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Wahlkampf: Die nächste Clinton

Sie war zwölf Jahre alt, als ihr Vater ins Weiße Haus einzog. Mit 28 ist sie nun die wichtigste Wahlhelferin ihrer Mutter. Mit Geschichten von Hillarys Apfelkompott und ihren kleinen Geheimnissen.

Von Giuseppe di Grazia und Jan Christoph Wiechmann

Es ist ein kühler Mittwoch in Philadelphia, ein eiskalter Wind fegt über die Universität von Pennsylvania. Universitäten sind Obamaland, und es kommt einem so vor, als hätte man Chelsea Clinton mit dem Fallschirm im Feindesgebiet abgeworfen. In den großen Hörsaal drängen sich mehrere Hundert Leute, einige mit Obama-Sticker an der Jacke, sie sind neugierig auf Chelsea. Sie war zwölf Jahre alt, als sie ins Weiße Haus einzog. Die Menschen im Saal sind mit ihr groß geworden, jeder erinnert sich an sie. Aber nichts an Chelsea Clinton erinnert noch an dieses linkisch wirkende, pummelige Zahnspangen-Mädchen mit den krausen rötlichen Haaren. Sie ist schlank, ihre Haare sind gebändigt durch eine teure japanische Frisurtechnik. Sie trägt eine Designerjeans, einen Designerpulli, und um den Hals hat sie einen Cashmereschal geschlungen. Sie hat Geschichte studiert, in Stanford, in Oxford, sie hat ihre Abschlussarbeit über die Rolle der USA im Friedensprozess um den Nordirlandkonflikt geschrieben.

Sie hat mit Nelson Mandela über die Apartheid diskutiert. Sie arbeitete für die Unternehmensberatung McKinsey, Spezialfach Gesundheitswesen. Chelsea sagt: "Ich bin hier, um alle eure Fragen zu beantworten, die ihr zu meiner Mom und ihrer Politik habt. Und ich möchte euch erzählen, warum ich so fest an sie glaube, als eine junge Amerikanerin, als eine junge Frau." Im Publikum sitzen viele junge Amerikanerinnen, junge Frauen. Fast eine Stunde spricht sie. Sie spricht ausführlich über die Gesundheitsreform, das Lieblingsthema ihrer Mutter. Sie spricht über Steuerpolitik, die Krise in Darfur, die wirtschaftlichen Beziehungen zu China und natürlich über den Krieg im Irak. Für manche der jungen Leute ist das zu viel. Zu viele Details, zu viel Wissen. Zu wenig Obama, zu wenig Bill, zu viel Hillary.

Einige der Besucher sagen später, sie hätten am Anfang gar nicht auf das geachtet, was Chelsea erzählte, sondern auf die Stimme. Sie hatten so viele Bilder von ihr im Kopf, hatten sie aber noch nie gehört. Früher war sie die lächelnde, stumme Begleiterin ihrer Eltern. Man hatte nie daran gedacht, dass sie auch etwas zu sagen haben könnte. Ihre Stimme ist nicht so schneidig wie die ihrer Mutter. Und nicht so warm wie die ihres Vaters. Sie spricht im Plauderton, gegen Ende eines Satzes wird sie fast immer leiser, man kann sie dann kaum mehr verstehen. Und sie hat die gleiche Angewohnheit wie ihre Mutter: Wenn sie einen Satz besonders betonen möchte, reißt sie die Augen ganz weit auf.

Chelseas Geschichten

Privates erzählt sie nur, wenn das Publikum sie dazu drängt. Sie erzählt dann von ihrer Mutter, die das beste Apfelkompott macht, und dass Hillary ihr immer noch vorliest, wenn sie krank im Bett liegt. Sie erzählt, dass ihre Mutter alle ihre privaten Verabredungen nach den Sendeterminen der Fernsehserie "Grey’s Anatomy" ausrichtet, selbst das Dinner an ihrem Hochzeitstag. Chelsea erzählt von einer Hillary, die die Menschen nicht kennen. Und am Ende kann man sich wieder vorstellen, dass das Familienleben der Clintons vielleicht doch intakt ist, trotz der Gerüchte über Bills angebliche Seitensprünge, die seit seiner Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky nicht enden wollen. Es sind Chelseas Geschichten, die das Bild ihrer Mutter weicher, herzlicher, mütterlicher erscheinen lassen. Es mag, wie so vieles in diesem Wahlkampf, Berechnung sein. Aber Chelsea überzeugt. Das "New York Magazine" schreibt: "Sie ist die geborene Politikerin."

