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Erdbeben in Nepal: Retter befreien 15-Jährigen nach fünf Tagen aus Trümmern

Mit Hochdruck suchen Retter in Nepal auch fünf Tage nach dem schweren Beben nach Überlebenden. In Kathmandu konnte ein 15-Jähriger lebend geborgen werden. Zwei deutsche Frauen bleiben vermisst.

Der 15 Jahre alte Pema Lama wird aus den Trümmern eines Hotels in Kathmandu gerettet. Er überlebte das Erdbeben in Nepal.

Der 15 Jahre alte Pema Lama wird aus den Trümmern eines Hotels in Kathmandu gerettet. Er überlebte das Erdbeben in Nepal.

Fünf Tage nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal haben Rettungskräfte einen 15-Jährigen lebend aus den Trümmern einer Pension in Kathmandu befreit. Der Junge habe im Schutt eines zusammengestürzten Gasthauses überlebt, sagte ein Behördensprecher. Er sei in guter Verfassung. Fotos zeigen, wie die Retter den Geschwächten auf einer Liege wegtragen. Der 15-Jährige blinzelt im hellen Tageslicht, um seinen Hals liegt eine große Stützkrause. Einer der Helfer hält einen Infusionsbeutel in die Höhe.

Der Jugendliche stamme aus dem Distrikt Nuwakot und habe als Helfer im Hidden Guest House in der Nähe der Busstation Gongabu gearbeitet, sagte der Sprecher weiter. Das UN-Büro für Katastrophenhilfe (Ocha) erklärte auf Twitter, an der Rettung seien ein Team aus den Vereinigten Staaten und lokale Kräfte beteiligt gewesen. Zuvor hatten Helfer ein elfjähriges Mädchen noch lebend gefunden - 90 Stunden nach der Katastrophe.

Das Beben mit der Stärke 7,8 hatte die Himalaya-Region am Samstag heimgesucht. Inzwischen wurden allein in Nepal fast 5500 Tote und mehr als 10.000 Verletzte gezählt. Mehr als hundert weitere Menschen starben in Indien und in China.

Regierung will Mount Everest nicht schließen

Im Mount-Everest-Massiv hatten sich infolge des Erdbebens zahlreiche Lawinen gelöst. Dabei kamen mindestens 18 Bergsteiger ums Leben, darunter nach Angaben von Nepals Bergsteigervereinigung eine Australierin, zwei US-Amerikaner, ein Japaner und ein Chinese.

Die Regierung des Landes will den Mount Everest trotz des Unglücks nicht für Bergsteiger schließen. "Wenn die Kletterer gehen wollen, können sie noch immer gehen", sagte Gyanendra Shrestha vom Tourismusministerium. Er fügte hinzu: "So ist Abenteuer, es ist voller Unwägbarkeiten. Du bist selbst für deine Sicherheit verantwortlich. Die Regierung kann Katastrophen nicht verhindern." Das Geschäft mit den Bergsteigern gilt in Nepal als wichtige Einnahmequelle.

Kein Lebenszeichen von deutschen Touristinnen

Von zwei deutschen Frauen, die als Rucksacktouristinnen am Himalaya unterwegs waren, fehlt weiterhin jede Spur. Die Rucksacktouristinnen aus Niedersachsen reisten seit Anfang April durch Nepal. Kurz vor dem Erdbeben schrieb die 20-jährige Leonie eine Handy-Nachricht an ihre Mutter: "Wir sind jetzt vier bis fünf Tage wandern, wir fahren Richtung Langtang-Tal."

Seitdem sei kein weiteres Lebenszeichen gekommen, sagt die Mutter. Möglicherweise seien die Frauen in einem Hilfscamp der Armee untergekommen.

Die Zahlen der Vereinten Nationen machen das ganze Ausmaß der Katastrophe deutlich: Acht Millionen Betroffene, davon brauchen 3,5 Millionen Menschen Nahrungsmittel. 2,8 Millionen Menschen sind den Schätzungen zufolge obdachlos. Bislang gelingt es nur einzelnen Teams, Kathmandu zu verlassen.

kis/DPA/AFP / DPA