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Golf von Aden: Piraten kapern deutschen Frachter

Seeräuber haben vor der somalischen Küste einen zweiten deutschen Frachter in ihre Gewalt gebracht. US-Militärs fordern nun, dass die Handelsschiffe auch etwas für ihren Schutz tun: Sie sollten sich selbst bewaffnen, um den Panzerfäusten der Piraten etwas entgegen zu setzen.

Somalische Piraten haben im Golf von Aden einen deutschen Getreidefrachter gekapert. Die 17-köpfige Besatzung des Schiffes sei unverletzt, teilte ein Vertreter der in Kenia ansässigen Organisation East African Seafarers Assistance mit. "Wir kennen die Meldungen und gehen ihnen nach", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts. Weitere Angaben könne man aber nicht bestätigen.

In den vergangenen Monaten haben somalische Piraten zahlreiche Schiffe entführt und Lösegelder in Millionenhöhe erpresst. Auch der deutsche Frachter "Hansa Stavanger" ist noch in der Gewalt von Seeräubern.

Somalia fordert Unterstützung der Streitkräfte

Der somalische Ministerpräsident Omar Abdirashid Ali Sharmarke hatte vor kurzem internationale Unterstützung für den Aufbau von Streitkräften zur Bekämpfung der Piraterie an Land gefordert. Die vor der somalischen Küste patrouillierenden ausländischen Kriegsschiffe hätten die Piraten nicht abgeschreckt. Stattdessen würden die Reedereien ihre als Geiseln genommenen Mitarbeiter freikaufen, sagte er. Dabei habe die somalische Regierung stets von Lösegeldzahlungen abgeraten, weil diese das Problem nur verschlimmerten.

Experten zufolge benötigt Somalia zur Bekämpfung der Piraterie in erster Linie eine handlungsstarke Regierung. "Die epidemieartige Zunahme der Piraterie ist nur ein Symptom für die himmelschreienden Zustände im Land und die dauerhafte politische Instabilität", sagte Bruce Hickling von der Hilfsorganisation International Rescue Committee.

Wasserschläuche gegen Panzerfäuste

Derweil empfiehlt der für den US-Einsatz vor Somalia zuständige General die Bewaffnung von Handelsschiffen. Die Schifffahrtsgesellschaften sollten überlegen, ob sie nicht bewaffnete Sicherheitkräfte einstellen sollten, sagte General David Petraeus vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses in Washington. Die Abschreckung der Piraten mit Wasserschläuchen und anderen Mitteln sei nur begrenzt wirksam, sagte Petraeus. "Es ist hart, wenn man einen Wasserschlauch hält und der andere Kerl hat eine Panzerfaust", sagte der General.

Die US-Marine werde in dem Seegebiet vor Somalia weiter Präsenz zeigen. Die Handelsschiffe müssten aber auch ihren grundlegenden Beitrag leisten, um Piraten abzuschrecken. Der Präsident der Amerikanischen Schifffahrtskammer dagegen kritisierte, dass die Bewaffnung von Frachtern zu einer Eskalation der Gewalt führen könnte.

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