Schon gibt es Spekulationen, ob nicht sie "die nächste Clinton" sei, sollte ihre Mutter scheitern. Den Charme hat sie - von ihrem Vater. Und die Disziplin hat sie auch - von ihrer Mutter. Nur ihre Karriere entspricht nicht ganz der Parteilinie. Ihre Mutter erinnert im Wahlkampf ständig daran, wenn sie erzählt, dass sie selbst nach ihrem Jurastudium einen dieser Big-Money- Jobs an der Wall Street hätte annehmen können, stattdessen habe sie sich für den "Children’s Defense Fund" entschieden, eine Kinderschutzorganisation. Bei Chelsea war es genau andersherum: Sie hätte einen dieser wohltätigen Jobs annehmen können, entschied sich aber für die geldhungrige Wall Street. Bei der "Avenue Capital Group" verdient sie 200 000 Dollar im Jahr, plus Bonus.

Ende Januar hat sie sich beurlauben lassen, seither ist sie für ihre Mutter unterwegs. Eigentlich sollte ja ihr Vater die stärkste Waffe in Hillarys Wahlkampf sein. Bill Clinton erinnert die Menschen an die goldenen 90er Jahre, aber er erinnert sie auch an die Skandale. Chelsea dagegen ist das unschuldige Dauerlachen. Anfangs wirkten ihre Kurzauftritte noch etwas unbeholfen: hölzern vorgetragene Worte des Dankes einer schüchternen jungen Frau. Doch irgendwann fing sie an, selbst Reden zu halten, Fragen zu beantworten, Wahlprogramme zu erklären. Für die entscheidende Schlacht in Pennsylvania Ende April überlegen sich Chelsea und ihre Freundin Mary, ein Wohnmobil zu mieten. Sie steht um fünf Uhr in der Frühe auf, vor Mitternacht kommt sie nie ins Bett. Zwischen den Veranstaltungen telefoniert sie mit ihrer Mom oder schickt ihr E-Mails. Während sie von einem Termin zum anderen gefahren wird, erledigt sie auf dem Rücksitz des Vans bis zu 60 Anrufe am Tag. Sie bittet Geschäftsleute, Geld für die Kampagne ihrer Mutter zu spenden. Sie becirct die "Superdelegierten", jene Amtsträger der Partei, die nicht ans Votum der Vorwahlen gebunden sind, im knappen Rennen zwischen Obama und Clinton am Ende aber den Ausschlag geben könnten.

Schon provoziert der Einsatz der Tochter ätzende Kommentare: "Sieht es nicht so aus, als wäre Chelsea auf den Strich geschickt worden?", fragte TV-Moderator David Shuster. Prompt wurde er suspendiert - auf Druck von Hillary. In kaum etwas sind die Clintons so groß wie im Zurückschlagen.

Hillary

Chelseas Mutter ist eine Frau, die sich selbst immer unter Kontrolle hat und auch alles andere kontrollieren möchte. Auch die Gefühle ihrer Tochter. Als die Nachtklubsängerin Gennifer Flowers ihre Affäre mit Bill an die Klatschpresse verkaufte, schleppte Hillary die damals elf Jahre alte Chelsea in den nächsten Supermarkt, dahin, wo all die Blätter aufgereiht sind, und erklärte Chelsea, was da demnächst geschrieben werde über ihren Vater. Um sie zu schützen. Vielleicht aber auch, um sie so hart zu machen wie sich selbst. Es war eine von vielen Lehrstunden, eine, bei der Chelsea in Tränen ausgebrochen sein soll.

Der Autor Doug Wead hat ein Buch über die Präsidentenkinder der vergangenen Jahrzehnte im Weißen Haus geschrieben. Er sagt: "Was Chelsea durchmachen musste, musste keine andere durchmachen. Sie hätte allen Grund gehabt auszuflippen. Aber das Erstaunlichste an ihr ist, dass sie nicht verbittert ist, nicht desillusioniert."

