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Bolivien Nach Vergewaltigung: Eltern und Kirche verbieten elfjährigem Mädchen Abtreibung

Zwei Frauen halten ein menschengroßes Protest-Banner vor sich, im Hintergrund weitere Demonstranten
Bolivianische Frauen und Männer protestieren gegen die Entscheidung, einem vergewaltigten Mädchen die Abtreibung zu verbieten
© Radoslaw Czajkowski / DPA
Ein Großvater vergewaltigt seine elfjährige Enkelin, das Mädchen wird schwanger – und darf abtreiben. Kurz vor dem Eingriff besuchen Vertreter der katholischen Kirche die Familie. Nach einem Gespräch verbieten die Eltern ihrer Tochter die Abtreibung.

In Bolivien ist bei einem elf Jahre alten Mädchen in der 21. Woche eine Schwangerschaft entdeckt worden. Wie der britische Nachrichtenkanal Sky News berichtet, soll das Mädchen von ihrem Großvater vergewaltigt worden sein.

In dem südamerikanischen Land ist Abtreibung bei Vergewaltigung, Inzest oder bei Gefahr für Leben oder Gesundheit der Schwangeren legal. Somit war auch dem Mädchen erlaubt worden, die Abtreibung durchzuführen, so der Bericht.

Das Mädchen befand sich am vergangenen Freitag schon im Krankenhaus und bereitete sich auf den Eingriff vor, als Sky News und The Guardian zufolge Vertreter der katholische Kirche die Familie besuchten. Anscheinend überredeten sie die Mutter des Mädchens, den Eingriff abzubrechen. Die kirchlichen Behörden sollen versprochen haben, der Familie zu helfen, welche daraufhin beschlossen habe, die Abtreibung nicht zuzulassen.

Die Regierung Boliviens kritisiert Einmischung der Kirche

Die bolivianische Präsidentschaftsministerin Maria Nela Prada sagte: "Der Schwangerschaftsabbruch des Mädchens war gemäß einem Verfassungsurteil und nach unseren geltenden Vorschriften legal und bereits mit Zustimmung derjenigen genehmigt worden, die in diesen Fall involviert zu sein hatten."

Und weiter: "Genug, meine Damen und Herren. Wir respektieren religiöse Überzeugungen, aber Sie können nicht an der Entscheidung über ein Mädchen beteiligt sein, das – wie viele andere – einer einvernehmlichen sexuellen Beziehung nicht zugestimmt hat. Sie wurde Opfer von sexuellem Missbrauch und ihr wurde die Kindheit genommen.

Sie ist ein Mädchen, keine Mutter, und diese Gruppen dürfen eine Vergewaltigung nicht verherrlichen, indem sie mit Schildern auf und ab gehen, auf denen sie dieses kleine Mädchen 'die Kind-Mutter' nennen."

Mädchen sind körperlich nicht in der Lage, weitgehend risikoarm zu gebären

Die bolivianische Repräsentantin von UN Women, Nydia Pesantes, sagte: "Mädchen sind nur Mädchen, und sie sind nicht dafür gemacht, schwanger zu sein oder zu gebären. Ihre Körper sind nicht ausreichend entwickelt, um die Gesundheit und eine angemessene Entwicklung des Produkts – des Babys – zu gewährleisten."

Demonstranten hatten sich schon in der vergangenen Woche mehrmals im Regierungssitz Boliviens, der Stadt La Paz, versammelt und gefordert, dass das Mädchen abtreiben darf, berichtet Sky News. Sie hielten Schilder mit der Aufschrift "Mädchen, nicht Mütter – Schwangerschaft in der Kindheit ist Folter", "Es ist nicht Pro-Life, es ist Anti-Rechte" und "Heute sind wir draußen, damit Kindheit und Jugend nicht ruiniert werden".

Eine Demonstrantin sagte gegenüber der Associated Press: "Natürlich bin ich für die Abtreibung für alle Frauen, jede Entscheidung ist die richtige, insbesondere aber für Mädchen, die vergewaltigt wurden. Ich gehöre keiner Organisation an, aber ich werde dafür kämpfen, dass meine Stimme für alle Mädchen gehört wird, die nicht sprechen können."

Katholische Kirche verteidigt ihr Vorgehen

Diego Pla, stellvertretender Generalsekretär der bolivianischen Bischofskonferenz, die die katholische Kirche in Bolivien beaufsichtigt, sagte: "Wir fordern die Behörden auf, das Recht auf Leben und Gesundheit des Mädchens, das Opfer einer Vergewaltigung wurde, zu respektieren und auch das Baby zu schützen, das sich entwickelt. Beide Leben verdienen Schutz und müssen geschützt werden", zitiert Sky News Pla.

Nach Angaben des bolivianischen Gesundheitsministeriums gab es zwischen Januar und Juli letzten Jahres 953 Schwangerschaften bei Mädchen unter 15 Jahren. Die Altersgrenze für die Teilnahme an einvernehmlichen sexuellen Handlungen liegt in Bolivien bei 14 Jahren.

Quelle: Sky NewsThe Guardian

nib

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