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Der kleinste Mann auf der Erde: Khagendra Thapa Magar, der Däumling aus Nepal

Der Nepalese Khagendra Thapa Magar misst nur einen guten halben Meter. Das macht ihn zum kleinsten Mann der Welt. Große Träume hat er aber dennoch: Er will seiner Familie zu einem geräumigen Haus verhelfen. Sie wohnt bisher zu viert auf zwölf Quadratmetern.

Als Baby passte er in die Handfläche seiner Mutter. Heute, im ausgewachsenen Zustand, reicht er den meisten Erwachsenen nicht einmal bis zur Hüfte. Mit 67,08 Zentimetern Körpergröße ist Khagendra Thapa Magar der kleinste Mann der Welt. Am 14. Oktober, zu seinem 18. Geburtstag, hat das Guinness-Buch der Rekorde dem Nepalesen diesen Titel offiziell verliehen. Vor seiner Volljährigkeit galt er bereits als winzigster Teenager der Erde. Wenn sich der kleine Mann auf den Boden setzt, ist er in etwa so groß wie eine Wasserflasche. Fünfeinhalb Kilogramm wiegt er.

Wenn Khagendra Besucher begrüßt, legt er seine Handflächen in der traditionellen nepalesischen Weise aneinander und sagt "Namaste" - das Grußwort in seinem Land. Dabei zieht sich ein sanftes Lächeln über sein kleines Gesicht. Die Stimme ist kaum zu hören. Khagendra steht vor der Kochnische seiner Mutter in einem etwa zwölf Quadratmeter großen Raum. Mehr Zimmer hat die Wohnung der Familie nicht - zu viert wohnen sie dort. Drei Quadratmeter für jeden.

Khagendra öffnet einen Schrank, der ungefähr doppelt so groß ist wie er, und angelt mit einiger Schwierigkeit eine Schüssel voller Radieschenstücke hervor. Die wolle er sich zum Abendessen garen, berichtet er. "Er kocht gerne", sagt seine Mutter Dhanmaya Thapa Magar. "Er kocht Reis für sich selber auf einem niedrigen Kocher und hilft mir immer, das Gemüse zu schneiden."

Zu seinem 18. Geburtstag am 14. Oktober schickte das Guinness-Buch eigens einen Rekordrichter aus der Londoner Stammredaktion ins ferne Pokhara. Der oberste Richter der Rekordinstanz, Marco Frigatti, ließ dazu am Donnerstag erklären: "Wir kennen Khagendra schon seit einiger Zeit, mussten aber für eine mögliche Anerkennung als kleinster Mann bis zu seinem 18. Geburtstag warten."

Trotz seiner Volljährigkeit ist der neue Rekordhalter in den Augen seiner Mutter noch immer ein Kleinkind, das stets Aufsicht brauche. Noch nie in all den Jahren habe sie Khagendra alleingelassen. "Als er geboren wurde, passte er in meine Handfläche", erinnert sich die Mutter. "Ihn in diese Welt zu bringen, war nicht schwierig, aber ihn großzuziehen, war sehr schmerzvoll." Dhanmaya muss die ganze Zeit sehr vorsichtig sein - ihr Sohn wirkt geradezu zerbrechlich. Früher war der Junge konstant gewachsen, bis er elf Jahre alt war. Dann setzte sein Wachstum völlig aus. Kleinwüchsigkeit muss nicht vererbt werden, es kann auch viele verschiedene äußere Ursachen haben.

Mit 67,08 Zentimetern und fünfeinhalb Kilogramm Körpergewicht ist Khagendra nun ausgewachsen. Bis vor vier Jahren konnte er noch gerade stehen. Jetzt ist er ein Stück zur Seite gebeugt, weil seine rechte Körperhälfte damals etwas langsamer gewachsen war. Der kleine Mann hat nie Anzeichen einer ernsten Erkrankung gezeigt. Aber er hat häufig ein bisschen Fieber und oft bekommt er einen Husten.

Khagendra trägt sportliche bunte Kleidung, die eigentlich für Zweijährige gedacht ist. An den Füßen sitzen zehn Zentimeter lange Schuhe - eine Extraanfertigung, die ihm das Guinness-Buch geschenkt hat. "Heute ist mein großer Geburtstag", sagte der Rekordhalter der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag am Telefon. "Ich gehe raus zum Spielen."

Khagendra lebt seit 2006 in Pokhara, etwa 150 Kilometer westlich der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu. Im vergangenen Jahr kam er in den Kindergarten, wo er seinen Namen auf Nepalesisch schreiben lernte. Er träumt davon, Arzt zu werden und seiner Familie in Pokhara ein mehrstöckiges Haus zu bauen. Die glücklichste Zeit seines Lebens, sagt er, habe er Anfang 2010 in Italien gehabt. Dort traf er den inzwischen gestorbenen He Pingping, den ehemals kleinsten Mann der Welt. Er maß 74,61 Zentimeter - ein gutes Stück größer als Khagendra.

Zwischenzeitlich hatte der Kolumbianer Edward Niño Hernandez den Titel übernommen. Der 24-Jährige trat vor kurzem die Nachfolge des im März gestorbenen Chinesen He Pingping an. Doch auch Hernandez überragt den kleinen Khagendra mit 70,21 Zentimetern noch ein Stück.

"Anfangs war er sehr schüchtern und hasste es, fotografiert zu werden", sagt seine Mutter. "Aber jetzt hat er keine große Scheu mehr davor, Menschen zu treffen." Am 14. Oktober war eine große Feier in Pokhara geplant, um die offizielle Titelvergabe gebührend zu feiern.

Khagendra liebt es, zur traditionellen nepalesischen Musik zu schunkeln. Manchmal singt er auch. Er ist religiös und betet jeden Morgen zu Buddha. Er liebt Pflanzen und schnauzt seine siebenjährige Cousine jedes Mal an, wenn sie irgendwo ein Blatt abpflücken will. Und Khagendra spielt gerne. "Er schmeißt mit Dingen nach mir, wenn er richtig wütend wird und niemanden für seine Lieblingsspiele findet", sagt sein jüngerer Bruder Mahesh (14), der ganz normal groß ist. "Aber ansonsten kommen wir ganz gut miteinander klar."

AFP / AFP
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