Töchter mit solchen Eltern haben eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie rebellieren, machen Rock’n’Roll, oder sie bleiben immer die braven, unscheinbaren Töchter. Chelsea hat ihren eigenen Weg gefunden.

Sie arbeitete hart

Als sie zum ersten Mal von zu Hause fortging, zum Studieren, ging sie gleich auf Distanz. Erst nach Stanford, später nach London. Sie war berühmt, ohne einen Film gedreht oder ein Buch geschrieben zu haben. Promis wie Madonna, Elton John oder Gwyneth Paltrow suchten ihre Nähe, besuchten mit ihr Modenschauen und Partys. Chelsea wurde fraulicher. Sie arbeitete hart wie Hillary und flirtete wild wie Bill. Vor fünf Jahren zog sie nach New York. Sie baute sich allmählich ihr eigenes Leben auf. Auch deshalb wählte sie einen Job, der sie von ihren Eltern unabhängig machte. Sie fing bei McKinsey an. Ein Kollege von damals erzählt: "Sie war immer nett, immer gut gelaunt. Sie hatte keine Sonderwünsche. Wenn wir noch etwas trinken waren, ist sie manchmal aufgestanden und hat gesagt: Ich muss noch mal ins Büro, etwas erledigen."

Ihr neuer Freund ist auch aus dieser Welt. Marc Mezvinsky arbeitet für die Investmentfirma Goldman Sachs. Sie kennen sich schon seit Kindertagen aus Washington. Auch seine Eltern sind beide Politiker. Er war mit ihr in Stanford. Marc kaufte vor Kurzem ein knapp vier Millionen Dollar teures Appartement am Gramercy Park in New York. Chelsea, eine Methodistin, besucht mit jüdischen Bekannten öfter die Synagoge, Marc ist Jude. Die "New York Times" will erfahren haben, dass sie heiraten wollen im November, nach Hillarys Wahlsieg. Und wenn Marcs Vater aus dem Gefängnis kommt. Er sitzt wegen Anlagebetrugs. Mit Freunden kann Chelsea über die Geschichte des Iran diskutieren, über alte Teppiche oder russische Literatur. Sie weiß alles. Die meisten kennt sie schon von der Highschool. Ein sorgfältig gewählter Kreis. Keiner plaudert über sie. Nicht aus Angst, sondern aus Respekt vor Chelsea und Sorge um sie.

Eine der wenigen, die überhaupt etwas über sie erzählt, ist Jill Kargman, eine Künstlerin aus New York: "Chelseas Leben ähnelte lange Jahre einer Realityshow. Alle konnten zuschauen, wie sie groß wurde. Deshalb hat sie sich später so zurückgezogen", ihr Privatleben abgeschottet. Diesen mühsam aufgebauten Schutzwall hat sie nun aufgegeben. Der Mutter zuliebe.

Mutter und Tochter

Eine verregnete Nacht in Columbus, Ohio. Eine Nacht der Entscheidung. Hillary muss die Abstimmung in Texas und Ohio gewinnen, um nicht hoffnungslos hinter Barack Obama zurückzufallen. Hillary und Chelsea verfolgen die Auszählung gemeinsam in einer Hotelsuite. Doch Hillarys großes Comeback gelingt. Als die beiden gegen 23 Uhr zur Wahlparty gehen, umarmt Chelsea die Helfer, als hätten sie ihre Mutter aus einem Autowrack gerettet. Das Ende wäre ihr nähergegangen als ihrer Mutter.

Gegen Mitternacht steigen Mutter und Tochter in den gepanzerten Wagen des Secret Service und fahren zum Flughafen. Durch Arbeiterviertel, in denen die Menschen wohnen, die Hillarys Kandidatur gerade am Leben erhalten haben. Barack Obama ruft an und gratuliert zum Sieg in Ohio. Sie besteigen die Chartermaschine, die Plätze 1c und 1d, und gönnen sich ein Glas Rotwein. Erfolgsmeldungen aus Texas treffen ein, und sie gönnen sich ein zweites Glas. Man hört Mutter und Tochter lachen und scherzen, und es ist klar, dass die beiden Frauen noch viel Spaß haben werden in dieser Nacht. Und überhaupt in diesem irren Wahlkampf der Demokraten, der einfach nicht enden will.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(