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Abschiebung droht Französischer Bäcker geht für seinen Lehrling in den Hungerstreik

Stéphane Ravacley
Stéphane Ravacley
© Sebastien Bozon / AFP
In Frankreich ist ein Bäcker wegen der geplanten Abschiebung seines Lehrlings seit mehr als einer Woche im Hungerstreik. Zuletzt musste er sogar ins Krankenhaus. Aufgeben will er trotzdem nicht.

Um die Abschiebung seines Auszubildenden zu verhindern, ist Stéphane Ravacley jedes Mittel Recht: Seit mehr als einer Woche befindet sich der französische Bäcker in einem Hungerstreik. Er ernährt sich nach eigenen Angaben seit dem 3. Januar nur noch von Suppe und hat mittlerweile rund acht Kilo abgenommen. 

Stéphane Ravacley kämpft für seinen Auszubildenden

Das geht nicht spurlos an ihm vorbei. Am Dienstagmorgen ist Ravacley vor seiner Bäckerei in Ohnmacht gefallen, als er mit dem Auto von einer Lieferung zurückkam. Er musste ins Krankenhaus, ein Nährstoffmangel wurde festgestellt. Dem Bäcker wurden Vitamine verabreicht, er soll in Kürze wieder nach Hause zurückkehren. "Ich bin sehr müde, aber es geht", sagt er gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. "Mein Arzt hat mir gesagt, dass ich in schlechter Verfassung bin", so der Bäckermeister, der nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren bereits drei Lungenembolien erlitt. "Aber das ist mir egal." Der 50-Jährige will seine Protestaktion trotz gesundheitlicher Probleme fortsetzen. Mit seinem Hungerstreik versucht Ravacley, die geplante Abschiebung seines Lehrlings Laye Fodé Traoré zu verhindern. 

Traoré absolviert seit September 2019 eine Ausbildung bei dem Bäckermeister, die er aber wegen der Probleme mit den Behörden vorerst abbrechen musste. Er ist als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Frankreich gekommen, nun ist er volljährig und soll das Land verlassen – obwohl der Bäcker versichert, ihn nach Abschluss seiner Lehre übernehmen zu wollen. 

Prominente Unterstützung bekommt Stéphane Ravacley von beliebten französischen Schauspielern wie Omar Sy ("Ziemlich beste Freunde") und Oscar-Preisträgerin Marion Cotillard ("La vie en rose"). In einem offenen Brief an Präsident Emmanuel Macron bekunden sie ihre Unterstützung für den Bäcker und seinen Lehrling. "Sie können nicht hartherzig gegenüber einem französischen Bürger sein, der seine Gesundheit gefährdet, um humanistische Prinzipien wie Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu verteidigen", hieß es in dem Aufruf an Macron, den die Zeitschrift "L'Obs" veröffentlichte. Neben Schauspielern und Sängern unterschrieben auch zahlreiche Politiker sowie Gewerkschaftsboss Laurent Berger den Aufruf. Eine Online-Petition zugunsten des Lehrlings hat inzwischen mehr als 200.000 Unterstützer. 

Laye Fodé Traoré droht die Abschiebung – trotz festem Job

Nach Angaben von Traorés Anwältin haben die Behörden Zweifel an der Echtheit seiner Ausweisdokumente. Am 26. Januar soll es zu seinem Fall eine Anhörung vor dem Verwaltungsgericht in Besançon geben. Dabei geht es um eine Aufenthaltsgenehmigung. Auch die Bürgermeisterin von Besançon, Anne Vignot, setzte sich für Laye Fodé Traoré ein. In einem Brief an Innenminister Gérald Darmanin erklärte sie, eine Abschiebung "dieses künftigen Bäckers ist nicht nachvollziehbar". 

Womöglich gibt es also doch Hoffnung für den jungen Mann und seinen Chef: Aus der Botschaft von Guinea in Paris hieß es inzwischen, die Papiere des Lehrlings würden in Ordnung gebracht.

aen AFP

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