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Bruchlandung in San Francisco: "Habe mich nicht so gefühlt seit 9/11"

Für 305 Menschen endet das Horrorszenario auf dem Flughafen in San Francisco glimpflich - zwei Chinesinnen werden tot auf dem Rollfeld gefunden. Was war geschehen? Überlebende beschreiben das Unglück.

Diesen Flug werden sie wohl nie mehr vergessen: Den Gesichtern der überlebenden Passagiere auf dem #link;http://www.stern.de/panorama/flughafen-san-francisco-zwei-teenager-sterben-bei-crash-von-boeing-777-2034990.html;Flughafen in San Francisco# ist anzusehen, was sie in den vergangenen Stunden durchgemacht haben müssen. Sie sind blass und sehen müde aus. Viele werden von Helfern gestützt und haben eine Schutzhaltung eingenommen, als sie durch den Terminal gehen. Die Wunden einiger Fluggäste sind provisorisch verbunden.

Diese Menschen haben gerade eine Bruchlandung hinter sich. Zwei junge Chinesinnen kamen ums Leben. Alle 305 anderen Menschen an Bord überlebten nach offiziellen Angaben das Unglück, 49 von ihnen wurden ernsthaft verletzt. Die US-Behörden suchten am Sonntag weiter nach der Ursache für den Unfall. Die Boeing 777-200 war nach einem zehnstündigen Flug von Seoul ohne Vorwarnung auf der Landebahn des internationalen Airports der Westküstenmetropole aufgeschlagen. Sie wurde völlig zerstört und brannte größtenteils aus.

Die beiden Toten seien außerhalb des Flugzeugs auf dem Rollfeld gefunden worden, sagte eine Verantwortliche der Feuerwehr. Nach Angaben des Präsidenten der Asiana Airlines, Yoon Young-doo, und laut US-Medien handelte es sich um zwei 16 Jahre alte chinesische Schülerinnen, die gemeinsam mit einer Gruppe den Sommer in den USA verbringen wollten.

Ein Betroffener schafft es trotz des Schocks, das Erlebnis sofort über den Kurznachrichtendienst Twitter zu verbreiten. Auch Anwohner und Gäste eines anliegenden Hotels können nicht fassen, was sich gerade vor ihren Augen abgespielt hat.

Ein Manager, der nach eigenen Angaben an Bord des Flugzeugs war, berichtet: "Ich bin gerade in SFO bruchgelandet. Heck abgerissen. Den meisten scheint es gut zu gehen. Mir geht's gut. Surreal...".

Weiter schreibt David Eun: "Feuerwehrleute und Retter überall. Sie holen die Verletzten raus. Habe mich nicht so gefühlt seit 9/11." Das bezieht sich auf die Anschläge vom 11. September 2001 in New York. Später, als er durch den Zoll geht, twittert er: "Der Adrenalinstoß klingt ab. Ich versuche, das alles zu verarbeiten."

Offenbar fragen sich überlebende Passagiere, was eigentlich geschehen ist - es scheint große Unklarheit zu herrschen. Eun twittert auf dem Flughafen: "VIELE Beamten mit Abzeichen und Uniformen, aber keine Updates. Keine Kommunikation. Warten ..."

Was war passiert? Eine Boeing 777 der Asiana Airlines fliegt vom südkoreanischen Seoul über den Pazifischen Ozean nach San Francisco in den USA. Kurz vor der Landung kommt es am Samstag zur Katastrophe - Bruchlandung auf dem Zielflughafen. 305 Menschen überleben - zwei junge Chinesinnen sterben. Die Maschine liegt nach der Notlandung mit aufgerissener und verbrannter Kabinendecke auf dem Rollfeld. Trümmerteile sind weit über die Landebahn verstreut.

Auf einem Amateurvideo, das auf der Plattform Youtube hochgeladen ist, sind starke Rauchwolken zu sehen, die vom vorderen Teil des Fliegers aufsteigen. Das Heck ist deutlich tiefer als der Bug. Notrutschen sind zu sehen.

Die Umstehenden am Flughafen können offenbar nicht begreifen, dass sie gerade Zeuge eines Flugzeugunglücks geworden sind. Eine junge Frau, die nach eigenen Angaben vor einem Hotel mit direktem Blick auf die Landebahn steht, twittert: "Ich habe gerade buchstäblich einen Flugzeugabsturz von Anfang bis Ende miterlebt. Ich kann nicht aufhören zu weinen. Ich kann das nicht glauben." Sie sendet via Twitter ein Foto und antwortet sofort auf Fragen von anderen.

Sie habe Donner gehört und sich umgedreht: Der Flieger sei instabil gewesen und ein Flügel sei auf die Landebahn aufgeschlagen - danach sei das Flugzeug abgestürzt. Sie lädt ein Foto hoch, das die riesigen Qualmwolken aus einiger Entfernung zeigt. Um sie herum stehen Menschen, die gebannt auf das Unglück sehen. "Es ist traumatisierend", schreibt sie.

"Das Heck war viel zu niedrig und schlug zuerst auf"

Eine Frau, die nach eigenen Angaben Gast eines Hotels am Flughafen ist, hat das Unglück so erlebt: "Wir liefen gerade vom Frühstück zurück und hielten an, um ein Foto von der Start- und Landebahn zu schießen, und ein Flugzeug war beim Landen in einem schlechten Winkel, kippte, explodierte." Später, als sich Stephanie Turner wieder auf ihrem Hotelzimmer befindet, schreibt sie: "Ich kann nicht glauben, was ich sah." Den Unfall beschreibt sie so: "Das Heck war viel zu niedrig und schlug zuerst auf."

Asiana-Firmenchef Yoon Young Doo schloss in Seoul ein technisches Versagen der 2006 ausgelieferten Boeing aus und wollte sich nicht zu möglichen Fehlern der als erfahren beschriebenen Piloten äußern. Die vier Piloten, die sich während des zehnstündigen Einsatzes abwechselten, sind nach Auskunft aus der Gesellschaft erfahrene Flugzeugführer. Lee Jeong Min, der das Flugzeuge steuerte, habe mehr als 12.000 Flugstunden absolviert, darunter 3200 auf einer Boeing 777.

Der Flughafen war nach dem Unglück mehrere Stunden lang gesperrt. Ankommende Flüge wurden nach Los Angeles, Seattle, Oakland und San Jose umgeleitet. San Francisco ist ein Drehkreuz für Flüge von und nach Asien.

kmi/DPA / DPA