VG-Wort Pixel

Westerwelle warnt vor Flächenbrand im Nahen Osten


Die diplomatischen Bemühungen um eine Waffenruhe zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas laufen auf Hochtouren.

Die diplomatischen Bemühungen um eine Waffenruhe zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas laufen auf Hochtouren. In Kairo wurden unter Ägyptens Vermittlung Gespräche mit Vertretern beider Seiten fortgesetzt, während unter anderen Außenminister Guido Westerwelle (FDP) zu einem Besuch in den Nahen Osten reiste. Westerwelle warnte vor seiner Abreise nach Israel vor einem "Flächenbrand" in der Region. Israel setzte seine Angriffe auf den Gazastreifen fort, bei denen rund 15 Palästinenser getötet wurden.

Ägyptischen Angaben zufolge empfing Präsident Mohammed Mursi in Kairo neben einem israelischen Vertreter den Exilchef der Hamas, Chaled Meschaal, sowie den Anführer der Gruppe Islamischer Dschihad, Abdallah Tschallah. Die israelische Zeitung "Jediot Ahronot" sprach von einem "Wettlauf gegen die Zeit", derzeit entscheide sich, ob es zu einer militärischen Eskalation oder zu einem Waffenstillstandsabkommen kommen werde.

"Die Lage ist außerordentlich ernst", sagte Westerwelle in Brüssel. Alle Seiten müssten daher "mit Besonnenheit und Verhältnismäßigkeit handeln, um einen Waffenstillstand zu ermöglichen". Westerwelle will am Dienstag mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und Präsident Schimon Peres zusammentreffen, danach will er in Ramallah im Westjordanland mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sprechen.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe in Telefonaten mit Mursi und Netanjahu ihre Besorgnis über die aktuelle Entwicklung zum Ausdruck gebracht. Der fortwährende Beschuss Israels mit Raketen aus dem Gazastreifen sei "durch nichts zu rechtfertigen". Israel habe das Recht, seine Bevölkerung zu schützen.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan warf hingegen der UNO Einseitigkeit vor. Der UN-Sicherheitsrat "schließt die Augen" vor dem Leid der Muslime, sagte er in Istanbul. Er forderte von der UNO eine "ernsthafte Aktion", um den israelischen Angriffen ein Ende zu bereiten. Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, Außenminister Ahmet Davutoglu wolle am Dienstag in den Gazastreifen reisen. Auch der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, wird dort erwartet.

Bei neuen israelischen Luftangriffen wurden derweil mindestens 15 Palästinenser getötet. Israel störte nach Angaben der Armee den offiziellen Sender der Hamas, Al-Aksa TV, um "Warnungen" zu verbreiten. In Gaza-Stadt nahmen hunderte Menschen an der Beerdigung von neun Mitgliedern einer Familie teil, deren Haus am Sonntag von einer Rakete getroffen worden war.

Seit Beginn der israelischen Offensive "Säule der Verteidigung" am vergangenen Mittwoch wurden rund 90 Palästinenser getötet. Auf israelischer Seite starben drei Menschen. Israel traf seitdem mehr als 1350 Ziele im Gazastreifen, in derselben Zeit wurden aus dem Palästinensergebiet wiederum mehr als 850 Geschosse abgefeuert.

Die Führungen der Palästinensergruppen Fatah, Hamas und Islamischer Dschihad riefen bei einer Kundgebung im Westjordanland zur Einigkeit auf. "Aus Ramallah verkünden wir mit den Führern der anderen Bewegungen, dass wir der Spaltung ein Ende machen", sagte der ranghohe Fatah-Führer Dschibril Radschub.

AFP AFP

Mehr zum Thema


Das könnte sie auch interessieren


Wissenscommunity


Newsticker