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Flugzeugabsturz in den Hudson River: Das Wunder von New York

Knapp an der Katastrophe vorbei: Ein vollbesetzter Airbus ist mitten auf dem Hudson River in New York notgelandet - und alle 155 Passagiere sind gerettet worden. Ihr Leben verdanken sie dem Piloten, der den Flieger kontrolliert auf dem Wasser aufsetzte. Im Flugzeug und auf dem Wasser spielten sich dramatische Szenen ab.

Alle 155 Insassen eines US-Passagierflugzeuges haben am Donnerstag eine unsanfte Notlandung in den Hudson River in New York überlebt. Eine Kollision mit einem Vogelschwarm hatte offenbar beide Triebwerke ausfallen lassen und den Piloten kurz nach dem Start dazu gezwungen, den Airbus A320 in den eiskalten Fluss zu steuern.

Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, selbst ein erfahrener Pilot, lobte den Flugkapitän der Fluggesellschaft US Airways: "Es sieht so aus, als ob der Pilot mit der Landung im Fluss eine Meisterleistung vollbracht und dann sichergestellt hat, dass alle rauskommen." Nach der Landung sei dieser sogar noch zweimal durch das Flugzeug gelaufen, um sicherzustellen, dass alle die Maschine verlassen hätten. Der New Yorker Gouverneur David Patterson sprach von einem "Wunder auf dem Hudson".

Fähren und Boote der Polizei und Küstenwache waren sofort zu dem Flugzeug geeilt, das bei Temperaturen um minus sieben Grad Celsius bis zu den Fenstern in die Fluten eintauchte. Die meisten Passagiere konnten sich über die Notausstiege auf die Tragflächen retten und wurden von den Booten aufgenommen. Bloomberg zufolge wurden die meisten Passagiere direkt vom Flugzeug geholt. Nur wenige seien in dem eiskalten Wasser völlig nass geworden. Ein Passagier brach sich beide Beine, Ersthelfer behandelten nach Angaben der Rettungsdienste 78 Personen mit meist leichteren Verletzungen.

Das Drama spielte sich vor der Kulisse der New Yorker Bürotürme ab. Ein Sprecher der Fluglotsenvereinigung, Doug Church, sagte, der Pilot habe kurz nach dem Start auf dem New Yorker Flughafen LaGuardia einen "doppelten Vogelschlag" gemeldet. Bloomberg sagte, er habe mit dem Piloten gesprochen und dem Passagier, der nach eigenen Angaben als letzter aus der Flugzeug geholt worden sei. Einige Passagiere hätten von Tauchern geborgen werden müssen.

Ein Passagier, Jeff Kolodjay, sagte, er habe zwei oder drei Minuten nach dem Start eine Explosion gehört und von seinem Fenster aus gesehen, dass ein Triebwerk brannte. "Der Captain sagte, wir sollten uns auf einen Aufprall vorbereiten, weil wir runter gingen", berichtete er. Alle hätten sich geduckt und gebetet. Das Flugzeug sei ziemlich hart auf dem Wasser aufgeprallt, aber alles sei in Ordnung gewesen. "Es war heftig. Man muss es dem Piloten zugute halten: Er hat eine höllisch gute Landung gemacht."

Auch Augenzeugen außerhalb des Flugzeugs berichteten, der Pilot habe die Maschine augenscheinlich kontrolliert auf dem Wasser aufgesetzt. US-Airways-Chef Doug Parker bestätigte, dass an Bord des Flugzeugs 150 Passagiere, drei Flugbegleiter und zwei Piloten waren. Laut Bundespolizei FBI gab es keine Anzeichen für einen Terroranschlag. Auch das Heimatschutzministerium ging nicht von einem Anschlag aus.

Nach Angaben der US-Luftaufsichtsbehörde FAA wurden in den USA zwischen 1990 und 2005 rund 65.000 Zwischenfälle mit Vogelschlag gemeldet - etwa einer auf 10.000 Flüge. "Sie würgen buchstäblich das Triebwerk ab und es fällt aus", sagte ein pensionierter Delat-Airlines-Pilot, Joe Mazzone. Fluglotsen wiesen Piloten regelmäßig auf Vögel in ihrer Flugbahn hin. Die Maschine mit der Flugnummer 1549 war auf dem Flughafen LaGuardia mit dem Ziel Charlotte in North Carolina gestartet. Die Absturzstelle befand sich in der Nähe der 48. Straße in Manhattan.

"Eine Notwasserung ist normalerweise noch zerstörerischer als eine Notlandung an Land", sagte ein Experte. Das Flugzeug sei wohl mit einer Geschwindigkeit von 140 Knoten (knapp 260 Stundenkilometern) auf dem Wasser aufgeprallt. "Normalerweise würden die Tragflächen und Triebwerke durch den Aufprall abbrechen, Wasser würde in die Maschine schießen und den Rumpf auseinanderreißen."

AP/Reuters / AP / Reuters