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Anschlag trifft Machtzentrum der syrischen Führung


Die Revolte in Syrien hat das innerste Machtzentrum in Damaskus erstmals schwer getroffen: Bei einem Selbstmordanschlag wurden nach Angaben des Staatsfernsehens sowohl der Verteidigungsminister Daud Radschha als auch sein Stellvertreter Assef Schaukat, der Schwager von Präsident Baschar al-Assad, getötet.

Die Revolte in Syrien hat das innerste Machtzentrum in Damaskus erstmals schwer getroffen: Bei einem Selbstmordanschlag wurden nach Angaben des Staatsfernsehens sowohl der Verteidigungsminister Daud Radschha als auch sein Stellvertreter Assef Schaukat, der Schwager von Präsident Baschar al-Assad, getötet. Die Freie Syrische Armee (FSA) bekannte sich zu dem Anschlag.

Der Anschlag richtete sich gegen ein Treffen von Kabinettsmitgliedern und ranghohen Vertretern der Sicherheitsdienste im streng gesicherten Gebäude der Nationalen Sicherheit. Wie die Nachrichtenagentur AFP aus Sicherheitskreisen erfuhr, zündete der Attentäter im Versammlungssaal einen Sprengstoffgürtel. Radschha und Schaukat sind die ersten beiden Regierungsmitglieder, die seit Beginn der Revolte im März 2011 getötet wurden.

Schaukat galt der Opposition als ehemaliger Militärgeheimdienstchef und früherer stellvertretender Generalstabschef für Sicherheitsangelegenheiten als eine der meistgehassten Persönlichkeiten in der Regierung. Er war mit Assads Schwester Buschra verheiratet.

Bei dem Attentat wurden laut Staatsfernsehen zudem mehrere Menschen verletzt, unter ihnen Innenminister Mohammed Ibrahim al-Schaar und der Leiter der Behörde für Nationale Sicherheit, Hischam Ichtiar. Letzterer gilt als eine der treibenden Kräfte bei der Niederschlagung der syrischen Aufständischen. Das Gebäude seiner Behörde gilt daher als Symbol für die Unterdrückung.

In einer per E-Mail bei AFP in Beirut eingegangenen Mitteilung erklärte die FSA, der Anschlag sei ein "Erfolg" gewesen. Mehrere Verantwortliche der Regierung von Assad, "die für barbarische Massaker verantwortlich sind", seien getroffen worden.

Die syrische Führung sprach von einem "terroristischen Akt". Der Anschlag bestärke die Armee darin, "das Vaterland von den Resten der terroristischen Banden zu säubern", teilte das Militär über das Staatsfernsehen mit. Damaskus macht regelmäßig "Terroristen" für die Gewalt verantwortlich. Zum Nachfolger des getöteten Verteidigungsministers Radschha wurde dem staatlichen Fernsehen zufolge kurzfristig Fahd al-Freidsch ernannt.

Die Rebellen greifen seit einigen Tagen verstärkt in der Hauptstadt an. Sie hatten gestern eine "Schlacht zur Befreiung" von Damaskus angekündigt. Bei den bisherigen Kämpfen wurden nach Angaben der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Montag und am Dienstag mehr als 60 Soldaten getötet. Die Zusammenstöße zwischen Armee und Rebellen dauerten weiter an. Über mehreren Vierteln stiegen schwarze Rauchsäulen auf.

Der Anschlag auf die Regierung ereignete sich wenige Stunden vor einer mit Spannung erwarteten Abstimmung des UN-Sicherheitsrats über eine Resolution. Es wird allerdings damit gerechnet, dass Russland und vermutlich auch China dagegen ihr Veto einlegen. Beide Länder hatten bereits zwei Mal eine Resolution gegen die Führung von Assad verhindert, weil sie eine Einmischung von außen ablehnen.

Während UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in Peking persönlich um die Unterstützung Chinas für den vom Westen vorgelegten Resolutionsentwurf warb, bekräftigte Russlands Außenminister Sergej Lawrow noch einmal die Ablehnung seines Landes. Der vorliegende Entwurf begünstige die "revolutionäre Bewegung" im Land, sagte er in Moskau. Die syrische Opposition habe "entscheidende" Kämpfe angekündigt.

Der Resolutionsentwurf sieht eine dreimonatige Verlängerung des Beobachtereinsatzes in Syrien und Sanktionen vor, falls sich Damaskus nicht an den Friedensplan des Sondergesandten Kofi Annan hält. Es sei "dringend an der Zeit" für eine weitere UN-Resolution zu Syrien, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) forderte die Sicherheitsratsmitglieder auf, "die Spirale der Gewalt zu durchbrechen".

AFP AFP

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