Afrikareise Papst verteufelt Kondome


Neuer Wirbel um Papst Benedikt XVI.: Auf dem Weg nach Kamerun bezweifelte der Papst, dass Kondome im Kampf gegen Aids helfen. Vielmehr sei das Gegenteil richtig, erklärte das Oberhaupt der katholischen Kirche - Kondome verschlimmerten nur das Problem.

Papst Benedikt XVI. ist zum Auftakt seiner ersten Afrika-Reise in Kamerun eingetroffen. In der Hauptstadt Jaunde wurde das Oberhaupt der katholischen Kirche von Staatspräsident Paul Biya empfangen. "Ein Christ kann niemals schweigen angesichts von Leiden und Gewalt, Armut, Hunger, Korruption und Machtmissbrauch", sagte der deutsche Papst bei seiner Ankunft und setzte damit den Tenor seines Besuchs in dem von Krieg, Hunger und Krankheit gezeichneten Kontinent.

Noch während des Fluges hatte sich Benedikt zur für den HIV-geplagten Kontinent entscheidenden Aids-Frage geäußert. "Die Immunschwächekrankheit Aids ist nicht mit Kondomen zu überwinden, im Gegenteil, das verschlimmert nur das Problem", erklärte der Papst an Bord und betonte damit erneut die Ablehnung von Kondomen durch die katholische Kirche. Vielmehr sei eine spirituelle und menschliche Erneuerung der einzige Weg aus der auf dem Schwarzen Kontinent grassierenden Seuche. In Afrika leben 67 Prozent der HIV-infizierten Menschen der Welt, 17 Millionen Menschen sind auf dem Kontinent schon an Aids gestorben.

Er bringe eine "Botschaft der Versöhnung, der Gerechtigkeit und des Friedens", sagte der Papst in Kamerun, wo er bis zum Freitag bleibt. Bei seinem Besuch wird Benedikt auch in das von 27 Jahren Bürgerkrieg gezeichnete Angola reisen. Beide Staaten gehören zu den ärmsten Ländern Afrikas. "In einer Zeit weltweiter Nahrungsmittelknappheit, der Finanzturbulenzen und des Klimawandels leidet Afrika über Gebühr", mahnte Benedikt, der angesichts der Weltwirtschaftskrise schon mehrfach zu globaler Solidarität aufgerufen hatte.

Immer mehr Menschen würden zu Geiseln von Hunger, Armut und Krankheit, betonte er. Auch gebe es Menschenhandel als neue Form der Sklaverei. Doch im größten Leid biete die christliche Botschaft Hoffnung. "Unzählige Menschen sehnen sich in Afrika nach einem Wort des Trostes und der Hoffnung."

Afrika gilt als "Wachstumsregion"der katholischen Kirche, aber auch von Freikirchen - und ist massiv von der globalen Krise betroffen. "Allein die Kirche kann hier die Wahrheit sagen über Korruption und die Unterschiede, die in unserer Gesellschaft bestehen", hatte in Kamerun Pater Sosthene Bayemi Eseka im Vorfeld des Papst-Besuches erklärt. Benedikt möchte all dies bündeln und auch damit an seinen Vorgänger anknüpfen.

Kamerun liegt am Golf von Guinea und war von 1884 bis 1916 deutsche Kolonie. Es ist mit rund 475.000 Quadratkilometern etwas größer als Schweden und hat fast 18,5 Millionen Einwohner. Rund 40 Prozent der Bevölkerung sind Christen, überwiegend Katholiken. Hier will der Papst den Bischöfen des Kontinents das Arbeitspapier zur zweiten Afrika-Synode, die im Oktober in Rom geplant ist, überreichen. Das Schlussdokument der ersten Afrika-Synode hatte vor mehr als einem Jahrzehnt Johannes Paul II. in Jaunde überbracht.

DPA/AP AP DPA

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