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Zum Tod von Regisseur Tony Scott Warum "Top Gun" ein Geniestreich ist


Regisseur Tony Scott ist tot. Seine Arbeit wurde von vielen Kritikern belächelt, doch von den Zuschauern geliebt. Warum sein erfolgreichster Film "Top Gun" auf seine Art ein Meisterwerk ist.
Von Jens Maier

Der Film war die Erlösung für alle von Liebesschmonzetten geplagten jungen Männer. Während die Freundin "Dirty Dancing" und "Pretty Woman" gucken wollte, gab es für ihn nur eins: "Top Gun - Sie fürchten weder Tod noch Teufel". Allein der Name war wie Donnerhall. Die Geschichte um Kampfjetpilot "Maverick", seinen Widersacher "Iceman" und Ausbilderin "Charlie" bot einen entscheidenden Vorteil: Die Romanze war in ein Actionspektakel verpackt. Kampfjetszenen gucken und gleichzeitig mit der Freundin Händchen halten - das hatte es bislang noch nicht gegeben. Neben der guten Besetzung ist es bis heute das Erfolgsgeheimnis von "Top Gun".

Dabei wurde der Film des verstorbenen Regisseurs Tony Scott von den Kritikern verrissen. Als "hirnloses Technikspektakel" bezeichnete die "Los Angeles Times" das Actiondrama, als es 1986 in die amerikanischen Kinos kam. "Seine guten Szenen sind sehr gut und seine schlechten Szenen unbarmherzig schlecht", urteilte US-Filmkritiker Robert Ebert, der von den Qualitäten des Films hin- und hergerissen war. Doch das Urteil der Kinogänger war eindeutig. Bei Produktionskosten von nur 15 Millionen Dollar spielte "Top Gun" über 350 Millionen Dollar ein. Und machte seine Hauptdarsteller zu Stars.

"Top Gun" war der Durchbruch für Tom Cruise

Für Val Kilmer ("Iceman"), Meg Ryan ("Carol Bradshaw") und Tim Robbins ("Cougar") war es der Beginn ihrer Hollywoodkarriere, für Tom Cruise ("Maverick") der Durchbruch. Es gab kaum ein Jugendzimmer, in dem kein Poster von ihm hing. Bei den Jungs, weil sie in ihm einen Helden sahen, den Guten, der zwar ungestüm war, aber seine Freunde niemals im Stich ließ. Bei den Mädchen, weil Cruise in seiner feschen Kampfpilotenuniform zum Dahinschmelzen aussah. Ein Held zum Verlieben. Den Erfolg hat Cruise vor allem Regisseur Tony Scott zu verdanken. Er war es, der sich damals in den Castings für den jungen, noch unscheinbaren, aber talentierten Schauspieler entschieden hatte.

Für Scott war "Top Gun" ein ebenso großer Glückstreffer wie für Cruise. Als Macher von Werbefilmen war er zwar wirtschaftlich erfolgreich, sein erster Kinofilm "The Hunger" mit David Bowie und Catherine Deneuve war jedoch ein Flop. "Ich habe schon nach meinem ersten Film aufgehört, Kritiken zu lesen, weil ich so fertig gemacht wurde", sagte Tony Scott einst in einem Interview mit dem Sender BBC. "Sie können so brutal sein." Dass er trotzdem von den Produzenten Don Simpson und Jerry Bruckheimer für "Top Gun" engagiert wurde, war eine glückliche Fügung. Zunächst sei ein anderer Regisseur im Gespräch gewesen, gab Scott in einem Interview mit der "Times" zu. Erst als die Verhandlungen scheiterten, hätten sie ihm das Angebot gemacht. "Und ich habe zugeschlagen."

Scott lieferte die perfekte Kinomischung

Dass Scott finanzielle Unterstützung vom US-Verteidigungsministerium für die Herstellung des Films bekam, brachte ihm den Vorwurf ein, einen Werbefilm für die US-Armee gedreht zu haben. Auch Bryan Adams, der eigentlich den Song "Only The Strong Survive" beisteuern sollte, war der Meinung, dass Scott mit "Top Gun" den Krieg glorifiziere und verweigerte deshalb die Freigabe. Dem Erfolg der Filmmusik tat das keinen Abbruch. Der von Giorgio Moroder komponierte Titelsong "Take My Breath Away" gewann 1987 sogar den Oscar und kletterte in den US-Charts auf Platz eins. Heute ist er neben "I Will Alwalys Love You" ("Bodyguard") und "The Time Of My Life" ("Dirty Dancing") ein Klassiker unter den Filmhits.

Der Erfolg von "Top Gun" ist Tony Scott zu verdanken. Er machte aus dem trivialen Drehbuch um den Kampfjetpiloten "Maverick" einen Geniestreich. Die atemberaubenden Flug-Actionszenen, das trendige Aussehen der Filmhelden und die perfekten Bildkompositionen der Liebesszenen waren die ideale Mischung für einen Kinoerfolg der späten 80er-Jahre. Selbst heute wirkt der Film keinesfalls altbacken oder übertrieben schnulzig. Es ist leichte Kost, keine Frage. Aber spätestens wenn "Maverick" mit "Charlie" auf seinem Motorrad in der Abendsonne zu den Klängen von "Take My Breath Away" davonbraust, ist es auch ganz großes Gefühlskino. Und auf seine Art ein Meisterwerk.


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