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Trauer um Paul Walker: Immer großzügig, niemals arrogant

Seine Leidenschaft waren schnelle Autos. Und ausgerechnet in so einem Sportwagen ließ US-Schauspieler Paul Walker sein Leben. Eine persönliche Erinnerung an einen besonderen Menschen.

Von Frank Siering, Los Angeles

Ich traf Paul Walker das erste Mal im Jahr 2002 in Miami, Florida. Es war ein Set-Besuch bei Universal. Paul drehte damals den zweiten Teil von "Fast & Furious". Und genauso, schnell und furios, war unser erstes "Treffen".

Zusammen mit einigen Reportern stand ich an einer Straßenecke. Mit Block und Bleistift bewaffnet. Die Stille auf der abgesperrten Straße wurde plötzlich durch lautes Motorengekreische, quietschende Reifen und Kerosingestank zerrissen.

Zwei aufgemotzte Nissans spritzten in voller Geschwindigkeit um die Kurve. Am Steuer des ersten Wagens ein Stuntman. Das zweite Auto wurde von Paul Walker gelenkt. Ein breites Grinsen im Gesicht, als er den Nissan mit Vollbremsung direkt vor der Reportergruppe zum Stillstand brachte.

Paul kletterte aus dem Wagenfenster und begrüßte uns mit Handschlag. Sympathisch, nett, keinerlei Attitüde. Wir sprachen über den Film, seine Leidenschaft für schnelle Autos und später am Abend an der Hotelbar über unsere gemeinsame Liebe für das Meer und das Surfen.

Er bezeichnete sein Leben als Glücksgriff

Als ich Sonntag via Twitter und Facebook erfuhr, dass Paul Walker, der mir immer gesagt hat, dass er sehr stolz darauf war, dass er aus einfachen Verhältnissen stammte, bei einem Autounfall ums Leben gekommen war, dachte ich - wie so viele - zuerst an einen schlechten Scherz.

Nicht Paul. Keiner fuhr besser Auto als Paul Walker. Er war ein Hobbyrennfahrer, liebte jedes Detail an seinem Nissan, seinem Porsche, den er sich von dem Geld gekauft hatte, dass er mit "Fast & Furious" verdient hatte.

Doch die Bilder, die später über die TV-Bildschirme liefen, bestätigten die Tragödie. Paul Walker ist tot. Ich muss daran denken, wie er mir gegenüber sein Leben als einen echten Glücksgriff bezeichnet hatte. Immer großzügig, niemals arrogant.

Walker war ein anderer Typ

Paul lud regelmäßig Freunde zu Surf-Trips nach Costa Rica ein, bezahlte die Flüge und die Unterkunft. Er war ein toller Vater für seine 15-jährige Tochter Meadow, die vor einiger Zeit bei ihm eingezogen war.

Bei unserem letzten Treffen in Los Angeles sagte er mir, dass die Vaterrolle seinem Leben noch einmal "einen tieferen Sinn gegeben hatte".

Ich treffe viele Stars und Sternchen in Hollywood. Das bringt der Job mit sich. Die meisten dieser Treffen sind in 15 Minuten schon wieder zu Ende. Und ganz ehrlich, im Fahrstuhl haben dich die meisten dieser Stars auch schon wieder vergessen. Paul Walker war nicht so ein Typ.

Noch einmal mit ihm surfen ...

Er lachte gerne, schwärmte von deutschen Autos, der Autobahn, den deutschen Frauen. Er war ein Typ, der sich wohl fühlte, wenn er das Öl in seinem alten Chevy wechseln konnte und bei Sonnenuntergang im kalifornischen Manhattan Beach mit einem Bier in der Hand und seiner Tochter an der Seite den Wellen zuschauen konnte. Paul war ein Typ, der immer für andere da war, wenn sie ihn brauchten.

Und ich weiß, dass nicht nur ich ihn vermissen werde. Schade, dass er mir nicht noch einmal zeigen konnte, wie man die 360-Grad-Drehung mit dem Shortboard auf einer Welle hinkriegt. Das wollte er mir nämlich unbedingt mal beibringen.

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