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Was macht eigentlich ...: ... Heribert Faßbender?

Bis zu seinem Dienstende 2006 war der Sportjournalist bei neun Fußballweltmeister- und acht Fußballeuropameisterschaften im Einsatz. Und natürlich bei den Olympischen Spielen.

Herr Faßbender, vor vier Jahren hatten Sie Ihren letzten Einsatz als dienstältester Sportreporter der Republik.

Nach über 40 Jahren. Bei der Schlussfeier der Olympischen Sommerspiele von Athen. Auch wenn die meisten Leute mich hauptsächlich mit Fußball verbinden - ich war immer ein großer Freund Olympias. Ich habe von neun Olympischen Spielen berichtet, zum ersten Mal 1972 fürs Radio aus München.

Beinahe wären Sie auch diesmal aktiv geworden.

Im Hintergrund. Als ARD-Teamchef hatte ich während der Fußball-WM 2006 Besuch von einer Delegation aus China. Auf Einladung des chinesischen Olympischen Komitees war ich anschließend in Peking und Hongkong, um zu referieren, wie die Spiele optimal präsentiert werden könnten. Mein wichtigster Rat: Interpretiert und praktiziert die Menschenrechte und die Pressefreiheit so, wie wir das in Europa tun.

Na, da hatten Sie ja durchschlagenden Erfolg!

Die Sache ist im Sande verlaufen. Nachdem die Bundeskanzlerin den Dalai Lama empfangen hatte, nahm das Interesse der Chinesen an deutschen Ratschlägen zunächst spürbar ab. Für mich war der Fall mit den brutalen Übergriffen auf die Tibeter erledigt.

Das IOC war da weniger zimperlich.

Zumindest blauäugig. Das muss man übrigens auch sein, um spektakuläre Spitzenleistungen vorbehaltlos zu bejubeln. Zu den Superlativen dieser Spiele gehörte neben dem Olympia-Park wohl auch der Dopingeinsatz.

Aber Sie waren am Fernseher mit dabei?

Selbstverständlich. Ich habe geguckt, so viel ich konnte.

Um sich über die Kommentatoren zu ärgern?

Ach was. Jede Reportergeneration hat ihre Sprache und darf auch Fehler machen. Manchmal wünschte ich mir allerdings kritischere Interviewfragen als "wie zufrieden waren Sie mit sich?"

Super. Kennen Sie folgendes Zitat: "Onkel Heribert, die prähistorische Plaudertüte mit der Heißluft-Hoheit über das öffentlich-rechtliche Schnarchsacksportfernsehen"?

Schnee von vorgestern. Das gehört zum Geschäft, da muss man mit leben. Heißt nicht unser Thema: Was macht eigentlich Heribert Faßbender?

Herr Faßbender, was machen Sie eigentlich?

Ihre Frage überrascht mich! Ich war kürzlich in Südafrika zu Consulting-Gesprächen in Sachen WM, bin in der Sportstiftung Nordrhein-Westfalen aktiv, Präsident des Verbandes Westdeutscher Sportjournalisten, halte ab und an einen Vortrag, moderiere gelegentlich. Außerdem bin ich Mitglied im Gesellschafterausschuss von Bayer Leverkusen.

Sie sind Bayer-Fan?

Seit 25 Jahren wohne ich in der Nähe und habe eine kritische Sympathie. Ich finde es spannend, Fußball jetzt mal von der anderen Seite zu erleben - man zittert plötzlich mit. Echter Fan war ich das letzte Mal vor über 50 Jahren. Damals wurde mein Heimatverein Ratingen 04 von Toni Turek trainiert, dem legendären 54er Torwart.

Privat haben Sie es ohnehin nicht so mit dem Sport, oder?

Nicht genug! Ich habe mit Golf angefangen, spiele Tennis und jogge. Das muss ich auch, weil der Änderungsschneider nix mehr rauslassen kann.

Was ist eigentlich aus Ihrer Erkennungsmelodie geworden?

Die höre ich in der Kneipe zur Begrüßung: Nabendallerseits.

Interview: Christoph Wirtz / print