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Italien-Posse: "Es tut mir Leid - für Schröder"

Die Tourismus-Posse geht weiter: Die Absage von Bundeskanzler Schröders Italienreise wegen antideutscher Äußerungen italienischen Staatssekretärs, bezeichnete Ministerpräsident Berlusconi als "Schande.

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat angesichts der Spannungen mit der italienischen Regierung seinen geplanten Urlaub in Italien abgesagt.

"Bundeskanzler Gerhard Schröder will seiner Familie nicht länger Spekulationen über die wenige gemeinsame Urlaubszeit zumuten", erklärte Regierungssprecher Bela Anda. Die damit verbundenen Beeinträchtigungen würden die notwendige Erholung und ein ungestörtes Zusammensein in Frage stellen. Die Familie wird daher ihren Urlaub gemeinsam zu Hause in Hannover verbringen.“ Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der erst kürzlich mit seinem umstrittenen Nazi-Vergleich für Verstimmung in Berlin gesorgt hatte, bezeichnete die Entscheidung Schröders als Schande. "Es tut mir leid um ihn", fügte er hinzu.

Schröders Urlaub hatte nach abfälligen Äußerungen des italienischen Tourismus-Staatssekretärs Stefano Stefani über deutsche Urlauber in Frage gestanden. Ursprünglich wollte der Kanzler Ende kommender Woche mit seiner Familie für rund zwei Wochen an die Adria fahren.

Haben Sie nach Stefanis Äußerungen noch Lust auf Italien-Urlaub?

Mehrere Provokationen

Der Tourismus-Staatssekretär hatte die Deutschen in einem Zeitungsartikel als "einförmige, supernationalistische Blonde" beschrieben, die keine Gelegenheit ausließen, unverschämt zu werden und lärmend über italienische Strände herzufallen.

Erst wenige Tage zuvor hatte Berlusconi für Empörung gesorgt, als er bei seinem ersten Auftritt als EU-Ratspräsident im Europa-Parlament den deutschen Europa-Abgeordneten Martin Schulz als perfekte Besetzung für die Rolle eines KZ-Aufsehers in einem Film bezeichnete.

Adria-Provinz will Berlusconi verklagen

Die italienische Adria-Provinz Pesaro hat eine Schadenersatzklage gegen Ministerpräsident Silvio Berlusconi angekündigt. "Die Dummheit der Leute, die an der Regierungsspitze stehen, ist derart groß, dass sie dem Image unseres Tourismus einen gewaltigen wirtschaftlichen Schaden zufügen", sagte der Präsident der Provinz, Palmiro Ucchielli, nach der Absage der Kanzlerreise. Berlusconi hätte den Tourismus-Staatssekretär Stefano Stefani abberufen müssen, nachdem dieser die Deutschen beschimpft hatte.

Schily fordert Stefanis Entlassung

Innenminister Schily sagte im ZDF mit Blick auf Stefani: "Wenn ich der Regierungschef in Italien wäre, dann wäre dieser Herr nicht mehr im Amt. ... Die italienische Regierung wäre gut beraten, diese Sache in Ordnung zu bringen."

Schily will im Gegensatz zum Kanzler seinen geplanten Italien-Urlaub aber nicht absagen. Er werde sein Haus in Italien nicht verkaufen, außerdem habe er gute und enge Freunde dort.

"Schröder hat genug Urlaub gemacht"

SPD-Generalsekretär Olaf Scholz nannte Schröders Absage verständlich und erklärte, die tausenden deutschen Italien- Urlauber hätten es nicht nötig, sich pauschal verunglimpfen zu lassen. "Das hat der Kanzler mit seiner Entscheidung deutlich gemacht." CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer erklärte: "Schröder hat in dieser Legislaturperiode schon genug Urlaub gemacht. Es wird Zeit, dass er jetzt endlich an die Arbeit geht."

Nach Spanien ist Italien für Deutsche wichtigstes ausländisches Reiseland. Rund 9,6 Millionen Deutsche reisten im vergangenen Jahr laut amtlicher Statistik nach Italien. Knapp jeder vierte der fast 35 Millionen ausländischen Besucher in Italien kam 2002 aus Deutschland. Der Großteil der Deutschen fährt mit dem Auto oder per Bus an die Adria, den Gardasee und in die Toskana. Italien ist zudem mit zahlreichen historischen Stätten ein klassisches Studienreiseziel. Die Hauptstadt Rom, aber auch Florenz und Venedig stehen bei Kurztrips obenan.