leider entfloh Daniel der Provinz und wurde 1999 Teilhaber eines Fitnesscenters in der noblen Stockholmer Regeringsgatan. Dort machte er Bekanntschaft mit Prinzessin Madeleine Thérèse Amelie Josephine, einem ziemlich verzogenen, sehr verwöhnten, hübschen, jungen Ding. Aber die wissen ja immer, wo es die besten Männer gibt. Also schleppte sie ihre große Schwester mit zum Training, und von jenem Tag an zeigte Daniel der Victoria von Schweden, wo man überall Muskeln haben kann.

Retter des Königshaus

Während der König alles tat, um die Sportskanone an der Seite seiner Tochter zu ignorieren, schloss Silvia Renate, die geborene Sommerlath, den Jungen früh in ihr Herz. Warum auch nicht? Hatte er doch ihre einst magersüchtige Tochter in frischer Schönheit erblühen lassen. Außerdem war auch sie nicht recht willkommen gewesen, damals, als die Schweden sich mit einer Liaison Carl Gustafs und seiner Christina "Titti" Wachtmeister bereits abgefunden hatten. Dann plötzlich verlor der König sein Herz an eine Heidelbergerin, die zu lange Haare trug, die nicht blaublütig war (schlimm), sondern deutsch (schlimmer). Doch schon nach wenigen Monaten trat Silvia in Traditionskleidern auf, und wenn der rhetorisch nicht eben gewandte König Reden hielt, stand sie fürsorglich hinter ihm, um zu soufflieren. Schwedisch erlernte sie schnell, und es rührte ein ganzes Volk, wenn sie mal wieder sagte: "Es ist so mausig (musit) in Schweden", wo sie doch eigentlich hatte sagen wollen: "Es ist so gemütlich (mysigt) in Schweden." Kurz: Das angeschlagene Königshaus wurde durch die Sympathiewelle für die bürgerliche Olympiahostess Sommerlath gerettet.

Jetzt muss wohl ein Westling diese Aufgabe übernehmen. Mit Ausnahme der sogar von Republikanern geachteten Victoria gehen der königlichen Familie nämlich die Sympathieträger für potenzielle Anhänger aus. Besonders die Kids nerven durch schnöseliges Benehmen. Das shoppingfreudige Nesthäkchen Madeleine war es leid, als Partyprinzessin verspottet zu werden, ging im Januar für ein Unicef-Praktikum nach New York - und ist dort doch wieder vor allem auf Fashionpartys und bei anderen Frivolitäten zu sehen. "Maddes" Brüderchen Carl Philip Edmund Bertil, der thronenterbte Prinz, dreht in seinem neuen Porsche 911 Carrera auch keine Sympathierunden durch Stockholms Straßen. Immerhin zahlt er, im Gegensatz zu seinen beiden Schwestern, noch Einkommensteuern: 2004 waren es 25 800 Kronen. Der für seine schnelle Fahrweise berüchtigte "Machokönig" ("Aftonbladet") Carl Gustaf fuhr mit seinem nagelneuen BMW M3 CSL (360 PS) in einem Kreisverkehr vor dem Hamburger-Imbiss Max in Norrköping auf einen Volvo auf; die Unglücksstelle heißt seither "Königskarussell".

Carl Gustaf muss die Kröte schlucken

Der Reichstag überlässt dem rasenden König eine jährliche Apanage von beinah 100 Millionen Kronen. Nach Abzug aller Repräsentationskosten bleibt da immer noch genug für flotte Kleider, schicke Autos, schöne Reisen, sollte man meinen, aber dem siebten Bernadotte auf dem schwedischen Thron reicht das schon lange nicht mehr. So viel Begehrlichkeit brachte den Satiriker Olle Palmlöf zu der bissigen Bemerkung, dass "Königin Silvia sich nun wirklich kein Extrageld damit verdienen muss, Elchkacke an deutsche Touristen zu verkaufen, um sich auf ein MichaelJackson-Format liften lassen zu können." Die sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Hillevi Larsson schlug unlängst vor, die Königsfamilie solle sich in Zukunft durch Reklame und Tourismus ernähren, und in der Tageszeitung "Dagens Nyheter" forderten 24 prominente Schriftsteller, Politiker und Wissenschaftler: "Wenn König Carl Gustaf stirbt, soll Schluss sein mit dem Königreich!"

Da hilft nur eines: Carl Gustaf muss die Kröte aus Ockelbo schlucken. Gegen die Liebe ist eh kein Kraut gewachsen, und wenn einer die Monarchie in Schweden noch ein paar Jahrzehnte am Leben halten kann, dann ist das womöglich Daniel Westling. Mal abgesehen davon, dass auch der Druck von außen zunimmt: Nie wurden an Europas Königshäusern so viele Prinzen und Prinzessinnen geboren und getauft wie 2005, im Hochadel wird geheiratet, dass demnächst der Reis ausgeht. Nur auf Schloss Drottningholm tollen keine kleinen Bernadotte-Westlings.

"Ein wohl ausgestatteter Mann"

Als reiche all das noch nicht aus, den König von seinen Zweifeln am künftigen Schwiegersohn zu befreien, legte die in Adelsdingen maßgebliche "Svensk Damtidning" nun nach. Das Blatt, das im Untertitel immerhin ein "Königliche Wochenzeitschrift" trägt und sich enger Kontakte zum Hofe rühmt, zitiert einen bekannten Finanzmann und Mitglied in Westlings Fitnesscenter: "Ich verstehe, warum die Kronprinzessin sich gerade Daniel ausgesucht hat. Ich habe mit ihm geduscht, und ich muss sagen: Er ist ein wohl ausgestatteter Mann."

Jetzt noch mal ehrlich: Bei Argumenten von dieser Größe muss doch wenigstens eine Verlobung drin sein in diesem Jahr.

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