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New York Fashion Week: Michelle trägt wieder Amerikanisch

Die Stilikone war in Ungnade gefallen, aber pünktlich zum Start der Fashion Week in New York huldigt die Szene wieder Michelle Obama, dem Lieblingsmodel der US-Designer. Doch auch die Tochter einer Legende durfte glänzen.

Von Ulrike von Bülow, New York

Kürzlich hatte die amerikanische Modeindustrie ein kleines Problem mit Michelle Obama. Das Weiße Haus gab ein Staatsdinner, das zu Ehren des chinesischen Präsidenten stattfand, und die First Lady erschien in einem Abendkleid, das rot war wie die chinesische Flagge. Es stammte aus London, von Alexander McQueen, und das machte die Designer ganz fuchsig. Oscar de la Renta, Diane von Furstenberg, das "Council of Fashion Designers of Amerika" - alle monierten sie, Mrs. Obama müsse sich bei einem solchen Anlass in einem Dress präsentieren, der "Made in USA" sei. "Alles andere blamiert eine große US-Industrie", schrieb "Women's Wear Daily", "die jede Hilfe braucht, die sie bekommen kann."

Nun spricht das nicht unbedingt für Amerikas Modemacher, aber Michelle Obama schien ein Einsehen mit ihnen zu haben: Zur State of the Union, Präsident Obamas Ansprache zur Lage der Nation, trug sie wenig später ein dezentes, silberweiß schimmerndes Kleid von Rachel Roy, einer, klar, Landsfrau, die in New York lebt. Wo Michelle Obama nun wieder für ihren Stil gepriesen wurde. Pünktlich zur New York Fashion Week, die am Donnerstag in Manhattan begann, wurde in den Milk Studios in der West 15. Straße ein Buch gefeiert: >"Everyday Icon: Michelle Obama and the Power of Style"

Ihr Buch ist voll mit Bildern, die zeigen, warum Mrs. Obama eigentlich das Lieblingsmodel der US-Designer ist - weil sie "mehr als jede andere First Lady seit Jaqueline Kennedy durch ihren Stil Aufmerksamkeit erringt", so Kate Betts, die bei ihrer Buchparty Calvin Klein begrüßte oder Rachel Roy.

Blickfang Red Dress Show

Und dann ließ die amerikanische Modeindustrie sich selbst hochleben. Mit der traditionellen Red Dress Show, einer großen Gala zugunsten herzkranker Frauen, bei der berühmte Ladys wie Dita von Teese oder Patti LaBelle rote Kleider vorführten. Der Blickfang des Abends aber war die hochschwangere Boxerin Laila Ali, die Tochter des großen Muhammad Ali, deren Babybauch in einer hautengen Robe glänzte. Sie lächelte glücklich, sie strahlte etwas sehr Schönes, sehr Natürliches aus, verglichen mit den bleistiftdünnen Models, die stets gucken wie 80 Tage Regenwetter und nun über die Laufstege stolzieren - wie bei der Show von BCBG Max Azria, der die jungen Damen in wallende, lange Röcke kleidete, in denen sie draußen vermutlich abgehoben wären. Es war ziemlich windig im Damrosch Park am Lincoln Center, wo die Fashion Week nun wieder für eine Woche in ihr riesiges, weißes Zelt gezogen ist - zur Präsentation der Herbstmode 2011.

Graffiti statt Mode

Die erste Zuschauerreihe ist diesmal anders besetzt. Und das war das Klatschthema der ersten New Yorker Modetage: Auf jenem Platz, der für die Chefredakteurin der französischen "Vogue" reserviert ist, gibt es nun "einen neuen Star an der Front", wie die "New York Times" bemerkte. Denn die Chefredakteurin der französischen "Vogue" heißt erstmals seit gefühlten 100 Jahren nicht mehr Carine Roitfeld, sondern Emmanuelle Alt. Eine aparte Französin mit langen, dunklen Haaren, die sich hier sehr selbstverständlich bewegt. Sie folgte Ende Januar auf Carine Roitfeld, die ... nun ja: entlassen wurde, wie gern getratscht wird.

Doch Madame Roitfeld sagt, dass sie nicht gegangen wurde, sondern gegangen ist. Weil sie sich auf "persönliche Projekte" konzentrieren wolle. Sie werde in einem Monat verkünden, worum genau es sich dabei handele, sprach Roitfeld nun in New York. Wo alle sich fragten: Kommt sie zu den Schauen?

Donnerstagabend gab es die Antwort: Nein, sie kommt nicht. Sie zog die Kunst der Mode vor. Sohn Vladimir ist Kunsthändler, und so zog es Roitfeld zu einer Ausstellungseröffnung.