HOME

Deutsch-italienischer Streit: Trostpreis für die Kanzler-Gattin

Silvio Berlusconi hatte sich doch noch dazu durchgerungen - Staatssekretär Stefani musste seinen Hut nehmen. Und Fiat kündigte an, der Kanzler-Gattin das erste Modell des neuen Lancia Ypsilon schenken zu wollen.

Den meisten war es klar, dass dieser Schritt unvermeidlich war, doch es dauerte bis Freitagabend, ehe sich die Vernunft durchsetzte: Der italienische Tourismus-Staatssekretär Stefano Stefani musste als Folge seiner Beschimpfung der Deutschen den Hut nehmen.

Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte sich fünf Tage nach Bekanntwerden der verbalen Entgleisung dazu durchgerungen, Stefani zum Rücktritt zu zwingen. "Damit ist der Fall abgeschlossen", freute sich der Regierungschef, der offenbar als Gegenleistung unmittelbar zuvor Stefanis Partei Lega Nord die Umsetzung föderalistischer Reformen versprochen hatte.

Berlusconis Versprechen

Der Druck auf Stefani hatte von Tag zu Tag zugenommen. Selbst aus der eigenen Partei musste er Kritik einstecken, die italienische Tourismuswirtschaft schäumte vor Wut. Nach Informationen der Tageszeitung "Corriere della Sera" soll Berlusconi schon am Donnerstag Schröder über diplomatische Kanäle versprochen haben, dass Stefani die Regierung verlassen werde.

Die Befürchtung, deutsche Touristen könnten so wie Schröder Italien meiden, kostete ihm schließlich den Kopf. Auch der italienische Autokonzern Fiat befürchtete schon Einbußen im Deutschland-Geschäft und kündigte deshalb an, der Frau des Bundeskanzlers, Doris Schröder-Köpf, das erste Modell des neuen Lancia Ypsilon schenken zu wollen.

Stefanis Liebeserklärung ohne Wirkung

Mit einer Entschuldigung in letzter Minute, die Stefani der "Bild"-Zeitung übermittelte, war der angerichtete Schaden nicht mehr zu reparieren. "Ich liebe Deutschland", erklärte darin immerhin Stefani, der an die 20 Jahre mit einer Frankfurterin verheiratet war. Stefani machte aber bei der Ankündigung seines Rücktritts im Zuge einer Rede vor Parteifreunden auch kein Hehl daraus, dass er sich als eine Art Bauernopfer betrachte. Berlusconi war ja letztlich das auslösende Moment der Affäre gewesen. Stefani hatte nach dem von Berlusconi im Europaparlament ausgelösten Eklat in die Tasten gegriffen, um den Regierungschef gegen die Kritik des SPD-Abgeordneten Martin Schulz zu verteidigen. Berlusconi hatte Schulz empfohlen, er solle sich für eine Rolle als KZ-Wärter in einem Film bewerben und hatte damit die schwere Krise mit Deutschland erst ausgelöst.

Politische Beobachter sahen Stefanis Rücktritt auch als Teil des Deals zwischen Berlusconi und Lega-Nord-Chef Umberto Bossi, der eine drohende Regierungskrise zunächst abwendete. Unmittelbar nachdem Bossi schwarz auf weiß die Zusicherung Berlusconis erhalten hatte, dass den Regionen mehr Kompetenzen übertragen werden sollen, verkündete Stefani seinen Rücktritt. Bossi gelang es offenbar, den längst untragbar gewordenen Staatssekretär als Druckmittel in den Verhandlungen mit Berlusconi einzusetzen.

Sefanis Entgleisung im Wortlaut (Auszüge)

"Wir kennen sie gut, die Deutschen. Diese stereotypisierten Blonden mit dem hypernationalistischen Stolz, schon seit jeher dazu indoktriniert, sich unter allen Umständen als die Klassenbesten zu halten. Und wie alle Klassenbesten versäumen sie keine Gelegenheit, sich anmaßend zu verhalten." (...)

Ich bin empört, aber nicht verwundert. Die Deutschen sind es gewohnt, sich so zu benehmen. Sie essen unsere Spaghetti, aber sie versäumen keine Gelegenheit, sie gleichzeitig auf einem Teller mit einem Revolver statt mit der Soße darzustellen. Sie fallen lärmend über unsere Strände her, aber sie vergessen es gleichzeitig nicht, vor Beginn der Reisesaison in ihrer meistgelesenen Tageszeitung Bild (...) die Zahl der Autodiebstähle in Rimini oder sogar die letzten Statistiken der Mafiatoten auf Sizilien zu erwähnen."

Giovanni Facchini / DPA