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Sexismus im Job: Hochschwanger zum Bewerbungsgespräch – und das Ergebnis war ziemlich überraschend

Ist es ratsam, als hochschwangere Frau zu einem Bewerbungsgespräch zu gehen, obwohl man eigentlich einen sicheren Job hat? Jen Watts Welsh hat es ausprobiert, obwohl sie Angst hatte – und wurde am Ende sehr überrascht.

Hochschwanger beim Bewerbungsgespräch

Jen Watts Welsh berichtet davon, wie es ihr hochschwanger bei Bewerbungsgesprächen ergangen ist (Symbolbild)

Getty Images

Wahrscheinlich würden die wenigsten Frauen auf die Idee kommen, hochschwanger ihren sicheren Job zu wechseln. Wer stellt schon eine neue Mitarbeiterin ein, die direkt in den Mutterschutz geht, denken sich wohl viele und verharren lieber bei ihrem alten Arbeitgeber, selbst wenn sie eigentlich viel lieber das Unternehmen wechseln würden. "Dann warte ich halt bis nach der Geburt meines Kindes", dachte sich auch Autorin Jen Watts Welsh. Bis sie sich dann doch anders entschied.

Watts Welsh fühlte sich bereit für einen neuen Schritt in ihrem Berufsleben und wollte sich für eine neue Position in einer Werbeagentur bewerben. Nur gab es da ein vermeintliches Problem: Sie war im dritten Monat schwanger. Im ersten Moment für sie – und viele andere wahrscheinlich auch – ein absolutes Ausschlusskriterium. "Wie viele andere schwangere Frauen, zuckte ich innerlich mit den Schultern und akzeptierte mein Schicksal", schreibt sie in einem Artikel für das Business-Magazin von "Fast Company". Also wollte sie bis nach der Geburt warten. "Doch die Ungeduld nagte an mir", schreibt sie. Schließlich versuchte sie es einfach. Die Telefongespräche mit den Recruitern verliefen immer super – bis sie ihre Schwangerschaft erwähnte. Die Reaktionen waren Glückwünsche und ein: "Okay, dann lassen sie uns nach der Geburt sprechen." 

Warum mit dem Bewerbungsgespräch bis nach der Geburt warten?

Als sie sich mit einem ehemaligen Kollegen, mit dem sie schon länger nicht mehr gesprochen hatte, zum Kaffee trinken verabredete, fand sie neuen Mut. Er arbeitete als Präsident bei einer Werbeagentur. Während des Gesprächs dachte sie: "Diese Agentur klingt genau nach dem, was ich suche." Zunächst einigten sie sich darauf, nach der Entbindung über einen potentiellen Job zu sprechen. Doch zu Hause überkam Jen Watts Welsh dann doch die Enttäuschung, dass sie noch so lange warten müsse. "Das ist scheiße. Mein Mann muss nicht Monate warten, um eine Chance zu ergreifen, nur weil wir ein Baby bekommen. Wieso sollte ich es also?", schreibt sie. 

An dieser Stelle nahm ihre Geschichte eine Wendung, mit der die wenigsten Leute rechnen würden: Sie meldete sich wieder bei dem Ex-Kollegen und bat um ein Vorstellungsgespräch. Ihr Motto: "Nimm mich wie ich bin, oder gar nicht." Zu ihrer eigenen Überraschung hat die Agentur sie genommen, auch mit einem mittlerweile Acht-Monats-Babybauch. "Es wurde zur meist empowernden Erfahrung in meinem Beurfsleben", schreibt sie. "Es hat mich dazu gebracht, die Eigenschaft, über die ich am unsichersten bin, vorzubringen: meine Weiblichkeit."

Sie sei sich allerdings auch bewusst, dass nicht alle Schwangeren diese Erfahrung machen und dass sie viel Glück gehabt habe. Trotzdem wolle sie mit ihrer Geschichte Frauen dazu ermutigen, sich auch in der Schwangerschaft beruflich nicht zurückzustellen und mutig zu sein. 

Schwangere Frauen, seid mutiger!

Jen Watts Welsh erzählt in ihrem Artikel außerdem, dass sie trotz des neuen Jobs fünf Monate Elternzeit in Anspruch genommen habe, obwohl ihr zunächst nur drei Monate angeboten wurden.

Mittlerweile sei ihre Elternzeit vorbei und sie arbeite seit neun Monaten wieder. "Ich werde nicht lügen: Es ist nicht einfach", schreibt sie. Neben dem Baby habe sie auch noch ein vierjähriges Kind zu Hause. Bei all dem Stress sei sie nicht in der Lage, 100 Prozent zu geben und könne es noch heute nicht, "aber es hat mich dazu gebracht, ich selbst zu sein und mein Leben über meine Arbeit zu stellen."

Zum Schluss hat sie noch Tipps parat: Firmen sollten offener werden für schwangere Bewerberinnen und die Unterstützung für Eltern verbessern. Personaler sollten eine Schwangerschaft nicht als Pausenknopf für Frauen und Unternehmen sehen, und zu guter Letzt sollten schwangere Frauen nicht auf berufliche Entwicklung verzichten. Damit hat sie vollkommen recht – auch wenn die Realität für viele Frauen leider anders aussieht. Vielen Frauen bekommen Jobs nicht, weil sie schwanger sind, schon Kinder haben oder "im gebärfähigen Alter sind". Trotzdem macht ihre Geschichte Mut, dass wir vielleicht irgendwann in einer Gesellschaft leben, in der eine Schwangerschaft kein berufliches Hindernis mehr ist.

+++ Den ganzen Artikel von Jen Watts Welsh lest ihr hier +++

Eine schwangere Frau im rosa Kleid liegt auf dem Rücken, aus ihrem Bauch ragt ein blutiges Alien. Ein Mann beugt sich über sie

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