Ermittlungen Verdächtige Telefonate aus dem Parlament


Im Zusammenhang mit dem Rotlicht- und Drogenskandal, in den auch der TV-Moderator Friedman verwickelt sein soll, überprüfen die Ermittler laut "Focus" jetzt auch Spuren in den Bundestag.

Im Zuge der Ermittlungen gegen den Menschenhändlerring überprüft die Berliner Justiz nach Informationen des "Focus" jetzt auch Spuren in den Bundestag. Die Staatsanwaltschaft habe angeordnet, die Nutzer "diverser Dienstanschlüsse" des Parlaments zu ermitteln, schreibt das Magazin. Sie gelten als mögliche Zeugen in dem Verfahren.

Eine Sprecherin des Bundestages verwies am Samstag für Informationen auf die Berliner Staatsanwaltschaft. Dort war keine Stellungnahme zu erhalten. Laut des Magazins waren bei der Monate langen Überwachung der Telefone von Zuhältern und Prostituierten auch Anschlussdaten und Gespräche aus dem Bundestag aufgezeichnet worden.

Roth stellt sich hinter Friedman

Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Claudia Roth (Grüne), hat sich in der Kokain-Affäre vor Friedman gestellt. Sie finde die Debatte um Michel Friedman "heuchlerisch", sagte Roth der "Bild"-Zeitung: "Ich habe nämlich das Gefühl, dass manche die Vorwürfe zu einer Abrechnung mit dem Judentum nützen. Sie wollen mit Friedman die Juden auf die Anklagebank setzen. Das darf nicht geschehen."

Zentralrat der Juden diskutiert über Friedman

Der Zentralrat der Juden in Deutschland will offenbar bis Mitte Juli über die Zukunft seines Vizepräsidenten Michel Friedman entscheiden. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt, Salomon Korn, sagte gegenüber "Focus", es werde darüber diskutiert, ob der unter Drogenverdacht stehende Friedman "ein geeigneter Repräsentant der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland" sei.

Für dessen Funktionen im Zentralrat und als Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses würden "höhere Maßstäbe gelten als zum Beispiel für Fernsehmoderatoren", so Korn. Der ehemalige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Andreas Nachama, sagte, er empfinde die Geschichte um Friedman immer noch als "unvorstellbar und unwirklich, obwohl ich weiß, dass sie wahr ist". Die Vorwürfe seien "schließlich nicht vom Himmel gefallen".

Informationssperre bleibt bestehen

Friedman war bei einem Ermittlungsverfahren der Berliner Justiz gegen einen ukrainischen Menschenhändlerring in das Visier der Fahnder geraten. Bei einer Hausdurchsuchung am Mittwoch vergangener Woche in Frankfurt fanden sie drei Tütchen mit Kokainspuren. Nach Beschwerden von Friedmans Anwalt hat die Berliner Justiz eine Informationssperre verhängt. Das Ergebnis einer Haaranalyse sollte vorerst nicht veröffentlicht werden. Für Medienberichte, wonach erste Tests Rückstände chemischer Substanzen in der Probe zu Tage gebracht hätten, gab es keine Bestätigung.


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