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Eltern holten keinen Arzt: Behinderter Tochter fault das Gesicht weg

Ihre Qualen sind schwer vorstellbar: Jahrelang litt eine geistig behinderte Frau aus Gifhorn an schwerer Akne, ohne dass ihre Eltern sie jemals zum Arzt brachten. Kiefer, Lippen und Nase sind bereits weggefault. Die 31-Jährige wird jetzt medizinisch versorgt.

Vermutlich über Jahre hinweg hat eine 31 Jahre alte geistig behinderte Frau in Niedersachsen ein Martyrium erlitten. Ihre schwere Akne ist nach Polizeiangaben von der Mutter selbst behandelt worden, wodurch die Frau schwer verletzt wurde. Gegen die 61 Jahre alte Mutter und den 67 Jahre alten Vater wird nun wegen schwerer Körperverletzung durch Unterlassung ermittelt. Bei einer Verurteilung könnte für die Eltern eine mehrjährige Haftstrafe die Folge sein.

Ein Hinweis aus der Verwandtschaft habe die Polizei auf das Schicksal der 31-Jährigen im Landkreis Gifhorn aufmerksam gemacht, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Die junge Frau sei im Gesicht schwerst entstellt. "Das ist der blanke Horror", sagte der Sprecher.

"Die untere Hälfte des Gesichts ist praktisch weggefault", berichtete der Polizeisprecher weiter. "Der ganze Kiefer ist weg, die Frau hat keine Lippen und keine Nase mehr." Das Opfer sei vor knapp zwei Wochen aus dem Elternhaus in eine Klinik gebracht worden. Zum Wohnort wollte der Polizeisprecher keine Angaben machen.

Niemand bekam die Tochter zu Gesicht

Die Familie hatte dem Sprecher zufolge keine sozialen Kontakte. Die Nachbarn hätten zwar gewusst, dass das Ehepaar eine Tochter hatte. Sie hätten das Einzelkind aber nie zu Gesicht bekommen. So seien auch die schweren und nicht verheilten Verletzungen im Gesicht der 31-Jährigen nicht aufgefallen. Auch zur Verwandtschaft habe kein Kontakt bestanden. "Das Ehepaar lebte recht stark abgeschottet", sagte der Polizeisprecher.

Was Polizeibeamte und Mitarbeiter des Gesundheitsamtes bei dem Besuch der Familie dann gesehen hätten, habe selbst hartgesottene Ermittler erschreckt. Die Mutter habe erklärt, es habe für die 31-Jährige keine Krankenversicherung gegeben. Sie habe deswegen mit ihrer Tochter nicht zum Arzt gehen können und die schwere Akne selbst behandelt. Die Verletzungen im Gesicht ihrer Tochter seien "nach und nach" in den vergangenen Jahren entstanden.

Die 31-Jährige, die sich nach Polizeiangaben nicht artikulieren kann, wird jetzt im Krankenhaus in Gifhorn versorgt. Das Amtsgericht Gifhorn erließ einen Beschluss zur Betreuung der Frau.

mlr/DPA / DPA