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Frankreich: Ermittlungen nach Busunfall bei Lyon

Nach dem schweren Busunglück bei Lyon mit 28 deutschen Toten, konzentrieren sich die Ermittlungen auf die Unglücksursache. Samstagabend trafen Spezialisten des Bundeskriminalamts in Frankreich ein.

Nach dem schweren Busunglück nahe Lyon konzentrieren sich die Ermittlungen auf die Unglücksursache. Am Samstagabend waren Spezialisten des Bundeskriminalamts (BKA) zur Unterstützung von Polizei und Staatsanwaltschaft in Frankreich eingetroffen. Mindestens 28 Urlauber aus Deutschland waren am Samstagmorgen getötet worden, als ihr vollbesetzter Bus bei Nässe von der Fahrbahn abkam und sich überschlug.

Kliniken entlassen Verletzte

Am Abend hatten sich noch 38 Verletzte in Lyoner Kliniken befunden, 3 davon in lebensbedrohlichem Zustand. 15 sollten bereits am Sonntagmorgen entlassen werden. Angehörige der Opfer wollten noch am Wochenende nach Frankreich reisen. Die Businsassen hatten nach ersten Erkenntnissen eine Reise nach Spanien gewonnen. In der Nähe des Autobahnkreuzes Dardilly wurde eine Leichenhalle eingerichtet. Insgesamt befanden sich 75 Menschen in dem Reisebus aus der Nähe von Hannover. Es war der schwerste Busunfall in Frankreich seit etwa zehn Jahren.

Identifizierung noch nicht abgeschlossen

Die Identifizierung der Opfer läuft weiter auf Hochtouren, noch immer steht die Identität einiger der 28 Toten nicht genau fest, sagte ein Sprecher im Lagezentrum des Innenministeriums am Sonntagmorgen in Hannover. Deshalb hätten auch noch nicht alle Angehörigen benachrichtigt werden können. In dem Unglücksbus einer Firma aus Wunstorf saßen auch 23 Menschen aus Niedersachsen. Wie viele davon verletzt wurden oder ums Leben kamen, werde im Laufe des Tages klar sein, erläuterte der Sprecher. "Wir arbeiten daran mit Hochdruck."

Kommt Anschnallpflicht in Bussen?

Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe will als Konsequenz aus den schweren Busunfällen in jüngster Vergangenheit voraussichtlich das Thema Verkehrssicherheit auf die politische Tagesordnung bringen. "Dazu gehört auch die Anschnallpflicht in Fernbussen und die Kontrolle älterer Busse", sagte er am Samstagabend in Lyon.

Ursache: Menschliches Versagen

Die französische Staatsanwaltschaft vermutet, dass überhöhte Geschwindigkeit bei einem Überholmanöver zum Unfall führte. Nach Angaben von Stolpe war nach erstem Anschein "menschliches Versagen" die Ursache. Die Untersuchungen müssten aber abgewartet werden. Die meisten der überwiegend älteren Fahrgäste schliefen, als es zur Tragödie kam. Ähnlich wie viele der vor neun Tagen verunglückten Busreisenden in Ungarn hatten auch sie die Fahrt bei einem Gewinnspiel gewonnen. Die Bergung der Opfer war äußerst schwierig. Etwa 250 Helfer, Feuerwehrmänner und Polizisten waren im Einsatz.

Fahrer fuhr mit 117 Stundenkilometern

Nach ersten Ermittlungen wurde der Unfall durch überhöhte Geschwindigkeit und Aquaplaning verursacht. Der Fahrer des Busses fuhr zum Zeitpunkt des Unglücks auf der Autobahn 117 Stundenkilometer. Erlaubt waren 90 Stundenkilometer, meldete der französische Rundfunksender France Info am Sonntag. Der Sender berief sich auf erste Ermittlungsergebnisse.