Gestrandeter Wal vor Poel
Warten auf Transportkahn - oder schwimmt der Wal selbst los?

Das neue Konzept der Privatinitiative wird geduldet. Foto: Bernd Wüstneck/dpa
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Go für den neuen Plan der privaten Initiative für einen Transport des gestrandeten Buckelwals: Das Ministerium duldet das Konzept der Gruppe. Wirklich los geht es allerdings frühestens Dienstag.

In eine Art stählernes Aquarium gesperrt soll der vor der Ostsee-Insel Poel gestrandete Buckelwal bis in die Nordsee oder gar bis in den Atlantik geschleppt werden. Dieses neue Konzept der privaten Initiative für einen Transport des Tiers hat nun das Go, wie Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) im Hafen von Kirchdorf sagte. Das Konzept werde geduldet - die Verantwortung liege weiterhin bei der Initiative. Nach Eindruck der beteiligten Kleintierärztinnen sei das Tier transportfähig.

Der Plan sieht vor, den zwölf Tonnen schweren Walbullen mit einer Art Lastkahn, einer sogenannten Barge, zu transportieren. Die an der Aktion beteiligte Kleintierärztin Kirsten Tönnies sagte, die Initiative gehe davon aus, dass der Transport des Wals mit dem Lastkahn zwischen Dienstag und Mittwoch starten könne. Derzeit befindet sich die Barge noch nicht vor Poel. Backhaus sagte, es solle am Abend bekanntgegeben werden, wann sie ankommen werde. 

Gut hundert Meter Rinne und dann auf den Transporter

An der benötigten mehr als 100 Meter lange Rinne war bereits gebaggert worden. Sie soll weitgehend fertig sein, hieß es schon am Morgen aus dem Team. Der vier bis sechs Jahre alte Wal soll durch die Rinne auf den absenkbaren Kahn gelotst werden. Das stählerne Becken soll dann von einem Schlepper gezogen in die mehr als 400 Kilometer entfernte Nordsee starten.

Tönnies betonte, das Team warte flehentlich auf die Barge. Das sei ein Riesenkahn. "Für ein Wildtier ist das schon ziemlich komfortabel im Rahmen unserer Möglichkeiten." Tierschutzrechtliche Verantwortung für den Transport haben die beteiligten Kleintierärztinnen, wie Backhaus sagte. 

Die Barge soll durch den - dafür nach Angaben von Backhaus gesperrten - Nord-Ostsee-Kanal (NOK) gezogen und dann mit dem Schlepper "Robin Hood" von Kiel nach Wismar gebracht werden. In der Werft in Wismar soll das Gefährt dann noch optimiert und mit Sand ausgelegt werden, um die Umgebung für den Wal angenehmer zu machen. Sollte der Wal wirklich in die Barge bewegt werden können, könnte erneut eine Fahrt durch den Kanal anstehen.

Startet der Wal bei steigendem Wasser selbst?

Backhaus wollte mit Blick auf die steigenden Wasserstände in der Kirchsee-Bucht nicht ausschließen, dass sich der Wal schon in den frühen Morgenstunden des Sonntags von sich aus auf den Weg macht. Er werde jedenfalls ganz früh aufstehen.

Sollte der Wal allein wieder losschwimmen oder aber kommende Woche nicht auf den Kahn wollen, soll ein bereits befestigter Tracker seine weitere Position zeigen. Allerdings gibt es dabei ein gravierendes Problem: Der Tracker funktioniere nicht unter Wasser, sagte Backhaus. Sollte der Wal also abtauchen oder ertrinkend auf den Grund sinken, wäre er wohl nicht mehr zu erfassen. An einer neuen Lösung werde gearbeitet, so der Minister.

Am Vormittag waren rund 40 mit Sand gefüllte sogenannte Big Bags verladen und mit einem Schwimmponton in die Kirchsee-Bucht bugsiert worden. Dann wurde begonnen, sie am Wal zu platzieren. Als Barriere sollen sie verhindern, dass er sich bei steigenden Wasserständen noch weiter in die Flachwasserzone hinein bewegt. Am Sonntag sollte es höhere Wasserstände geben als in den Tagen zuvor. Schon einmal - am Montag - war das Tier bei steigendem Wasserstand plötzlich losgeschwommen.

Mehr als 50 Tage - davon deutlich mehr als die Hälfte auf Grund

Der Buckelwal war Anfang März erstmals in der Ostsee gesehen worden: Am 3. März tauchte er im Hafen von Wismar auf. In den mehr als 50 Tagen seither lag er zu deutlich mehr als der Hälfte der Zeit in Flachwasserzonen. Experten vermuten, dass er sie gezielt immer wieder gezielt aufgesucht haben könnte, weil er schwer erkrankt Ruhe suchte.

dpa

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