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Was macht eigentlich...: Macaulay Culkin

Vor 14 Jahren wurde der Amerikaner mit "Kevin - allein zu Haus" zum erfolgreichsten Kinderstar aller Zeiten. Als Jugendlicher aber litt er unter den Folgen des frühen Ruhms

Zur Person:

Macaulay Culkin wurde am 26. August 1980 in New York als drittes von sieben Kindern geboren. Macaulays ehrgeiziger Vater Christopher zerrte den Jungen im Alter von vier Jahren auf kleine Bühnen. Der Welterfolg "Kevin - allein zu Haus" machte Macaulay 1990 dann über Nacht zum Hollywoodstar; der Film spielte in den USA 285 Millionen Dollar ein. Nachdem sich seine Eltern 1995 getrennt hatten und eine erbitterte Schlacht um das Sorgerecht ausfochten, ließ er beiden Elternteilen gerichtlich das Zugriffsrecht auf sein Vermögen entziehen. Es wird auf rund 20 Millionen Dollar geschätzt. Im vergangenen Jahr drehte Culkin nach neun Jahren Pause mit "Party Monster" seinen ersten Film als erwachsener Schauspieler.

Das Interview mit Macaulay Culkin führte Andreas Renner

Vor zehn Jahren haben Sie verkündet, nie mehr Filme drehen zu wollen. Da waren Sie 14.

Ich war Sklave meines geldgeilen Vaters und der Filmindustrie, die mich ausgequetscht haben wie eine Orange. Als ich dann in die Pubertät kam, bin ich aufgewacht. Sehen Sie, ich hatte ja nie den Wunsch, als Schauspieler zu arbeiten.

Dafür ging es aber früh los mit dem Geschäft.

Als ich acht war, hat man mich neben Burt Lancaster vor eine Kamera gestellt und gesagt, was ich tun sollte. Sicher, es war eine aufregende und spannende Zeit, aber der Rummel hat nicht nur mich als Kind beeinflusst, sondern auch mein gesamtes Umfeld.

Dann sind Sie ausgebrochen.

Ich wollte das Leben eines normalen Teenagers leben, die High School besuchen und Dinge tun, die andere Jungs auch tun. Jetzt genieße ich es, eigene Entscheidungen treffen zu können.

Es war zu lesen, Sie hätten sich dem Drogenrausch hingegeben, waren seelisch ein Wrack?

Ich war an der Schwelle zum emotionalen Wrack. Wenn man mit 14 realisiert, dass man jahrelang nur als Marionette gedient hat, damit andere sich die Taschen füllen können, hinterlässt das Spuren. Und wenn man dann noch erkennt, dass der eigene Vater einen regelmäßig misshandelt hat, macht das die Situation nicht eben leichter für einen Halbwüchsigen. Dazu kam, dass ich keinen Schritt aus dem Haus machen konnte, ohne dass mich jemand erkannte. Das alles war mir so zuwider, dass ich mich komplett abkapselte. Manchmal verließ ich das Haus zwei Wochen lang nicht. Aber: Ich war nie drogenabhängig, ich war nie im Knast, habe mein Geld nicht versoffen und bin auch nicht schwul. Ich wollte einfach nur meine Ruhe.

Sie haben 1995 eine Klage gegen Ihre Eltern eingeleitet, um ihnen das Sorgerecht zu entziehen. Warum?

Nachdem sich meine Eltern getrennt hatten, begann ein erbitterter Kampf um das Sorgerecht für die Kinder. Dabei haben die beiden ein Vermögen für Anwaltskosten ausgegeben. Ich wollte verhindern, dass sie in ihrem Wahn auch das Geld, das ich mit meinen Filmen verdient hatte, den Anwälten in den Rachen schieben.

Als Teenager haben Sie viel Zeit auf Michael Jacksons "Neverland Ranch" verbracht. Ist Ihnen da jemals etwas merkwürdig vorgekommen?

Nichts, ganz ehrlich. Neverland war für mich einer der wenigen Plätze auf dieser Welt, an dem ich mich wirklich rundherum sicher gefühlt habe. Da ist nie etwas Unsittliches passiert. Uns verband immer die Tatsache, dass wir beide als Kinder von unseren Vätern misshandelt worden waren.

Sie haben in jungen Jahren viel Geld verdient, müssen Sie noch arbeiten?

Nein, ich habe ausgesorgt, Geld ist absolut kein Antrieb mehr für mich. Im Gegenteil, ich bin sogar bereit, Geld zu investieren, wenn ich nur wirklich gute Rollen spielen kann. So wie bei meinem ersten Filmprojekt als Erwachsener in "Party Monster", in dem ich den Partyorganisator Michael Alig darstelle, eine Gesellschaftsgröße im New York der 80er Jahre, der einen Freund zerstückelt hat.

Und nun?

Im August kommt mein neuer Film "Saved!" in die Kinos. Und ich habe einen Pilotfilm für eine Fernsehserie abgedreht, aber ob etwas daraus wird, muss man abwarten. Ansonsten genieße ich mit meiner Freundin Mila Kunis das Leben. Ich lasse mich nicht mehr hetzen, ich kann auch ganz gut ohne das Showbusiness bestehen. Ich habe meine Lektion gelernt, glauben Sie mir.

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