VG-Wort Pixel

Experten zum Germanwings-Absturz Druckabfall könnte Absturzursache sein


Die genaue Absturzursache kennt niemand. Experten sind sich einig, dass sich eine plötzliche Katastrophe an Bord ereignet habe. In Frage kommt ein Druckabfall - womöglich durch eine Explosion.

Noch wurde das Wrack der A320 nicht geborgen, aber die bekannten Flugdaten lassen Rückschlüsse über eine mögliche Ursache des Absturzes zu. Luftfahrtexperte Neil Hansdorf sagte der BBC, dass er annehme, dass die Maschine, obwohl sie 24 Jahre alt gewesen ist, sich mechanisch in einem sehr guten Zustand befunden habe. "Bei Airlines hängt alles von der Firmenkultur ab, und die Kultur der deutschen Airlines ist eben sehr deutsch." Ähnlich äußerte sich der Luftfahrtexperte des Senders CNBC: "Der A320 ist wirklich ein Arbeitstier." Mehr als 6000 seien weltweit bei großen Airlines im Einsatz. "Dieses Flugzeug genießt einen exzellenten Ruf." Auch Airline-Analyst Michael Boyd bescheinigte Germanwings und Lufthansa einen ausgezeichneten Ruf. "Was Betrieb und Wartung betrifft, ist dort alles absolut sauber."

Alle Experten sind sich einig, dass ein Maschinenschaden denkbar, aber unwahrscheinlich ist, weil der Jet auch mit einem Triebwerk hätte weiterfliegen können. Es hätten schon beide Triebwerke ausfallen müssen.

Piloten müssen Kontrolle verloren haben

Auch habe das Gebirge nichts mit der Katastrophe zu tun. Die Maschine sei schon lange in der Luft gewesen und habe ihre Reisehöhe erreicht, sagte Neil Hansdorf. "Da macht es keinen Unterschied, ob man über die Alpen oder über die Ebene fliegt. Über dem flachen Land wäre das Ergebnis ganz das Gleiche, nur dass die Absturzstelle vermutlich leichter zu erreichen wäre."

Der Flieger sank von 38.000 auf 5000 Fuß. Im normalen Betrieb sei es extrem ungewöhnlich, dass ein Flugzeug so schnell an Höhe verliert, hieß es bei CNBC. Denkbar ist ein plötzlicher Druckabfall. "Wenn es zu einem Druckabfall kommt, muss die Crew versuchen, die Maschine schnell runter auf 10.000 Fuß zu bekommen, damit die Passagiere atmen können", erläuterte Neil Hansdorf der BBC. Denn die Passagiere hätten nur Sauerstoff für zehn Minuten. Normalerweise versuchen Piloten dann, die Maschine auf 10.000 Fuß zu stabilisieren. "Da das nicht passiert ist, liegt die Vermutung nahe, dass die Piloten keine Kontrolle mehr über das hatten, was danach passiert ist", folgerte CNBC.

Keine schnellen Antworten

Es sieht daher so aus, als hätte sich an Bord eine Katastrophe ereignet. Es sei aber zu früh zu entscheiden, was sie verursacht habe, ergänzte Hansdorf. Ob es ein mechanischer Fehler in der Maschine vorlag oder ob ein ganz anderer Faktor entscheidend war, auch einen Anschlag könne man nicht ausschließen. "Wir wissen einfach nicht, ob nicht etwa eine Explosion den Druckabfall verursacht hat." Schnelle Antworten werde es aber kaum geben, so der BBC-Experte. "Da sollten wir nicht erwarten, allzu schnell eine Antwort zu bekommen. Es kann Tage, aber auch Monate und Jahre dauern, bis man herausfindet, was die Maschine tatsächlich vom Himmel geholt hat."

Korrektur: In der ursprünglichen Version des Artikels hieß es, dass die Crew ein Notsignal abgesetzt hat. Dies hat sich mittlerweile als Falschinformation herausgestellt.

Gernot Kramper/Christoph Fröhlich

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker